Deshalb haben die Europäer auch bei weitem keine so skeptisch-ablehnende Haltung der UNO gegenüber wie die Amerikaner.
Es wäre sehr wünschenswert, wenn der chinesische Staat und seine Bürger nicht die Fehler Europas wiederholen würde, und unter Berufung auf Begriffe wie „national interest“ (spätestens seit den Neunzigern ist dieser Begriff unter chinesischen Politikwissenschaftlern ja sehr in Mode) und „Souveränität“ den nationalen Ego-Trip fahren würde. Dies sind Begriffe der Vergangenheit und ein ausgesprochen schlechtes geistiges Rüstzeug für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Ich wünsche mir, dass China das nicht auf die harte Tour lernen muss.
Hmm, das ist mal interessant. Die vielen unflätigen, teilweise an Rassismus grenzenden Kommentare gegen Chinesen ("gelbe Gefahr") werden alle veröffentlicht, aber wenn ich den Irak-Krieg einen "imperialistischen Akt" nenne (eine Meining, die über 60% aller Deutschen teilen) schlägt die Zensur zu...
Der europäische Kolonialismus hat ein unseliges Erbe hinterlassen, auch in geistig-moralischer Hinsicht, keine Frage. Deshalb hat es in Europa, und insbesondere in Deutschland, eine sehr kritische Auseinandersetzung mit diesem Teil der europäischen Geschichte gegeben. Daraus resultierend ist das Konzept des Nationalstaats und seiner „unantastbaren Souveränität“ gehörig in Frage gestellt worden und Europa ist daher auf der Suche nach Konzepten und Übereinkünften, die die Schranken des Nationalstaats überwinden sollen. Nur so ist das Entstehen der Europäischen Union zu erklären, die Europa für lange Zeit befrieden soll, mit offenen Grenzen, einem offenen Arbeitsmarkt und vielen einheitlichen Regelungen und Übereinkünften. Gerade Deutschland war, vor dem Hintergrund seiner Geschichte, dafür bereit, Abermilliarden in die Europäische Union als Nettozahler zu zahlen und seine berühmte D-Mark zu opfern.
Zitat aus meinem (deutschen!) Lexikon: "Über Jh. erkannte der Dalai-Lama den chines. Kaiser als Oberhoheit an, löste sich jedoch nach dem Sturz der chines. Monarchie 1911 völlig von China"
Tibet wird übrigens auch von Taiwan (ROC) beansprucht - das sollten sich alle schwarz-weiß-Maler mal auf der Zunge zergehen lassen.
Gerade wenn man (z.T. berechtigte) Kritik an der chines. Führung übt, sollte man sie nicht durch unreflektierte Wiedergabe von Propaganda selbst entwerten.
ich weiss sehr wohl, dass in Taiwan ein grosser Teil der Becoelkerung keine Han-Chinesen sind und die haben natuerlich Vorbehalte gegen eine chines. regierung, was sich uebrigens innerhalb der taiw. Politik schon als konflikt erweist. Ihr Hinweis, dass Taiwan in den letzten 100 jahren fast immer fremd bestimmt war, ist mir sehr wohl auch bekannt, nur den deutschen Schreiberlingen hier nicht. im ausgehenden 17. jhrdt. haben die Qing eine chines. verwaltung auf Taiwan etabliert, die allerdings oft Zeichen der Schwaeche zeigte.
So weit so gut.
wie in allen anderen Regionen der Welt auch hat der Import des europaeischen Nationalstaatsgedankens fuer China eine neue Situation geschaffen. Insofern ist es eigentlich unangemessen die Situation in China, Afrika und dem Nahen Osten mit einem theoretischen Ruestzeug zu beurteilen, das auf dem Nationalstaatsgedanken basiert. . Faktisch hat sich aber der Imperialismus mit dem Nationalstaatsgedanken durchgesetzt und zur Gruendung von "Staaten" nach diesem Muster gefuehrt. Die Westler haben sich dabei an ihren Machtinteressen und nicht an historischen Tatsachen orientiert: am besten demonstriert durch die kerzengerade Grenzen in Afrika und dem Nahen Osten. Daher ruehren die Probleme.
... Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. - Also in Bauch und Bogen als anti-chinesisch zu verunglimpfen.
Über Unwissenheit würde ich mich an Stelle der Vorkommentatorin nicht allzusehr echauffieren, wenn dass die Voraussetzung ist, um die eigene Argumentation überhaupt glaubhaft machen zu können.
Gerne nochmal: Spätestens mit der Hinweis, der Dalai Lama glaube selber nicht an einen Nachfolger, als ein Argument gegen ihn (und somit für Ihre offensichtlich regimetreue Haltung), haben Sie klar zu verstehen geben, woher der Wind pfeifft.
Dass die Chance leider tatsächlich gross ist, dass der Dalai Lama keinen Nachfolger finden wird, hat mit der rücksichtslosen Repression zu tun, die China den Tibetern (gerade auch bei der doch offenbar in der Verfassung vorgeschriebenen Religionsfreiheit) angedeihen lässt.
Wären die Tibeter tatsächlich Teil Chinas (was sie frei bestreiten würden), so ist das Verhalten des Pekinger Regimes gegen die Verfassung und die eigenen Bürger gerichtet. - Anti-Chinesisch im wahrsten Sinne des Wortes!
Niemand wiederlegt Sie so gekonnt, wie Sie selber.
Durch staendige Wiederhloungen wird etwas nicht wahr.
Tibet war vor 1950 kein Staatsgebilde im europaeisch modernen Sinne, ebenfalls gilt das in gewissem Masse fuer China und viele andere 'neue Staaten' in Asien und Nahost.
Und aus vielen Aeusserungen hier spricht der blanke Fremdenhass, bzw. die Angst vor dem Fremden: Kiesinger 196?: ich sage nur China, China, China.
Was ich dreist finde, ist die Chutzpah mit der einige hier Phrasendreschen, natuerlich von keiner Kenntnis getruebt:
der Ungebildete glaubt sich immer im Recht
1.Ich finde es mutig, dass Sie sich der Diskussion mit einer zur Zeit extrem chinakritischen Öffentlichkeit stellen. Respekt!
2.Historischer Hintergrund: a) Im Falle Taiwans wissen Sie genauso gut wie ich, dass Taiwan und das chinesische Festland in den letzen 102 Jahren de facto nur vier Jahre von ein und derselben Regierung verwaltet wurde (nämlich 1945-1949) b) Die Chinesen argumentieren ja gerne mit der Geschichte. Nur: was kann man eigentlich daraus ableiten, wenn 80% aller Taiwanesen sich politisch und kulturell nicht als Chinesen, sondern als Taiwanesen sehen. Wenn die Deutschen genauso argumentieren würden, was wäre dann mit Österreich, Schlesien und Ostpreußen?
3. Bei aller berechtigten Kritik an einseitiger deutscher Sicht auf China. Seien Sie mal ganz selbstkritisch und fragen Sie sich, in wieweit Sie selbst von der chinesischen Propaganda beeinflusst sind. Wussten Sie zum Beispiel, dass sich die japanische Regierung bereits viele Male beim chinesischen Volk für die Untaten im 2. Weltkrieg entschuldigt hat? Oder dass sich Bill Clinton umgehend beim chinesischen Volk wegen der Vorkommnisse 1999 in Jugoslawien (Botschaft) entschuldigt hat? Falls nein: warum wohl nicht?
Wie Herr Teichmann unten schon kommentiert, darf Frau Merkel ihre Sturheit sehr wohl als Privatperson ausleben. Aber bitte schön in Ihrer Privatwohnung oder an einem neutralen Ort. Im Kanzleramt repräsentiert sie Deutschland und muss deshald deutsches Interesse vertreten. Da sollte man schon von ihr erwarten können, dass sie eine Trennung zwischen Privatperson Merkel und Kanzlerin Merkel zeigt.
Zudem ist Dalai Lama sicher kein geeignetes Symbol, um mehr Demokratie in China einzufordern. Selbst die Bezeichnung Popstar für Dalai Lama (in Analogie zu Papst) ist schon eine maßlose Übertreibung. Da fragt man sich wirklich, wo bleibt denn das Fingerspitzengefühl der deutschen Diplomatie.
Im Kommentar steht: "Dabei haben die Taiwaner getan, wie ihnen geheißen: Sie haben sich von einer Diktatur befreit und ein wohlhabendes demokratisches Land aufgebaut." Was hier verschwiegen wird: Taiwan wurde unter der Diktatur in den 70ern, 80ern und 90ern wohlhabend. Erst als fast alle Taiwanesen wohlhabend waren, haben sie als letzte Massnahme die Demokratie eingeführt. China bewegt sich in die gleiche Richtung. Nur, dass hier 1,3 Milliarden Menschen wohlhabend werden müssen. Der Druck für mehr Mitbestimmung wird automatisch grösser. Ein reicher, gebildeter Chinese lässt sich nicht mehr so einfach einschränken. Lustig, dass immer alle auf China herumhämmern, dabei geht es den Indern in der Demokratie wesentlich schlechter. Kinderarbeit zB ist vor allem ein indisches Problem. Aber Demokratien dürfen das ja. Ungefähr zeitgleich wie der Einmarsch in den Tibet hat Israel übrigens die Palästinenser vertrieben und Siedlungen errichtet. Die meisten Tibeter durften wenigstens im Land bleiben. Auch die Ein-Kind Politik Chinas müssen sie nicht befolgen. Die Palästinenser darben dafür millionenfach in unmenschlichen Lagern.
Hallo Frau Orienta,
vielen Dank für Ihr Echo.
Die Biographie und die bisherige Erfahrung mit Frau Merkel in vielen Positionen haben mich veranlasst, ihr keine vordergründigen Absichten bei der Einladung ins Kanzleramt unterstellen zu können.
Gerade in Menschenrechtsfragen ist sie unnachgiebig bis stur und das hat seine Gründe aus ihrer Grundhaltung heraus.
Sie hätte sich es einfach machen können, aber dann eine Symbolfigur für Frieden und Friedfertigkeit verloren und maßlos enttäuscht. Sie hätte quasi ihr ureigenstes Anliegen verraten müssen. Dafür können Sie eine Frau Merkel nicht gewinnen.
Mir fällt da spontan der Satz Luthers sinngemäss ein:
"Was nützt es, wenn du die Welt gewönnest aber dein Seelenheil verlörest." (Ich hoffe es ist so einigermassen richtig zitiert).
mfg
W. Haupricht
Die Beweggründe der Kanzlerin und ihrer Berater sind rational nicht ganz nachvollziehbar.
Da hätte sie mit Diplomatie - zugegebenermaßen nicht gerade eine preußische Tugend - mehr erreicht. Von ihren Französischen Freunden sollte sie sich da einige Berater ausleihen dürfen.
Wenn der Dalai Lama schon kein Staats- sondern nur ein Privatgast ist, dann hätte er auch nicht gerade im Bundeskanzleramt empfangen werden müssen - oder betrachtet sie dieses jetzt, in Ermangelung eines eigenen Reihenhauses bzw. Bungalows in Oggersheim, auch als ihre Privatresidenz?
Da tun sich doch die Briten mit Downingstreet Nr.10 um einiges leichter...
Im "Reich der Mitte" kann das offensichtlich auch niemand nachvollziehen, wie auch?
@hede zhou
Es gibt keine Tibet- und Taiwanfrage. Tibet war bis zum Überfall durch China selbständig, und die Volksrepublik China hat seit der widerrechtlichen Annexion Tibets nicht zum allgemeinen Wohlstand der Tibeter beigetragen. Es geht hier von Seiten der Volksrepublik China um reine Unterdrückungs- und Machtpolitik.
Taiwan ist - inzwischen - ein demokratisch regiertes Land, welches seine positive Entwicklung unter Garantie nicht der Volksrepublik China zu verdanken hat. Daß sich die westlichen Demokratien oppurtunistisch von Taiwan losgesagt haben, ist kein Ruhmesblatt für dieselben.
Die Regierung der Volksrepublik China ist ein verbrecherisches Unrechtsregime. Darüber können auch wirtschaftliche Erfolge nicht hinwegtäuschen.
...Legitimation, so benennen Sie seinen Status.
Respekt, das ist doch immerhin etwas in die richtige Richtung.
Die Aufmerksamkeit, die diesem Mönch bereits weltweit zuteil wird, spricht für sich.
Man kann ihn durchaus mit dem legendären Ghandi vergleichen, dessen gewaltlose Philosophie vielen Menschen und auch Staaten gut zu Gesicht stehen würde.
Wenn der Dalai Lama nunmehr noch mehr Gewicht und Ansehen bekommt, ist das auch auf die unverhältnismässige Einflussnahme Chinas gegenüber einem befreundeten Land und weit ausserhalb chinesischen Territoriums zurück zu führen.
Si tacuisses, China.
Ach so... Und diesen Fauxpas lese ich leider erst jetzt:
" Im uebrigen hat unlaengst eingeraeumt, dass er bezweifelt, dass es fuer ihn einen Nachfolger geben wird."
Dass Sie dies als Argument gegen den Dalai Lama anführen, lässt sowieso Rückschlüsse auf das Pferdchen zu, das Sie da reiten.
Peking behält sich nämlich das Recht vor (im Gegensatz zur tibetanischen Traditon) sich das selber zu richten. Ein Dalai Lama vor Pekings Gnaden. Der Gemeinschaft, welche nach alter Tradition die Reinkarnation des Dalai Lama finden müsste, wird dies einfach verboten werden. - Siehe Panschen Lama.
Da schreiben ebenfalls die Pekinger Funktionäre (von Haus aus eigentlich eingeschworene Atheisten im Sinne Lennins!) vor, wer der Richtige und Einzige sei.
Hede Zhou... Niemand könnte Sie besser wiederlegen als Sie selbst!