28. Mai 2007 Als positiv hat der amerikanische Botschafter in Bagdad, Ryan Crocker, das erste direkte Treffen zwischen ranghohen Vertretern Washingtons und Teherans seit 1980 bewertet. Nach dem vierstündigen Treffen der Botschafter beider Länder im Irak in der Residenz des irakischen Ministerpräsidenten Maliki in Bagdad am Montag sagte Crocker, die Vereinigten Staaten und Iran wollten einen friedlichen und geeinten Irak.
Es sei nur über die Sicherheitslage im Irak gesprochen worden. Der iranische Botschafter Hassan Kazemi-Qomi nahm nicht an der Pressekonferenz teil. Vor dem Beginn seines Gesprächs mit Kazemi-Qomi hatte Crocker gesagt, er erwarte keinen unglaublichen Durchbruch.
Schritt nach vorne für die iranische Nation
Er habe die Iraner aufgefordert, die Bewaffnung der Milizen im Irak einzustellen, sagte Crocker. Darauf habe es keine direkte iranische Erwiderung gegeben. In dem Gespräch habe er festgestellt, dass Teheran im Irak die gleichen Ziele wie Washington verfolge. Das Problem bestehe nur darin, dass Teheran sein Verhalten nicht in Einklang mit seiner eigenen Politik bringe, sagte Crocker weiter. Nun wolle er sehen, was Iran als nächstes tue, und nicht, was Iran als nächstes sage.
An dem Gespräch nahmen auch der irakische Ministerpräsident Maliki und der Sicherheitsbeauftragte Muwaffak al Rubaie teil. Der iranische Staatspräsident Ahmadineschad bezeichnete die Aufnahme von direkten Gesprächen als einen weiteren Schritt nach vorne für die iranische Nation. Außenminister Mottaki schloss weitere Begegnungen nicht aus. Iran sei an erfolgreichen Treffen mit den Vereinigten Staaten interessiert. Unter anderem beim Sturz der Taliban in Afghanistan hatte es zwischen Washington und Teheran direkte Gespräche gegeben, allerdings auf unterer Ebene.
Sicherheitskräfte gegen Aufständische
Vor dem Beginn des Treffens hatte der iranische Revolutionsführer Chamenei die Vereinigten Staaten scharf angegriffen. Die amerikanische Regierung sei kolonialistisch, arrogant und expansionistisch, sagte Chamenei. Ziel des Treffens sei, die Amerikaner daran zu erinnern, dass sie als Besetzer eine rechtliche Verantwortung für die Herstellung der Sicherheit hätten. Am Vorabend hatte die iranische Regierung den Vereinigten Staaten zudem vorgeworfen, in Iran Spionageringe zu unterstützen, die laut einem Bericht des iranischen Fernsehens der Infiltration und Sabotage dienen sollten.
In den vergangenen Monaten war es in Grenzregionen Irans wiederholt zu blutigen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Aufständischen gekommen, hinter denen das iranische Regime ausländische Agenten vermutete. Der Schweizer Botschafter in Teheran, der in Iran die amerikanischen Interessen vertritt, wurde am Sonntag in das iranische Außenministerium einbestellt.
Gegenseitige Vorwürfe
Die amerikanische Regierung wirft Teheran vor, im Irak schiitische Milizen zu bewaffnen und auszubilden sowie die Straßenbomben zu liefern, die gegen die Soldaten der Koalitionstruppen eingesetzt würden. Iran weist diese Anschuldigungen zurück und macht die amerikanische Präsenz für die Gewalt im Irak verantwortlich. Ferner kritisiert Teheran die Manöver, die amerikanische Einheiten derzeit im Golf abhalten.
Neun amerikanische Kriegsschiffe, unter ihnen zwei atomgetriebene Flugzeugträger, waren am vergangenen Mittwoch bei Tage durch die Meerenge von Hormuz in den Golf eingelaufen. Sie befördern 17.000 Soldaten und 140 Flugzeuge. Iran hatte seinerseits zu Jahresbeginn in einem seiner zahlreichen Manöver geprobt, mit Raketen fremde Schiffe im Golf zu versenken. Der amerikanische Vizepräsident Cheney hatte bei seiner jüngsten Reise durch die Region auf dem Flugzeugträger Stennis erklärt, die Vereinigten Staaten verhinderten gemeinsam mit anderen, dass Iran Atomwaffenmacht werde und die Region dominiere.
Debatte über einen Abzug
Unterdessen ist in den Vereinigten Staaten die Debatte über einen Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak auch weitergegangen, nachdem Präsident Bush in der Nacht zum Samstag den Nachtragshaushalt zur Finanzierung der Kriege im Irak und in Afghanistan ohne die von den oppositionellen Demokraten geforderten Abzugsfristen unterzeichnet hatte. Das Weiße Haus wies am Pfingstwochenende einen Bericht der New York Times vom Samstag zurück, wonach die Regierung Konzepte entwickle, die Zahl der amerikanischen Truppen im Irak bis Mitte 2008 von derzeit etwa 146.000 auf 100.000 zu reduzieren. Eine Sprecherin des Weißen Hauses sagte, es sei zu früh, über eine mögliche Truppenreduzierung zu sprechen, da die vom Präsidenten zu Jahresbeginn angeordnete Aufstockung der Truppen um 30.000 zusätzliche Soldaten erst etwa im Juni abgeschlossen sein werde.
Die New York Times hatte berichtet, es gebe im Weißen Haus Pläne, bis Mitte kommenden Jahres die Hälfte der Kampftruppen - das entspricht etwa einem Drittel aller amerikanischen Soldaten im Irak - aus dem Zweistromland abzuziehen. Da im November 2008 Präsidenten- und Kongresswahlen anstehen, befürworten auch immer mehr Republikaner eine deutliche Reduzierung amerikanischer Truppen im Irak bis zur Mitte des Wahljahres.
Anschläge am Pfingstwochenende
Auch am Pfingstwochenende wurden im Irak bei Anschlägen und Kämpfen wieder zahlreiche Menschen getötet. Einem Autobombenanschlag am Montag fielen in Bagdad mindestens 16 Menschen zum Opfer. Am Sonntag waren bei einem amerikanischen Angriff auf einen Bagdader Vorort nach irakischen Angaben zehn Zivilisten getötet worden.
Text: Her., F.A.Z.
Bildmaterial: dpa