CIA-Affäre

Der neue Krieg

Der Kampf gegen den Terrorismus ist oft als „asymmetrischer Krieg“ beschrieben worden, in dem hochgerüstete Armeen einem unsichtbaren, mit scheinbar primitiven Waffen kämpfenden Feind gegenüberstehen.

Das Zusammentreffen des Entführungsfalls Osthoff mit der Diskussion über Verschleppungen deutscher Staatsbürger durch den amerikanischen Geheimdienst macht schlagartig bewußt, daß dieses Bild nur noch sehr eingeschränkt der Realität entspricht. Nicht, daß damit die Entführungsfälle Osthoff und al Masri oder gar die hinter ihnen stehenden Entführer auf eine Stufe gestellt werden sollen. Unübersehbar wird aber nun, daß sich die Verteidiger gegen den islamistischen Terrorismus schon viel konsequenter auf die neue Form der Bedrohung eingestellt haben, als mancher das wahrhaben wollte.

Neue Schlachtordnung

Tatsächlich ist in diesem Krieg die Schlachtordnung vergangener Jahrhunderte umgedreht worden. An vorderster Front stehen nun nicht mehr Panzer und Artillerie, sondern Einheiten, die früher als Hilfstruppen im Hintergrund agierten: die Geheimdienste.

Nur sie können den im verborgenen operierenden Angreifern wirksam entgegentreten. Es wäre heute schlecht um unsere Sicherheit bestellt, wenn die einst populäre Forderung nach Abschaffung der Geheimdienste erfüllt worden wäre. Ebenso schlecht stünde es aber, wenn sich diese Dienste jener Methoden bedienen dürften, die sie bekämpfen sollen.

Wider rechtsstaatliche Vorstellungen

Bundesaußenminister Steinmeier hat im Bundestag versichert, daß deutsche Dienste zu keinem Zeitpunkt Handlanger bei Folter- und Verschleppungsfällen gewesen seien. Die Äußerungen des Innenministers Schäuble haben diese Gewißheit jedoch schon wieder unterminiert. In das Gefangenenlager Guantánamo, das allen hiesigen rechtsstaatlichen Vorstellungen zuwiderläuft, hätte Deutschland niemals einen Ermittlungsbeamten entsenden dürfen, sondern allenfalls einen Botschaftsangehörigen, der sich der Rechte des dort gefangenen Türken aus Bremen hätte annehmen sollen. Und wenn deutsche Kriminalbeamte, die in Syrien den Gefangenen Zammar vernahmen, keine Anzeichen von Folter an ihm entdeckt haben, dann können sie nicht sehr intensiv hingeschaut haben.

Schon die ersten Versuche der Aufklärung dieser Episoden eines schmutzigen Kriegs haben den Schein der Rechtsstaatlichkeit sehr fadenscheinig werden lassen.



Text: Dt.; Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Geheimdienste

Weiter Streit über Verwertung von Foltergeständnissen

Das Plädoyer von Innenminister Schäuble (CDU), womöglich unter Folter gewonnene Informationen anderer Staaten im Kampf gegen Terror zu verwenden, sorgt weiter für Widerspruch - vor allem bei der FDP. Die Union stützt dagegen Schäubles Kurs.

Wolfgang Schäuble

„Wir dürfen die rote Linie nicht überschreiten“

„Wer sich nicht sicher fühlt, ist nicht wirklich frei, und wer nicht frei ist, ist auch nicht sicher“: Innenminister Wolfgang Schäuble im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über den Fall al Masri.

Terrorismus

Tarnen und täuschen

Offenbar gibt es eine typisch deutsche Methode, sich am Terrorkrieg zu beteiligen: nicht eingreifen - oder wenn doch, das machen, was die Amerikaner verlangen. Deutsche Staatsschützer kooperieren enger mit den Vereinigten Staaten, als sie zugeben.

Kampf gegen Terrorismus

Schäuble will Antiterrorgesetze verschärfen

Der Streit über die Mittel im Kampf gegen den Terror spitzt sich zu. Politiker aus Union und SPD verteidigten die Verhöre von Verdächtigen in Syrien und Guantánamo durch deutsche Beamte, die Grünen sehen eine „rote Linie“ überschritten. Innenminister Schäuble will die Antiterrorgesetze verschärfen.

CIA-Affäre

Viele Gerüchte, aber kein einziger Beweis

Die Spekulationen über angebliche Geheimgefängnisse der CIA in Polen mehren sich. Human Rights Watch behauptet, über beweiskräftige Dokumente zu verfügen. Polens Regierung dementiert die Anschuldigungen.

CIA-Affäre im Bundestag

Schweigegeld für Al Masri?

Laut Zeitungsberichten hat die amerikanische Regierung dem von der CIA entführten Deutsch-Libanesen Al Masri eine finanzielle Entschädigung gezahlt. Der damalige Innenminister Schily sei darüber informiert worden, daß sich die amerikanische Seite bei Al Masri entschuldigt und dafür Stillschweigen gefordert habe.

CIA- und andere Affären

Schäuble: Deutsche an Verhören in Guantánamo und Syrien beteiligt

Die Debatte um die Methoden zur Terrorabwehr dreht sich durch neue Erkentnisse weiter: So waren deutsche Sicherheitsbehörden an Verhören in Guantánamo und in Syrien beteiligt. Das hat Bundesinnenminister Schäuble im Bundestag gesagt.

Kampf gegen Terror

Vier Fälle in der deutschen Geheimdienst-Debatte

Die Debatte über die Verschleppung oder „Überstellung“ von Terrorverdächtigen kreist hierzulande hauptsächlich um vier Fälle, in denen Deutsche oder Deutschland betroffen sind: Masri, Zamar, Omar und Kurnaz.

CIA-Affäre im Bundestag

„Infam, maßlos, verblendet“

Außenminister Steinmeier (SPD) hat Vorwürfe vehement zurückgewiesen, die rot-grüne Bundesregierung habe im Entführungsfall Masri zu zögerlich gehandelt oder gar Beihilfe geleistet. Solche Spekulationen seien „verantwortungslose Verdächtigungen“.

CIA-Affäre

Al Masri fordert Aufklärung und Schadensersatz

Der Deutsch-Libanese, der mutmaßlich vom amerikanische Geheimdienst CIA verschleppt worden war, verlangt in einem Fernsehinterview Aufklärung über seinen Fall, eine Entschuldigung der Amerikaner und will juristisch Schadensersatz erstreiten.

„CIA-Affäre“

Bundestag wurde erst im Februar über Fall Masri unterrichtet

Das für die Geheimdienste zuständige Parlamentarische Kontrollgremium hat erst mit etwa 14 Monaten Verspätung vom Entführungsfall al Masri erfahren, nämlich Mitte Februar 2005. Das sagte sein scheidender Vorsitzender Neumann.

CIA-Affäre

Die Geheimsprache der Condoleezza Rice

Es ist falsch, der amerikanischen Außenministerin Verhüllung von Tatsachen vorzuhalten. In Wirklichkeit enthüllt Condoleezza Rice wie kein Regierungsmitglied vor ihr den Charakter des großen Bush-Projekts: die Normalisierung des rechtlichen und rhetorischen Ausnahmezustands.

CIA-Affäre

In der Grauzone

Berichte über CIA-Flüge, Deportationen und angebliche Folterkeller der CIA befeuern das öffentliche Meinungsklima in Europa. Ein Grund: Die Regierung Bush hat sich in eine rechtliche Grauzone begeben. FAZ.NET-Spezial.

CIA-Affäre

Fischer erfuhr schon 2004 vom Fall Masri

Wer in der Schröder-Regierung wußte wann von welchen Vorgängen um die CIA-Aktivitäten und den Fall Masri? Spekuliert wird, daß auch Informationen deutscher Behörden zur Verschleppung des aus dem Libanon stammenden Deutschen geführt haben könnten.

CIA-Operationen

Rice: „Viele Dilemmata“ für Demokratien

Amerikaner und Europäer haben bei der Nato in Brüssel eine Aussprache über die umstrittenen Geheimoperationen der CIA gesucht. Die amerikanische Außenministerin sprach von „vielen Dilemmata“, denen Demokratien beim Kampf gegen den Terror ausgesetzt seien.

CIA-Afffäre

Koalition lehnt Rücktritt Steinmeiers ab

Rücktrittsforderungen gegen den früheren Kanzleramtschef und jetzigen Außenminister Steinmeier haben Union und SPD als nicht gerechtfertigt zurückgewiesen. Ein Minister, der die Öffentlichkeit bewußt täusche, sei „nicht tragbar“, hatte FDP-Generalsekretär Niebel gesagt.

CIA-Affäre

Schily wehrt sich gegen Vorwürfe im Fall Masri

Der frühere Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hatte nach eigenen Angaben keine klare Kenntnis von dem Fall des vermutlich von der CIA verschleppten Deutsch-Libanesen - zumindest „nicht zu einem Zeitpunkt, wo ich hätte eingreifen können.“

CIA in Europa

Nicht nur Steinmeier wußte von Masris Entführung

Außenminister Steinmeier hat eingestanden, im Juni 2004 als Chef des Kanzleramtes über den Fall des vermutlich von der CIA verschleppten Deutsch-Libanesen Masri erfahren zu haben. Auch nach dem Rice-Besuch in Berlin Berlin fordern Politiker aller Parteien Aufklärung.

Terrorfahndung

Eine unfreiwillige Reise nach Afghanistan

In Mazedonien eingekerkert, nach Afghanistan ausgeflogen, unwirsch verhört und in Albanien ausgesetzt: Die rauhe Odyssee des Khaled el Masri aus Ulm, der für einen Al-Qaida-Kämpfer gehalten wurde.

Geheime CIA-Flüge

„Keine Sonderrechte für die Amerikaner“

Hinter dem Streit über die „CIA-Flüge“ steht ein Grundkonflikt zwischen Europa und den Vereinigten Staaten über den Kampf gegen den Terror.

Vereinigte Staaten

CIA-Flüge seit langem bekannt

Daß und wie Gefangene von der CIA transportiert werden, wird in den Vereinigten Staaten kaum mehr diskutiert. Auch Stopps in Deutschland sind nicht neu. In Amerika ist ein ganz anderer politischer Streit im Gange.

Besuch in Berlin

Rice will mögliche „Fehler“ der CIA „korrigieren“

Die amerikanische Außenministerin Rice hat in Berlin abermals die Praktiken des Geheimdienstes CIA verteidigt. Wenn dabei Fehler gemacht worden seien, werde man sie „korrigieren“. Kanzlerin Merkel kündigte an, Außenminister Steinmeier werde dem Parlamentarischen Kontrollgremium berichten.