Russland

„Putin bleibt der politische Führer“

Anfang Mai scheidet Wladimir Putin aus dem Präsidentenamt. Nun hat er sich zum Vorsitzenden der Partei „Einiges Russland“ wählen lassen und sichert sich damit eine Machtbasis gegenüber Nachfolger Medwedjew an der Staatsspitze. Von Michael Ludwig, Moskau

Lesermeinungen zum Beitrag

16. April 2008 09:45

Ihr Beitrag, Hr. Voronin, empinde ich als sehr beklemend

Gabor von Zoltan (Putinras)

Russland habe sozusagen gar keine andere Wahl, als diese "gelenkte" Demokratie. Da das Adjektiv vor Demokratie leider das Hauptwort obsolet macht, läuft das doch darauf hinaus, dass Sie meinen, dass die Russen samt uns sonders zu doof sind für die Demokratie.

Dafür spricht allerdings auch dieser Satz: "Die Russen lernten die Demokratie zu hassen, weil in den 90ern als ihr Land von den Oligarchen stückchenweise beraubt wurde, sie (das einfache Volk) nichts abbekommen haben. "

Moment, Moment, Moment mal... Dass hier ein System, in dem sich Gerissene, Skrupellose und hemmungslos brutal Kriminelle nach Lust und Laune bereichern konnten, mit "Demokratie" gleichgesetzt wird, ist mehr als nur gewagt.

Dass hingegen diese Anarchie der Kleptokraten dem einfachen Volk auch noch als "Demokratie" verkauft werden konnte, ist doch genau jenen Kleptokraten zu verdanken, die genau damit zu verhindern wussten, dass sich demokratische Kontrollen durchsetzen!

Ja; ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Russland einen starken Mann gebraucht hätte, der einerseits Stabilität garantiert hätte und gleichzeitig behutsam vermittelt hätte, was Demokratie WIRKLICH bedeutet: Selbstverantwortung.

Putin steht doch für das genaue Gegenteil!

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15. April 2008 19:50

Sportliches Parlament - Nachtrag zu meinem Beitrag von eben

Wilhelm Friedrich (WillyF)

Spiegel Online berichtet gerade, dass die 24 Jahre junge, sehr hübsch anzuschauende Spitzensportlerin Alina Kabajewa, die laut Spiegel Online einen "perfekten Körper" und ein "Gesicht wie eine Gazelle" haben soll und die seit Dezember letzten Jahres Abgeordnete der Duma für die Regierungspartei Einiges Russland - der Partei, deren Vorsitz Putin jetzt übernommen hat - ist, Putin im Sommer heiraten werde, nachdem sich dieser im Februar bereits "in aller Stille" von seiner bisherigen Frau getrennt habe.

Das, werter Herr Ludwig, sind die demokratischen Strukturen, mit denen wir zukünftig in Russland zu rechnen haben. ;-)

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15. April 2008 18:19

Ein wichtigen Faktor russischer Staatlichkeit bleibt leider unerwähnt!

Wilhelm Friedrich (WillyF)

Einen Grundpfeiler des russischen Staatswesens hat der Autor leider nicht genannt. Neben politisch Getreuen, wirtschaftlichen Oligopolen und den zahlreichen russischen Geheimdiensten beruht das russische Staatswesen massiv auf der Organisierten Kriminalität, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf allen Ebenen das Ruder mit übernommen hat. So ist Sotchi nicht nur Sitz des Präsidenten, sondern Mafia-Hochburg. Sotchi wird bald die Olympischen Winterspiele ausrichten. Wieviel Geld der Organisierten Kriminalität mag dort gewaschen werden? Die Milliarden-Investitionen, die anstehen, lassen Schlimmes befürchten.

Ich habe Verständnis dafür, dass sich der Moskauer Korrespondent der FAZ diesbezüglich zurückhält. Vor einigen Tagen ist eine weitere Putin-kritische Journalistin in Berlin tot aus der Spree gefischt worden, worüber übrigens lediglich die Welt berichtet hat.

Und mit Verlaub, Herr Ludwig: Wenn Sie von einer Entwicklung hin zu einer parlamentarischen Demokratie sprechen, sollten Sie einen kritischeren Blick auf die Mitglieder der Duma werfen. Auch wenn die meisten der weiblichen Abgeordneten hübsch anzuschauen sind: Demokratie ist mit ihnen und vielen anderen Marionetten in der Duma sicher nicht zu machen!

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15. April 2008 18:06

Stabilität schaffen!

Eugen Voronin (Eugenv)

Wenn ich mir einige aktuelle kritische Kommentare in Richtung Russland angucke, dann frage ich mich, was diese Kommentatoren denn vorschlagen, was zu tun wäre.

Fangen wir doch damit an, dass Russland gerade erst 17/18 Jahre eine "scheinbare Demokartie" ist. Deutschland hingegen beinahe 200 Jahre. Dass nicht alles so läuft, wie es sich ein Demokrat wünschen würde, ist meiner Meinung nach vollkommen verständlich.
Wenn man sich anguckt, in welchem "Schlamm" Russland zu Zeiten von Jelzin war, dann ist es ein Glück, das Russland in den letzten 8 Jahren widerfahren ist.
Die Russen lernten die Demokratie zu hassen, weil in den 90ern als ihr Land von den Oligarchen stückchenweise beraubt wurde, sie (das einfache Volk) nichts abbekommen haben.

Nun schafft einer endlich Stabilität im Lande. Dass alles nicht auf demokratischem Wege geschieht, ist klar, aber man soll es nicht zu übel nehmen. Ja, man soll kritisch berichten, aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf Russland zeigen.

Dass sich nun Putin für das Amt des Ministerpräsidenten bewirbt ist wichtig. Denn der "Plan Putins", von dem man so oft spricht, muss erst einen Nährboden haben, damit die weitere stabile und schließlich demokratische Politik auf diesem aufbauen kann!

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15. April 2008 14:20

Gelenkt, aber bestimmt nicht demokratisch

Gabor von Zoltan (Putinras)

Die "gelenkte Demokratie" ist den Leichtgläubigen hier im Westen einst als einzig möglicher Weg hin zur Demokratie beschrieben worden, der einem Land mit derart versteinerten Willkürtraditionen offen stünde.

Wer den Schmarren damals noch geglaubt hat, dem muss nun aber endgültig klar sein, woher der Wind pfeifft; bzw. wohin Putin Russland treibt (ausser Ex-BK Schröder natürlich, in dessen ureigenstem finanziellen Interesse es liegt, alles entgegen aller Logik waschecht demokratisch zu sehen) .

Oder wird tatsächlich jemand ernsthaft glauben, dass man den Russen über Jahre gaaanz sachte und behutsam zeigen könne, was selbstverantwortliche Demokratie heisst, indem man die ganzen Institutionen zu einer gigantischen Marionettenmaschinerie transformiert? Erziehung zum mündigen Bürger, indem man kritischen Journalisten das Maul stopft (praktisch kein politischer Mord wurde je aufgeklärt - nicht bloss der von Politkovskaja)? Respekt vor dem Einzelnen, indem Mordverdächtige wie -verurteilte in die Duma gehievt werden, WEIL etwas gegen sie vorliegt?

Man muss nicht erst Tschetschenien bemühen, um zu bemerken, was da so dick und rot aus den Türritzen des Kreml quillt.

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