23. Oktober 2007 Nicolas Sarkozy hat sie meine Condoleezza Rice“ genannt. Das war ein Kompliment, das Ramatoulaye Yade mit charmantem Lächeln aufgenommen hat. Wie sie überhaupt alles charmant findet, was der Staatspräsident ihr sagt.
Am Kabinettstisch, an dem sie mit dem Titel Äußere Angelegenheiten und Menschenrechte“ Platz nimmt, fällt die 30 Jahre alte gebürtige Senegalesin durch ihre unverblümte Redeweise auf. Sie spricht so, dass ältere Herren sie unwiderstehlich erfrischend und offen“ finden. Nicolas Sarkozy und ich, das ist Vertrauen total“, sagt sie, mit der Hand eine widerspenstige Haarsträhne bändigend. Er ist mein Mentor. Ich kann viel von ihm lernen.“
Sichtbare Minderheiten sichtbarer machen
Sarkozy hat Rama Yade in seiner Partei entdeckt“, weil die elegante junge Frau meckerte. Über Sarkozys gehässigen Tonfall in der Banlieue, die er mit dem Hochdruckreiniger Kärcher“ säubern wollte, in der er Gesindel“ (racaille“) leben sah. Rama Yade, die nach der Trennung ihrer Eltern selbst in einem Pariser Vorort aufgewachsen ist, hat ihm auf Augenhöhe gesagt, dass sie von diesem Vokabular nichts halte.
Sarkozy war beeindruckt von dem Selbstbewusstsein der 1,77 Meter großen Frau. Er gab ihr zunächst einen Posten in der Partei (Nationalsekretärin für Frankophonie) und dann einen Kabinettssitz. Rama Yade hat ein Buch geschrieben, Noirs de France“ (Schwarze Frankreichs“). Das passte zu Sarkozys Wunsch, die sichtbaren Minderheiten“ sichtbarer zu machen. Heute ist sie stolz darauf, als neues Gesicht Frankreichs“ in der Regierungsverantwortung zu stehen.
Bleib wie du bist, ändere dich nicht
Rama Yade hat ein großes Büro im Außenministerium und einen Posten, den es noch nie gegeben hat. Bernard Kouchner, ihr Vorgesetzter, lasse ihr große Freiheiten, sagt sie. Sie weiß selbst nicht so genau, wie sie Äußere Angelegenheiten und Menschenrechte“ in Einklang bringen soll. Kürzlich ist sie in ein besetztes Mietshaus in die Vorstadt Aubervilliers gefahren, wo illegale Einwanderer wohnen. Die Polizei wollte das Haus räumen und die Einwanderer ohne Papiere ausweisen. Rama Yade hat gesagt, dass sie das aus humanitären Gründen“ nicht in Ordnung finde.
Premierminister Fillon erfuhr davon aus Agenturdepeschen und tobte über die junge Staatsministerin, die sich gegen die Ausländerpolitik der eigenen Regierung stelle. Das ist seine Rolle“, sagt Rama Yade. Ihr sei jedoch wichtiger, dass sie weiter das Vertrauen Sarkozys genieße. Also, alle haben mir gesagt, bleib wie du bist, ändere dich nicht, weil du in der Regierung sitzt“, sagt Rama Yade. Das habe ich gemacht, und dann muss sich niemand wundern, dass ich nicht zu allem schweige.“ Rama Yade hat Sarkozy auf seine erste Afrika-Reise begleitet. Auch nach Gabun, wohin sie eigentlich nicht wollte, weil sie in Staatschef Omar Bongo einen Diktator sieht, der Verletzungen von Menschenrechten duldet.
Nicht immer ein bequemer Job
In der senegalesischen Hauptstadt Dakar, wo sie am 13. Dezember 1976 geboren wurde, hat sie sich an der Seite Sarkozys feiern lassen. Nur vor ihrem Vater, dem ehemaligen Privatsekretär des verstorbenen Staatspräsidenten Senghor, flüchtete sie beim Botschaftsempfang. Sie hat es ihm nicht verziehen, dass er ihre Mutter mit den vier Töchtern in Frankreich sitzen ließ, ohne Geld. Rama Yade sagt: Ich bin ein Kind der republikanischen Schule.“
Nach dem Studium an der Sciences Po“ schaffte sie die Aufnahmeprüfung in die Senatsverwaltung. Dort arbeitete sie zuletzt für den Senatsfernsehsender Public Senat“. Jean-Pierre Elkabbach, der Direktor des Senders, sagt über sie: Sie ist charismatisch, aber sie hört nur auf sich selbst.“
Ihre Aufgabe, für den Respekt der Menschenrechte in der Welt zu werben, nennt sie ehrenhaft“, aber nicht immer bequem“. Sie spricht von ihrer Reise nach Tunesien, das vom Autokraten Ben Ali regiert wird. Man kann da nicht angekommen und gleich losbrüllen. Dann sperren die sich ja sofort“, sagt sie. Aber wir dürfen unsere Werte auch nicht verleugnen.“ Sie hält sich bereit, nach Burma zu reisen, sollte ihr das Militärregime ein Visum erteilen. In Washington hat sie mit den Verantwortlichen im Außenministerium über die Lage in Burma diskutiert. Sie war erstaunt, wie selbstverständlich es für Schwarze in Amerika ist, hohe Verwaltungsposten zu besetzen.
Außergewöhnliche Persönlichkeiten gefallen mir
Rama Yade ist Muslimin. Sie spricht darüber mit großer Gelassenheit, aber doch mit einer gewissen Wachsamkeit. Eigentlich sollte das nicht wichtiger sein als der katholische Glauben anderer Mitglieder der Regierung“, sagt sie. Sie hat keine Lust, über die anderen muslimischen Kabinettsmitglieder zu reden. Genauso wenig will sie als Afrikanerin vom Dienst“ gelten. Es hat sie sehr geärgert, dass in den französischen Medien stand, am Tag ihrer Ernennung habe sie das traditionelle senegalische Kostüm, den Boubou, getragen. Das war ein Kleid aus der letzten Kollektion von H&M“, lacht sie.
Die Staatsministerin für Äußere Angelegenheiten und Menschenrechte ist mit einem Diplomaten verheiratet, Joseph Zimet. Er hat ein sozialistisches Parteibuch und in Washington für Sarkozys jetzigen diplomatischen Berater, Jean-David Levitte, gearbeitet. Rama Yade lacht Widersprüche wie diese weg. Zwischen Außenminister Kouchner, dem Außenminister aus der Sozialistischen Partei, und Sarkozy, dem rechtsbürgerlichen Präsidenten, fühlt sie sich wohl. Sie sagt: Beide sind außergewöhnliche Persönlichkeiten. Das ist es, was mir gefällt.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP