27. Oktober 2007 Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat der EU vorgeworfen, sein Land im Kampf gegen kurdische Rebellen alleine zu lassen. Kein Land der EU hat Mitglieder der PKK an die Türkei ausgeliefert, obwohl diese zur terroristischen Organisation erklärt wurde, sagte er am Samstag in einer Fernsehansprache.
Mitglieder der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei (PKK) haben nach türkischen Angaben in Europa Zuflucht gesucht und treiben dort Geld für ihren Kampf auf. Erdogan sagte, die Türkei werde in ihre Entschlossenheit im Kampf gegen die PKK nicht zurückweichen. Wir würden gerne unsere Freunde in diesem Kampf an unserer Seite sehen.
Krisengespräche gescheitert
Zuvor waren in Ankara irakisch-türkische Krisengespräche über eine türkische Großoffensive im Nordirak gescheitert. Die türkische Armee setzte daraufhin ihre Einsätze in der Grenzregion fort. Der Türkei gingen die Vorschläge des Irak zur Bekämpfung der PKK-Rebellen nicht weit genug. Weitere Unterredungen sind nicht geplant. Die irakische Delegation werde im Laufe des Tages die Türkei verlassen, verlautete aus Regierungskreisen beider Länder.
Der irakische Verteidigungsminister General Abdel Kader Dschassim und der Minister für Nationale Sicherheit, Schirwan al-Waeli, waren zusammen mit Vertretern des amerikanischen Militärs und der kurdisch-irakischen Regionalregierung zu den Gesprächen nach Ankara gekommen. Die Türkei wies die irakischen Vorschläge für eine Bekämpfung der kurdischen Rebellen als zu schwach zurück. Die Regierung in Bagdad müsse schneller handeln, sagte ein Sprecher des Außenministeriums nach mehrstündigen Gesprächen.
Der stellvertretende Ministerpräsident Cemil Cicek forderte eine Auslieferung aller Kurden-Rebellen, die sich in den Nordirak zurückgezogen haben. Die Regierung in Bagdad hat nur beschränkten Einfluss auf den Norden des Landes, der von Kurden weitgehend autonom regiert wird. Der Türkei zufolge haben rund 3000 Kämpfer der verbotenen PKK im Nordirak Unterschlupf gefunden und bereiten von hier aus ihre Angriffe vor.
Mehr als 30.000 Tote
Das Parlament in Ankara hat die Regierung zu einem militärischen Einmarsch im Nordirak ermächtigt, über den Erdogan Anfang kommenden Monats entscheiden will. Eine Entscheidung dürfte aber erst nach einem Treffen Erdogans mit dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush am 5. November in Washington fallen.
Die Vereinigten Staaten und die EU haben das Nato-Mitgliedsland Türkei davor gewarnt, die Stabilität der relativ ruhigen Kurdengebiete im Nordirak und der gesamten Region zu gefährden. Doch nach dem Tod dutzender Soldaten steht die Regierung des türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan unter großem Druck, die Gewalt zu beenden. In den vergangenen Wochen hat die Türkei rund 100.000 Soldaten an der Grenze zusammengezogen und nach Angaben von Vize-Regierungschef Cicek bereits 24 Einzeleinsätze gegen die PKK geführt. Es habe aber noch keinen vollen Vormarsch gegeben. In der Stadt Sirnak im Südosten der Türkei demonstrierten am Samstag rund 1000 Menschen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen gegen die PKK. Die Organisation kämpft seit 1984 für einen eigenen Staat. In dem Konflikt starben bereits mehr als 30.000 Menschen.
Rebellen erwägen Freilassung der Soldaten
Der Aufmarsch türkischer Truppen an der Grenze zum Irak ging unterdessen weiter. Als Zeichen der Stärke schossen türkische Panzer zehn Granaten in die Berge im Nordirak. Berichte über Opfer gab es nicht. In den vergangenen Wochen haben PKK-Kämpfer nach türkischen Angaben bei zwei Anschlägen mindestens 42 Menschen getötet, darunter 30 Soldaten. Acht Soldaten wurden gefangengenommen.
Die Rebellen erklärten, sie würden eine Freilassung der Soldaten erwägen. Zuvor hatte der türkische Abgeordnete Ahmet Turk, dessen Partei für eine Demokratische Gesellschaft Beziehungen zur PKK nachgesagt werden, an die Rebellen appelliert, die Soldaten unverletzt freizulassen. In der nordirakischen Stadt Sulaimanije sagte PKK-Sprecher Abdul Rahman al Khaderkhi, seine Gruppe arbeite an einer Erklärung.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP