20. Juli 2007 In Afghanistan ist am Freitag eine Gruppe südkoreanischer Christen entführt worden. Die Taliban teilten über das Internet mit, die Koreaner seien in der Nähe der Stadt Qarabagh in der südostafghanischen Provinz Ghazni von Kämpfern des islamischen Emirats“ gefangen worden.
Sie befänden sich jetzt in einem sicheren Gebiet“. Die Taliban-Führung werde über ihr weiteres Schicksal entscheiden. Die Entführer der beiden vor einigen Tagen verschleppten Deutschen haben unterdessen mit der Ermordung ihrer Geiseln gedroht, falls die Bundeswehr nicht komplett aus Afghanistan abziehe. Außerdem verlangten sie die Freilassung von Gefangenen. (Siehe auch: Taliban drohen mit Ermordung deutscher Geiseln)
Priester mit 20 jungen Freiwilligen auf Mission
Die südkoreanische Regierung formulierte ihre Stellungnahme etwas vorsichtiger. Es sei sehr wahrscheinlich“, dass sich die Koreaner in der Gewalt der Taliban befänden. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet, bei den Geiseln handele es sich um einen 44 Jahre alten Priester sowie 20 junge christliche Freiwillige – 13 Frauen und sieben Männer – im Alter zwischen 22 und 37 Jahren.
Sie hätten sich seit einer Woche in Afghanistan befunden und im Gebiet von Kandahar, einer Hochburg der Taliban, freiwillige Arbeit geleistet. Die Verbindung zu der Gruppe sei am Donnerstag abgerissen. Zum Zeitpunkt ihrer Verschleppung befand sich die Gruppe in einem Bus auf dem Weg von Kandahar in die Hauptstadt Kabul, dem Vernehmen nach ohne Bewachung. Die Koreaner hätten am Montag in ihre Heimat zurückkehren sollen.
Die Entführten gehörten zu einer presbyterianischen Kirchengemeinde im Süden der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Diese protestantische Freikirche legt großen Wert auf die Verbreitung des Glaubens. Ein Vertreter der Regierung sagte am Freitag auf die Frage, ob die Entführten Entwicklungshelfer oder Missionare seien, sie seien beides. Aber Mission ist ihnen sehr wichtig.“ Darüber gebe es in Südkorea intensive Debatten.
Im Visier der Taliban
Südkorea entsandte eine Mission aus Angehörigen des Außenministeriums, der Geheimdienste und der Polizei nach Afghanistan. Die Regierung forderte alle Koreaner, die sich noch in Afghanistan befinden, zur Rückkehr auf.
Die Gegend, in der die Südkoreaner verschleppt wurden, gehört zu den gefährlichsten in Afghanistan. Die Taliban haben wiederholt Ausländer entführt. Besonders empfindlich reagieren die islamischen Fundamentalisten auf Versuche von Angehörigen anderer Religionen, ihren Glauben in dem Land zu verbreiten. Genau dies aber hatten die Südkoreaner offenbar vor. Insgesamt sollen sich nach einer Meldung der Zeitung Korea Herald“ zur Zeit etwa 120 südkoreanische Missionare in Afghanistan aufhalten.
Ohne Schutz durch Sicherheitskräfte
Der Provinzgouverneur von Ghazni äußerte sich erbost über die Koreaner. Durch ihre Tätigkeit machten sie sich zu Zielen für die Taliban. Sie hätten offenbar Afghanistan mit ihrem Heimatland verwechselt. Die Missionare hätten keinerlei Kontakt zu Regierungsstellen oder den Sicherheitskräften aufgenommen, die sie hätten beschützen können. Auch die lokale Polizei ließ mitteilen, sie habe von der Anwesenheit der Koreaner in ihrer Region nichts gewusst.
Vor sechs Jahren hatten die damals in Afghanistan regierenden Taliban Mitarbeiter einer Hilfsorganisation festgenommen und später vor Gericht gestellt. Darunter befanden sich auch Deutsche. Sie wurden beschuldigt, sich als Missionare in dem Land betätigt zu haben. Bei den Angeklagten seien Bibeln und andere Bücher mit christlichem Inhalt gefunden worden. Die Missionsabsicht sei daran zu erkennen gewesen, dass die Werke in die im Land verbreiteten Sprachen Pashtu und Dari übersetzt worden seien.
Der Prozess hatte kurz vor den Anschlägen vom 11. September 2001 begonnen. Er ging auch noch nach dem Beginn der Militäraktion ausländischer Truppen gegen das Land weiter. Im November 2001 schließlich kamen die Missionare frei. Bei ihrem Rückzug aus Kabul hatten Taliban-Einheiten die Ausländer mitgenommen. Auf dem Weg nach Kandahar wurden sie aber in Gefechte mit ausländischen Truppen verwickelt. Außerdem erhob sich die lokale Bevölkerung gegen die Taliban. Amerikanische Spezialeinheiten holten die Verschleppten schließlich aus der Provinz Ghazni heraus, genau der Gegend, in der jetzt die südkoreanischen Missionare
Text: pes.; F.A.Z.
Bildmaterial: AFP