06. Februar 2008 Diese Liebesgeschichte ist bemerkenswert: Schon vor acht Jahren hatten die amerikanischen Wähler den Kriegshelden und Vietnamveteranen ins Herz geschlossen. Nach den ersten Vorwahlen zur Präsidentenwahl 2000 schien er sich bei den Republikanern gegen seinen damaligen Herausforderer namens George W. Bush durchsetzen zu können, doch dann vermochte der Gouverneur aus Texas die konservative Basis der Partei zumal im Süden des Landes gegen den Senator aus Arizona zu mobilisieren.
Der Rest ist Geschichte: von der Wahlschlacht um Florida, die Bush gegen Vizepräsident Al Gore knapp gewann, über die Anschläge vom 11. September 2001 bis zum Krieg im Irak, der auch fünf Jahre nach Beginn noch nicht gewonnen und nicht verloren ist.
Des Parteienstreits überdrüssig
Und jetzt läuft alles darauf hinaus, dass McCain eine zweite Chance erhält, sich endlich einem demokratischen Herausforderer im Zweikampf ums Weiße Haus zu stellen. Denn heute hat er das Glück, dass gleich zwei innerparteiische Herausforderer um Herz und Seele der republikanischen Partei ringen und er im Streit zwischen Mitt Romney und Mike Huckabee der lachende Dritte ist.
Auch wenn zu Beginn eines turbulenten Wahljahres noch nicht viel klar ist, eines ist gewiss: McCain ist ein formidabler Kandidat. Das Land ist des vergifteten Parteienstreits überdrüssig, es ist kriegsmüde und schaudert angesichts einer Rezession. In Umfragen sind die Zustimmungsraten des Kongresses, der seit einem Jahr von den oppositionellen Demokraten kontrolliert wird, noch schlechter als die historisch niedrigen Sympathiewerte des Präsidenten. Das Land sucht buchstäblich seine Mitte, und dort steht, mächtig und gütig und erfahren, John McCain. Seine Nibelungentreue zu Präsident Bush, mit dem er rasch nach der Vorwahlniederlage seinen Frieden machte und ihn seither bedingungslos in dessen vertracktem Krieg gegen den Terrorismus und zumal im Irak unterstützt, spricht die Konservativen an. Seine liberale Haltung in der Einwanderungs-, Sozial- und Umweltpolitik, überhaupt seine bis an die politische Unberechenbarkeit reichende Unabhängigkeit gefällt den (Wechsel-)Wählern der politischen Mitte.
1967 über Hanoi abgeschossen
Dass der weißhaarige Senator, dem mancher Ausbruch des Jähzorns nachgesagt wird, ein verteidigungspolitischer Falke ist und beim Kampf um den Irak nichts als einen Sieg akzeptieren und amerikanischen Truppen wenn nötig hundert Jahre im Zweistromland belassen will, liegt ihm buchstäblich im Blut: Er ist Sohn und Enkel bekannter Admiräle gleichen Namens.
John Sidney McCain III wurde am 29. August 1936 in Coco Solo in der damals amerikanisch kontrollierten Panamakanal-Zone geboren und schrieb sich ordnungsgemäß an der Marineakademie in Annapolis in Maryland ein. Prägend war sein Einsatz im Vietnam-Krieg, wo der Marineflieger 1967 über Hanoi abgeschossen und schwer verwundet wurde. Mehr als fünfeinhalb Jahre verbrachte er in Kriegsgefangenschaft, während mindestens eines Jahres wurde McCain unter Folter verhört.
McCain vertritt seit 1987 den Bundesstaat Arizona im Senat, er verfügt von allen Kandidaten mit Abstand über die größte außen- und sicherheitspolitische Erfahrung. McCain ist in zweiter Ehe mit Cindy Hensley verheiratet, mit der er vier gemeinsame Kinder und eine adoptierte Tochter aus Bangladesch hat. Drei weitere Kinder aus der ersten Ehe sowie vier Enkel vervollständigen die umfangreiche Familie. Zwei Söhne McCains sind in die Fußstapfen ihrer Vorväter getreten und durchlaufen eine Militärausbildung.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, ASSOCIATED PRESS, dpa, REUTERS