01. August 2007 Die Entführer des vor knapp zwei Wochen in Afghanistan verschleppten deutschen Bauingenieurs erhöhen den Druck auf die Bundesregierung: Der arabische Fernsehsender Al Dschazira strahlte am Dienstag ein Video aus, auf dem die Geisel zu sehen ist. Der Nachrichtensprecher von Al Dschazira sagte, der 62-Jährige habe die Bundesregierung und die Vereinigten Staaten angefleht, die Truppen aus Afghanistan abzuziehen und ihm zu helfen, damit er zu seiner Familie zurückkehren könne. Die Stimme der Geisel selbst war auf dem Video kaum zu hören.
Der Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin, Martin Jäger, bezeichnete das Video als gezielt lanciertes Dokument der Einschüchterung. Er fügte hinzu: Die Experten des Krisenstabes sind dabei, die Videobotschaft sorgfältig zu analysieren und auszuwerten. Der Krisenstab unternehme weiterhin alles, um die Freilassung der Geisel zu erreichen.
In bergiger Landschaft
Auf dem Video ist der Entführte inmitten von maskierten Männern zu sehen, die ihre Gewehre auf ihn richten. Das Video wurde in bergiger Landschaft aufgenommen. Es gab keinen Hinweis darauf, wann die Aufnahme entstanden ist.
Der Sender strahlte noch ein zweites Video aus, auf dem laut Al Dschazira vier mit dem Deutschen entführte Afghanen zu sehen sind. Diese hätten die afghanische Regierung gebeten, auf die Forderungen der Kidnapper einzugehen.
Krimineller Hintergrund
Der entführte Deutsche befand sich zumindest noch am Montag in Ghasni in der Hand einer örtlichen Taliban-Gruppe mit kriminellem Hintergrund, die nur lose Verbindung zu den straffer organisierten Rebellen von Mullah Omar und des Taliban-Sprechers Kari Jussif Ahmadi unterhalten soll.
Der 62 Jahre alte Deutsche war am 18. Juli zusammen mit einem Kollegen in der Provinz Wardak verschleppt worden. Die Leiche seines Kollegen war wenige Tage später mit mehreren Schusswunden gefunden worden. Der Leichnam war bereits in der vergangenen Woche nach Deutschland übergeführt worden, er wird in Köln obduziert. Ein Ergebnis steht noch aus.
Am Leben und gesund
Wenige Stunden vor der Ausstrahlung des Videos hatte die afghanische Regierung am Dienstag mitgeteilt, der Bauingenieur sei nach ihren Erkenntnissen am Leben und gesund. Der Zustand des Deutschen sei zufriedenstellend, sagte der Sprecher des Innenministeriums in Kabul, Semarai Baschari. Wir haben weiterhin Hoffnung, dass er freigelassen wird.
Der Sprecher betonte angesichts von 21 südkoreanischen Geiseln, die sich angeblich in den Händen der Taliban befinden: Wir vergessen auch den Deutschen nicht. Zwei der ursprünglich 23 Südkoreaner, die in der vergangenen Woche verschleppt worden waren, sind von ihren Entführern ermordet worden. Die Geiselnehmer fordern die Freilassung von acht Gesinnungsgenossen aus afghanischen Gefängnissen. Ein weiteres Ultimatum der Taliban läuft an diesem Mittwoch um 12 Uhr Ortszeit (9.30 Uhr MESZ) aus.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, REUTERS