27. Juni 2008 Einen Tag nach der Übergabe von detaillierten Angaben über sein Atomprogramms an China hat Nordkorea wie vereinbart am Freitag den Kühlturm des Atomreaktors von Yongbyong gesprengt. Die Anlage von Yongbyon soll die einzige des Landes sein, in der Plutonium hergestellt werden konnte. Der Reaktor war 2007 abgeschaltet und vor der Sprengung bereits größtenteils abgebaut worden.
Journalisten aus den sechs an den Atomverhandlungen beteiligten Staaten, Nord- und Südkorea, Japan und Russland, China und den Vereinigten Staaten durften das Ereignis im sonst für ausländische Berichterstatter selten zugänglichen Nordkorea verfolgen. Eine direkte Übertragung aus Yongbyon scheiterte dann aber doch an technischen Schwierigkeiten.
Weg frei für neue Verhandlungsrunde
Mit der Sprengung des Kühlturms seiner wichtigsten Atomanlage will das kommunistische Nordkorea demonstrieren, dass es ernsthaft willens ist, sein Atomprogramm aufzugeben. Das isolierte Land hatte 2006 einen ersten Atomtest durchgeführt. Für eine Aufgabe des Nuklear-Programmes wurden dem abgewirtschafteten Staat bei den Sechs-Länder-Gesprächen Energie- und Lebensmittelhilfe versprochen.
Präsident Bush hatte am Donnerstag angekündigt, nun Nordkorea von der Liste der Staaten zu streichen, die Terrorismus unterstützen und Handelssanktionen aufzuheben. Die amerikanische Regierung bleibt aber weiterhin skeptisch, was die Überprüfbarkeit nordkoreanischen Angaben angeht. Jetzt steht der Weg frei für eine neue Runde der Sechs-Länder-Verhandlungen . Sie sollen nach Angaben aus Südkorea schon Anfang Juli in Peking fortgesetzt werden.
G 8-Außenminister loben Nordkorea
Die Außenminister der G8-Staaten halten die Erklärung Nordkoreas zu seinem Atomprogramm für einen wichtigen Schritt, um die Sechs-Parteien-Gespräche voranzubringen. Zugleich aber verwiesen sie während ihres Treffens im japanischen Kyoto am Freitag darauf, dass die Unterlagen erst geprüft werden müssten.
Wir befinden uns nicht einem Spiel, ob wir Nordkorea trauen können oder nicht. Das Spiel ist, ob wir die Deklaration Nordkoreas verifizieren können, sagte Japans Außenminister Koumura vor. Die amerikanische Außenministerin Rice bemühte sich in Kyoto, japanische Bedenken eines vorschnellen amerikanischen Zugeständnisses an Pjöngjang zu zerstreuen.
Tokio hatte Washington zuvor immer wieder vergeblich aufgefordert, dieses Faustpfand für die Lösung auch der Fälle 17 von Nordkorea entführter Japaner zu nutzen. Frau Rice sagte, die Vereinigten Staaten hätten sich zu der Gegenleistung an Nordkorea nach dem Statut der Sechs-Parteien-Gespräche verpflichtet. Auch nach der Streichung von der Liste gebe es noch eine Fülle von Sanktionen gegen Nordkorea, etwa der UN, sagte Frau Rice. Man habe auch die Möglichkeit für weitere Zwangsmaßnahmen, sollte Nordkorea seine Verpflichtungen nicht einhalten. Die G8-Außenminister unterstützten zugleich das japanische Bemühen um Aufklärung und Freilassung der entführten Staatsbürger.
Steinmeier: Erfolg von Geduld und Entschlossenheit
Bundesaußenminister Steinmeier wertete die Übergabe der nordkoreanischen Atomliste als einen Erfolg der Ausdauer, der Geduld und Geschlossenheit der internationalen Gemeinschaft, die Vorbild für andere Fälle sein könne.
Er wich der Frage aus, ob dieses Modell auch im Fall Irans Anwendung finden könne. Die Außenminister forderten zudem Iran auf, völlig auf die Anreicherung von Uran zu verzichten und in dem Streit um sein Nuklearprogramm zu kooperieren. Man bleibe weiter einer diplomatischen Lösung des Konflikts verpflichtet, heißt es in der Erklärung. Zugleich drängten die Minister die Regierung in Teheran, auf das unlängst verbesserte Unterstützungsangebot westlicher Staaten im Falle einer Kooperation konstruktiv zu reagieren.
Symbol nuklearer Ambitionen
Die Atomanlage Yongbyon gilt als das Rückgrat des nordkoreanischen Atomprogramms. Nach erfolgreichen Verhandlungen Anfang 2007 wurde die Anlage im vergangenen Juli abgeschaltet. Der Komplex rund hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Pjöngjang besteht aus einem fünf Megawatt starken Forschungsreaktor sowie zwei Anlagen zur Aufbereitung von Plutonium und atomaren Brennstäben. Zwei weitere, leistungsstärkere Reaktoren sind noch im Bau.
Mit seiner relativ geringen Kapazität von fünf Megawatt konnte der einzige betriebsbereite Reaktor in Yongbyon die zahlreichen Stromausfälle, unter denen ganz Nordkorea leidet, nicht verhindern. Laut einem Bericht des Forschungsdienstes des amerikanischen Kongresses vom Januar 2007 war Yongbyon nicht einmal an das Stromnetz angeschlossen. Auch Cheon Seong Whun vom südkoreanischen Institut für nationale Vereinigung betonte, dass Yongbyon niemals Strom produziert hat. Der Fünf-Megawatt-Reaktor ist ganz offensichtlich für die Plutoniumproduktion zu militärischen Zwecken bestimmt.
Dutzende Kilogramm Plutonium
Schon zwei Jahre vor seinem ersten Test einer Atombombe am 9. Oktober 2006 hatte Nordkorea mitgeteilt, es habe 8000 Brennstäbe hergestellt, genug für die Produktion von vier bis sechs Bomben. Laut dem Institut für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (Isis) in Washington verfügt Nordkorea über 46 bis 64 Kilogramm Plutonium, von denen zwischen 28 und 50 Kilogramm aufgespalten wurden - das reicht für die Herstellung von fünf bis zwölf Bomben.
Der Kernreaktor in Yongbyon war 1994 im Rahmen eines Abkommens mit den Vereinigten Staaten stillgelegt worden. Die kommunistische Staatsführung nahm ihn aber 2002 wieder in Betrieb, nachdem sie von Washington beschuldigt wurde, ein weiteres Atomprogramm mit Uran heimlich fortgeführt zu haben.
Die Abschaltung des Reaktors wurde in einem internationalen Abkommen vom Februar 2007 vereinbart. Zudem ließ Pjöngjang wieder Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde ins Land. Im Gegenzug für den Ausstieg aus dem Atomprogramm erhält das Land Wirtschafts-, Energie- und humanitäre Hilfen.
Text: FAZ.NET mit P.K./pwe.
Bildmaterial: AFP, dpa