Abu-Ghraib-Prozeß

Acht Jahre Haft für amerikanischen Soldaten

21. Oktober 2004 Wegen körperlicher und sexueller Mißhandlung irakischer Häftlinge hat ein Militärgericht einen amerikanischen Soldaten zu acht Jahren Haft verurteilt.

Der Militärpolizist Ivan Frederick wird zudem für seine Taten im berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad mit einer Degradierung seines militärischen Rangs und einer unehrenhaften Entlassung aus der Armee bestraft. Es ist mit Abstand die höchste Strafe, die bislang in Prozessen um die Mißhandlungen in Abu Ghraib verhängt wurde.

Anwälte wollen Berufung einlegen

Der Anwalt des Reservisten bezeichnete das Urteil als überhöht und kündigte eine Berufung an. Frederick ist der ranghöchste Soldat, der sich in dem Folterskandal bisher vor Gericht verantworten mußte. Zwei seiner Mittäter sind zu wesentlich geringeren Haftstrafen von acht Monaten und einem Jahr verurteilt worden. Insgesamt sind acht Angehörige des amerikanischen Militärs angeklagt.

Der 38 Jahre alte Frederick hatte am Vortag ein Geständnis abgelegt und unter anderem zugegeben, drei Gefangene zur Selbstbefriedigung gezwungen zu haben. Außerdem hatte er einen Häftling so fest gegen die Brust geschlagen, daß dieser wiederbelebt werden mußte. Der Soldat gestand auch ein, daß er die Mißhandlungen
hätte stoppen können.

„Ein erwachsener Mann“

„Er ist ein erwachsener Mann und in der Lage, den Unterschied zwischen Falsch und Richtig zu erkennen“, sagte der Vertreter der Anklage, Michael Holley, über Frederick. „Wieviel Ausbildung braucht man, um zu lernen, daß es falsch ist, einen Mann zur Selbstbefriedigung zu zwingen?“

Fredericks Anwalt Gary Myers argumentierte, daß die Armee insgesamt in dem Gefängnis versagt habe und machte die Bedingungen in der Anstalt und eine schlechte Ausbildung der Soldaten für die Folter verantwortlich. „Es gibt auch eine Verantwortung der Organisation“, sagte Myers.

Die Verteidiger anderer Angeklagter hatten sogar angekündigt, den amerikanischen Präsidenten George W. Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als Zeugen befragen zu wollen. Deren Politik im Rahmen ihres Kampfes gegen den Terrorismus hätten ein Klima geschaffen, das Mißhandlungen begünstigt habe, sagten sie.



Text: FAZ.NET mit Material von Reuters und AFP
Bildmaterial: AP

 
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