14. Oktober 2005 Die niederländische Polizei hat am Freitag sieben Terrorverdächtige festgenommen und das Regierungsviertel in Den Haag teilweise abgesperrt. Rund zwei Dutzend Beamte blockierten die Zugänge zu beiden Häusern des Parlaments. Die wöchentliche Kabinettssitzung wurde aber wie geplant abgehalten.
Laut ANP und dem Rundfunksender Radio 1 wurde der Gebäudekomplex Binnenhof, in dem die Büros von Ministerpräsident Jan Peter Balkenende und Außenminister Ben Bot sowie das Parlament angesiedelt sind, vollständig abgesperrt. An mehreren Orten der Stadt gebe es Razzien, eine Schule sei ebenfalls abgeriegelt, meldete Radio 1.
Anschläge geplant
Die Polizeirazzia fand in drei Städten der Niederlande statt. Die sechs Männer und eine Frau seien am Freitag bei Durchsuchungen in Den Haag, Amsterdam und Almere gefaßt worden, teilte die Staatanwaltschaft mit. Der Hauptverdächtige unter den Festgenommenen war nach Angaben der Staatsanwaltschaft der 19jährige, aus Marokko stammende Samir Azzouz, der erst zu Beginn des Jahres in einem Prozeß von Terrorvorwürfen freigesprochen worden war. Er soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft versucht haben, automatische Waffen und Sprengstoff zu kaufen. Ziel seien vermutlich Anschläge auf Politiker und das Parlament gewesen.
Berichte über eine Schießerei und die Explosion einer Handgranate im überwiegend von Einwanderern bewohnten Stadtteil Schilderswijk wollte die Polizei zunächst nicht bestätigen. Niederländische Medien hatten am Donnerstag über neue Drohungen gegen die Abgeordneten Ayaan Hirsi Ali und Geert Wilders berichtet, die Kritiker eines radikalen Islams sind. Beide traten nach dem Mord an dem Filmemacher Theo van Gogh im letzten Jahr mehrere Monate lang nicht in der Öffentlichkeit auf.
Die niederländische Regierung hat davor gewarnt, daß das Land Ziel von Terroranschlägen sein könnte. Seit den Anschlägen von London am 7. Juli gilt die zweithöchste Alarmstufe.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP, Reuters, AP
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb