Offiziere warnen Bush

„Nur noch Monate für Sieg im Irak“

Von Matthias Rüb, Washington

General Petraeus findet auch bei Bush Gehör

General Petraeus findet auch bei Bush Gehör

01. März 2007 Die Vereinigten Staaten haben nach Einschätzung von Fachleuten der Streitkräfte noch etwa sechs Monate Zeit, um den Krieg im Irak zu gewinnen. Die als „Bagdad Brains Trust“ bekannte Gruppe von ranghohen Offizieren und zivilen Fachleuten um den Befehlshaber der Koalitionstruppen im Irak, Heeres-General David Petraeus, ist nach britischen und amerikanischen Medienberichten zu der Einschätzung gelangt, dass es zu einem Szenario ähnlich wie in Vietnam vor drei Jahrzehnten kommen könnte, wenn sich die Lage im Irak nicht bis Anfang September sichtbar beruhige. Es könnte demnach gar zu einem überstürzten Abzug der amerikanischen Truppen kommen.

Die Berater sehen demnach vor allem in der ungenügenden Anzahl von Soldaten im Irak ein Sicherheitsrisiko. Trotz der Entsendung von etwa 21 500 zusätzlichen amerikanischen Soldaten seien immer noch nicht genügend Bodentruppen im Irak, um die Aufständischen zu besiegen.

„Nicht genügend auf den Rat der Iraker gehört“

Sicherheitsoffensive in Bagdad

Sicherheitsoffensive in Bagdad

Nach den Medienberichten soll auch General Petraeus selbst von der Sorge getrieben sein, dass in dem Augenblick, da die neue Sicherheitsstrategie mit den zusätzlichen, dezentral eingesetzten Soldaten Wirkung zu zeigen beginne, der politische Wille in Washington vollends erlösche, weitere Opfer für die Stabilisierung des Iraks zu bringen.

Die Einigung auf ein Gesetz zur Aufteilung der Einkünfte aus dem Ölexport unter den ethnisch-religiösen Gruppen der Schiiten, Sunniten und Kurden wird in Bagdad als wichtiger Schritt gesehen, den fragilen irakischen Staat von Bagdad aus politisch zu stabilisieren.

Der vor kurzem von Präsident Bush zum Koordinator für die Wiederaufbauhilfe im Irak berufene Botschafter Timothy Carney kritisierte in einem Gespräch mit dem Rundfunksender NPR, der grundlegende Fehler der amerikanischen Politik im Irak nach dem Sturz Saddam Husseins von Anfang April 2003 sei gewesen, nicht ausreichend auf den Rat der Iraker gehört zu haben. Die Amerikaner hätten sich zu lange vom Geschehen im Land isoliert. Es gebe allerdings deutliche Zeichen für eine Verbesserung der Situation.

Der Sprecher Präsident Bushs, Tony Snow wies angesichts einer Teilnahme Washingtons an einer Regionalkonferenz zum Irak, zu der auch iranische Vertreter kommen, die Einschätzung zurück, es gebe „einen Riss in der Wand“. Vielmehr handele es sich um ein weiteres Beispiel dafür, dass die Vereinigten Staaten willens und in der Lage seien, auf diplomatischem Wege ihre Interessen zu verfolgen.

80 Aufständische bei Falludscha getötet

Aus Bagdad meldeten derweil Nachrichtenagenturen, irakische Sicherheitskräfte hätten nahe der Stadt Falludscha 80 Kämpfer des Terrornetzes Al Qaida getötet. 50 Rebellen seien bei den Gefechten am Mittwoch festgenommen worden, teilte das Innenministerium am Donnerstag mit. Fünf Personen wurden am Donnerstag bei einem Anschlag in Falludscha getötet.

Text: rüb.; F.A.Z., 02.03.2007
Bildmaterial: AP, dpa

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