Sieben amerikanische Präsidenten versuchten vergebens, ihn zu beseitigen. Nun hat der Welt dienstältester Diktator selbst die Macht aus der Hand gegeben: Wenige Tage vor seinem achtzigsten Geburtstag hat Fidel Castro seinen nur wenige Jahre jüngeren Bruder Raul zum faktischen Alleinherrscher auf Kuba bestimmt. Die Botschaft des womöglich noch eigenhändig redigierten Textes an Freund wie Feind ist klar: Die Revolution geht weiter.
Doch wie lange die als Provisorium deklarierte Regelung in Kraft bleiben wird, vermag derzeit niemand zu sagen - nicht einmal, ob Castro überhaupt noch am Leben ist. Was sich im innersten Zirkel der Macht auf Kuba in diesen Tagen abspielt, entzieht sich der Wahrnehmung der Weltöffentlichkeit wie auch der Kubaner selbst. Darin gleicht die kommunistische Diktatur in der Karibik dem längst untergegangenen Sowjetreich oder auch der gespenstischen Herrschaft der Kims in Nordkorea.
Der Comandante trifft selbst Vorsorge
Bezeichnend ist auch, daß der große Comandante en Jefe selbst Vorsorge für den Fall seiner Amtsunfähigkeit getroffen hat. Alles deutet darauf hin, daß sein Bruder Raul den Übergang der Macht auf ein Kollektiv ideologisch gefestigter Kommunisten sichern soll, deren Ziel in nichts anderem bestehen wird, als ihre Macht so lange zu sichern wie nur möglich.
Ob dieses Kalkül aufgehen wird, steht derzeit in den Sternen. Sicher ist nur, daß der Anfang vom Ende der Ära Castro gekommen ist - einer Ära, in der die wirtschaftlich wenig bedeutsame Insel vor der nordamerikanischen Karibikküste politische Wellen schlug, die noch in fernen Weltgegenden zu spüren waren: Guerrillakampf und Weltkriegsgefahr; ein Macho in olivgrüner Uniform als sozialrevolutionäre Ikone einer ganzen Generation europäischer und lateinamerikanischer Intellektueller; Revolutionsexport nach Lateinamerika und Afrika; Mißwirtschaft und Mangel; Liquidierung von Rivalen, Terror gegen Dissidenten.
Und doch hat Castro bis heute Bewunderer und Nachahmer in der Region. Von populistischen Präsidenten wie dem Venezolaner Chavez oder dem Bolivianer Morales wird er heute hofiert wie nie seit der Machtübernahme im Jahr 1959. Besser als eine Pax Americana erscheinen ihnen die Errungenschaften der kubanischen Revolution allemal.
Text: F.A.Z.
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