Amerika vor der Wahl

Bush in Bedrängnis

Bush in Billings, Montana

Bush in Billings, Montana

04. November 2006 Wenige Tage vor der Kongreßwahl in den Vereinigten Staaten haben einstige Befürworter des Irak-Kriegs Präsident George W. Bush und seiner Regierungsmannschaft Unfähigkeit vorgeworfen. Mehrere Neokonservative bezeichneten in Interviews mit dem Magazin „Vanity Fair“ die Führung des Irak-Einsatzes unter Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als „inkompetent“.

Der ehemalige Sicherheitsberater Richard Perle stellte dabei den Irak-Krieg insgesamt in Frage. Wenn er heute noch einmal vor der Entscheidung für oder gegen einen Einmarsch stünde, würde er sich „für andere Strategien“ aussprechen, sagte Perle dem Magazin. Er glaube zwar nach wie vor, daß der damalige irakische Präsident Saddam Hussein in der Lage gewesen sei, Massenvernichtungswaffen zu entwickeln. Aber diese Bedrohung sei auch durch andere Mittel als durch eine Militärintervention zu kontrollieren gewesen. Zudem seien viele Entscheidungen während des Krieges zu spät oder gar nicht getroffen worden, sagte Perle, ohne dazu weitere Ausführungen zu machen. „Letztendlich steht der Präsident dafür in der Verantwortung.“ Perle hatte 17 Jahre lang dem Ausschuß für Verteidigungsplanung des Pentagons angehört.

„Riesige Fehler“

Der frühere Unterhändler Kenneth Adelman sagte hingegen, für den Irak-Krieg habe es vernünftige Gründe gegeben. Aber bei der Umsetzung seien „riesige Fehler“ gemacht worden. Die Bush-Regierung habe sich „als eines der inkompetentesten Teams der Nachkriegszeit erwiesen“, sagte Adelman. „Nicht nur daß jeder individuell enorme Fehler aufwies, zusammengenommen waren sie tödlich, dysfunktional.“ Seinerzeit hatte Adelman die Umgestaltung des Iraks als Kinderspiel bezeichnet.

Bushs ehemaliger Redenschreiber David Frum sagte dem Magazin, schuld am Blutvergießen im Irak sei „ein Versagen im Zentrum“. Frum hatte unter anderem Bushs Rede über die „Achse des Bösen“ mitentworfen.

Bei der Kongreßwahl an diesem Dienstag stehen alle 435 Mandate im Repräsentantenhaus sowie 33 der 100 Senatorenposten zur Wahl. Außerdem werden in 36 der 50 Bundesstaaten Gouverneure gewählt. Auch auf Regional- und Lokalebene werden zahlreiche Ämter neu besetzt. Wenige Tage vor der Wahl deuten Umfragen auf eine Niederlage für Bushs Republikaner hin.

Text: FAZ.NET mit AFP
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, Reuters

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