Südamerika

Uribe: Chávez ist ein Brandstifter

Caracas will Beziehungen einfrieren / "Lügner"

Von Josef Oehrlein, Buenos Aires

Chávez: “Der kolumbianische Präsident hat uns brutal ins Gesicht gespuckt“

Chávez: "Der kolumbianische Präsident hat uns brutal ins Gesicht gespuckt"

26. November 2007 Die Krise zwischen Venezuela und Kolumbien verschärft sich. Der venezolanische Präsidenten Chávez kündigte an, die Beziehungen zu Kolumbien „einzufrieren“. Den kolumbianischen Präsidenten Uribe, in dessen Auftrag er mit der Guerrilla-Organisation „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) über den Austausch von Geiseln gegen gefangene Guerrilleros verhandelt hatte, nannte er einen „Lügner“.

Uribe hatte Chávez den Vermittlungsauftrag entzogen, weil der Venezolaner ohne sein Wissen mit dem Chef des kolumbianischen Heeres, General Mario Montoya, Kontakt aufgenommen hatte. Chávez behauptete, Uribe habe ihm nicht ausdrücklich untersagt, mit der Führung des kolumbianischen Militärs zu sprechen.

Die „Würde des venezolanischen Volkes“ beschädigt

Kolumbiens Präsident Uribe

Kolumbiens Präsident Uribe

„Ich glaube an niemanden in der kolumbianischen Regierung. Der kolumbianische Präsident hat uns brutal ins Gesicht gespuckt, während wir mit ganzer Seele nach einem friedlichen Weg gesucht haben“, sagte Chávez. Er sei „überzeugt, dass wir eine Lösung gefunden hätten, und die halbe Welt hat uns dabei unterstützt“. Uribe habe auf Druck „der Gringos, der Oligarchie und des kolumbianischen Militärs“ gehandelt und sei für die Krise zwischen beiden Ländern verantwortlich.

Uribe beschuldigte unterdessen Chávez in ähnlich scharfen Worten, ein „expansionistisches Projekt“ zu verfolgen und „den Kontinent in Brand stecken“ zu wollen. „Statt uns zu helfen, die Tragödie der Entführten zu überwinden und den Frieden zu erreichen“, sei Chávez viel eher daran interessiert gewesen, „in Kolumbien eine Regierung mit dem Einfluss des Terrorismus zu ermöglichen“, sagte Uribe. Wenn ihm die Argumente ausgingen, greife Chávez zu Beschimpfungen. Damit würden nicht nur die internationalen Beziehungen belastet, es werde auch die „Würde des venezolanischen Volkes“ beschädigt.

Kein endgültiger Bruch der Beziehungen

Ein Grund für die Verschärfung des Streits liegt in Chávez' umstrittener Verfassungsreform, über die am Sonntag in einem Referendum abgestimmt wird. Chávez hatte seine Vermittlermission ausgiebig zur Selbstdarstellung genutzt, konnte allerdings nicht wie versprochen ein Lebenszeichen der Geiseln präsentieren. Trotz gegensätzlicher politischer Auffassungen hatten Uribe und Chávez bislang einen vergleichsweise freundschaftlichen Umgang miteinander gepflegt.

Beide Länder sind auf eine enge Zusammenarbeit vor allem auf dem Energiesektor angewiesen. Venezuela ist einer der wichtigsten Importeure von Lebensmitteln und Konsumgütern aus Kolumbien. Chávez kündigte an, der Andengemeinschaft, der auch Kolumbien angehört, „definitiv“ nicht mehr beitreten zu wollen. Zu einem endgültigen Bruch in den Beziehungen mit dem Nachbarland wollte er es allerdings nicht kommen lassen.

Chávez kündigte bei gleicher Gelegenheit an, die Beziehungen zu Spanien gleichfalls so lange „einfrieren“ zu wollen, bis König Juan Carlos sich bei ihm dafür entschuldige, dass er ihn auf Iberoamerikagipfel in Santiago zum Schweigen aufgefordert hatte. Die spanische Regierung hat bislang vergeblich versucht, die nach den Auseinandersetzungen in Santiago angespannte Beziehung zu Venezuela durch maßvolle Reaktionen auf die Angriffe aus Caracas zu entspannen. Chávez beharrt darauf, dass der König „die moralische, menschliche und politische Verpflichtung“ habe, sich zu entschuldigen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, REUTERS

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