27. Februar 2005 Nach dem Abschluß eines russisch-iranischen Atomabkommens hat der einflußreiche amerikanische Senator John McCain den Ausschluß Rußlands von dem für Anfang Juli in Schottland geplanten G-8-Gipfel gefordert.
Die Vereinigten Staaten und Europa sollten dem russischen Präsidenten Putin klarmachen, 'Wladimir, du bist nicht willkommen bei der nächsten G-8-Konferenz', sagte der republikanische Senator am Sonntag dem amerikanischen Fernsehsender Fox.
Das am Sonntag zwischen Teheran und Moskau geschlossene Abkommen zur nuklearen Zusammenarbeit gebe Anlaß zur Sorge, weil der Iran einerseits gar keine Atomkraft benötige und andererseits in den vergangenen Jahren immer repressiver geworden sei. Die amerikanische Regierung müsse daher nun ernsthaftere Maßnahmen gegen Rußsland erwägen.
Rußland liefert Iran nuklearen Brennstoff
Rußland wird Iran den nuklearen Brennstoff für sein erstes Atomkraftwerk liefern. Ein entsprechendes Abkommen unterzeichneten der iranische Vizepräsident Gholamreza Aghazadeh und der Leiter der russischen Atomenergiebehörde Alexander Rumjanzew am Sonntag auf dem Gelände des im Bau befindlichen Reaktors im südiranischen Buschir.
Man habe sich über die Einzelheiten der Lieferung verständigt, der genaue Ablauf und die Kosten seien aber vertraulich, hieß es. Bekannt wurde nur, daß Rußland die abgebrannten Brennstäbe wieder zurücknehmen wird. Damit soll offenbar verhindert werden, daß Iran aus ihnen Plutonium extrahiert, um es für den Bau von Atomwaffen zu verwenden. Rumjanzew sagte, in den nächsten Wochen würden "viele russische Techniker" nach Buschir kommen, um das Kraftwerk zu Ende zu bauen. Die Inbetriebnahme wird Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres erwartet.
Washington spricht von Tarnung
Die amerikanische Regierung hatte Rußland in der Vergangenheit immer wieder ersucht, Buschir nicht fertigzustellen. Washington wirft Teheran vor, das zivile Nuklearprogramm des Landes diene als Tarnung für den Erwerb von Kernwaffen. Präsident Bush und der russische Präsident Putin hatten am vergangenen Donnerstag bei ihrer Zusammenkunft in der slowakischen Hauptstadt Bratislava über den Fall gesprochen.
Bush sagte nach dem Gespräch, er sei sich mit Putin darin einig gewesen, daß Iran keine Nuklearwaffen haben sollte. Putin sprach in einer allgemeineren Wendung davon, daß es wichtig sei, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu "neutralisieren". Er hob besonders hervor, daß die Verbreitung von Raketen und Raketentechnologie beendet werden müsse. Von iranischer Seite hieß es, das Gespräch zwischen Bush und Putin habe keinen Einfluß auf das Abkommen gehabt. Es war einen Tag später unterzeichnet worden als vorgesehen.
Militärische Zwecke nicht ausgeschlossen
Der 1000-Megawatt-Reaktor, der in Buschir entsteht, ist ein Leichtwasserreaktor. Kernkraftwerke dieses Typs sind nach Ansicht von Fachleuten schlecht zur Gewinnung spaltbaren Materials geeignet, wie es für den Bau von Atomwaffen benötigt wird. Genau aus diesem Grund hatten sich Amerika und andere Länder in den neunziger Jahren dazu bereit erklärt, zwei Leichtwasserreaktoren an Nordkorea zu liefern.
Es ist aber nicht völlig auszuschließen, daß Iran versucht, das in Buschir anfallende Plutonium für militärische Zwecke zu nutzen, indem es die Brennstäbe doch nicht zurückgibt oder sie während der Kühlung nach dem Gebrauch manipuliert. Letztlich ist es aber vor allem der mit dem russischen Bau verbundene Wissens- und Technologietransfer an Iran, der in Amerika - und anderen westlichen Staaten - mit Unbehagen betrachtet wird.
Teheran will nicht auf Urananreicherung verzichten
Militärisch viel bedeutender sind zwei andere iranische Atomanlagen: die Urananreicherungsanlage in Natanz und der geplante Schwerwasserreaktor in Arak. In Natanz könnte Uran schon heute so hoch angereichert werden, daß es sich als Sprengstoff für Atombomben verwenden läßt.
Und in Arak, wo derzeit eine Fabrik für schweres Wasser entsteht, könnte eines Tages Plutonium für den Bombenbau gewonnen werden. Deshalb konzentrieren sich die laufenden europäischen Verhandlungen mit Teheran auf diese beiden Vorhaben. Die EU will erreichen, daß Iran auf die Urananreicherung vollständig verzichtet und auch nicht Plutonium herzustellen versucht.
Trotz der dafür in Aussicht gestellten Handelsbegünstigungen will Teheran bisher aber nicht auf die Urananreicherung verzichten. Der Chefunterhändler Hassan Rowhani sagte anläßlich eines Besuchs in Berlin am Freitag abend, sein Land wünsche, daß die Verhandlungen - in denen Deutschland, Großbritannien und Frankreich für die EU sprechen - fortan von den Außenministern und nicht mehr nur von hohen Beamten geführt werden sollten. Die Iraner hatten mehrfach deutlich gemacht, daß sie bis Mitte März erste Ergebnisse erwarten.
Text: nbu.; AFP
Bildmaterial: REUTERS