Todesurteil vollstreckt

Saddam Hussein hingerichtet

Das Urteil wird vollstreckt

Das Urteil wird vollstreckt

31. Dezember 2006 Das Todesurteil gegen Saddam Hussein ist am Samstag morgen gegen 6 Uhr Ortszeit vollstreckt worden. Der ehemalige irakische Diktator starb im Alter von 69 Jahren durch den Strang.

Etwa sechs Stunden nach Hinrichtung strahlte das Staatsfernsehen „Al Irakija“ Videobilder von der Exekution aus. Sie zeigten zwei mit Henkersmützen maskierte Männer, wie sie Saddam ein schwarzes Tuch um den Hals binden und ihn in einen Raum zum Galgen führen. Die Scharfrichter, die dem gefesselten Saddam anscheinend die Prozedur erläutern, legen ihm dann die Schlinge um den Hals und ziehen sie fest. Danach wurde die Ausstrahlung abgebrochen. Saddam, der in einen schwarzen Mantel gekleidet war und dessen Kopf unverhüllt blieb, wirkte gefaßt und nachdenklich. Einige Male schluckte er.

Saddams Opfer sollen Leiche besichtigen können

Private Fernsehsender zeigten Saddam auch nach der Exekution. Zu sehen war allerdings nur der durch den Tod am Strang abgeknickte Kopf, die Augen der Leiche waren geschlossen. Die Bildqualität der nur wenige Sekunden gezeigten Aufnahme war zudem schlecht. Der Leichnam war in ein weißes Hemd gekleidet und in Teilen mit einem weißen Tuch bedeckt.

Saddams Körper wurde in das Bürogebäude des Ministerpräsidenten Nuri al Maliki im Bagdader Regierungsviertel gebracht. Die Regierung will den Opfern des ehemaligen Diktators die Gelegenheit geben, dessen Leiche zu besichtigen. Saddam werde wahrscheinlich an einem geheimen Ort im Irak beigesetzt, sagte Sami al Askari, ein Vertrauter von Ministerpräsident Maliki. Die Bitte der Familie, den Leichnam an sie zu übergeben, lehnte die Regierung ab. Saddams Familie hatte sich für eine vorübergehende Beerdigung im Jemen ausgesprochen, bis der Irak von den Invasoren befreit sei.

Das Todesurteil gegen Saddam war im ersten Prozeß gegen den ehemaligen Machthaber gefallen. Im Zentrum stand ein Massaker an Schiiten in dem Dorf Dudscheil im Jahr 1982.

Bush schlief zum Zeitpunkt der Hinrichtung

Der amerikanische Präsident George W. Bush nannte die Exekution am Samstag morgen einen Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak. Urteil und Hinrichtung seien das Ergebnis eines fairen Prozesses, wie ihn der Saddam „den Opfern seines brutalen Regimes“ vorenthalten habe, sagte Bush auf seiner Ranch in Texas. Die Exekution werde die Gewalt in dem Land aber nicht beenden.

Im Augenblick der Hinrichtung hatte Bush laut einem Sprecher des Weißen Hauses geschlafen. Der Präsident habe den Freitag mit dem Wissen beendet, daß die „letzte Phase“ der Verurteilung Saddam Husseins begonnen habe, sagte der Sprecher. Im texanischen Crawford war es zum Zeitpunkt der Hinrichtung 22 Uhr Ortszeit.

Auch die australische Regierung hat die Hinrichtung positiv aufgenommen. Außenminister Alexander Downer bezeichnete Saddams Tod als „wichtigen Schritt“ auf dem Weg zu einer historischen Beurteilung seines „tyrannischen Regimes“. Jetzt könne der Prozeß der Versöhnung fortgesetzt werden.

„Grausam und barbarisch“

Im Gegensatz dazu verurteilte die Europäische Union das Urteil und seine Exekution aus grundsätzlichen Erwägungen. Die Todesstrafe hätte auch in diesem Fall nicht angewendet werden sollen, in dem es keine Zweifel an der Schuld Saddams wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen gegeben habe, sagte der finnische Außenminister Erkki Tuomioja. Auch gegen das Gerichtsverfahren gebe es ernsthafte Einwände. Der Europarat nannte die Hinrichtung „grausam und barbarisch“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Samstag in Berlin: „Wir respektieren dieses Urteil, aber es ist bekannt, daß die Bundesregierung gegen die Todesstrafe ist.“ Auch die Außenministerien von Frankreich und Großbritannien sowie der Vatikan brachten ihre grundsätzliche Ablehnung der Todesstrafe zum Ausdruck. Es bestehe zudem „das Risiko, daß dies den Geist der Rache noch anstachelt und neue Gewalt sät“, sagte ein Vatikansprecher.

Iran: „Ein Sieg für das irakische Volk“

In Deutschland verurteilten Politiker aller im Bundestag vertretenen Parteien die Vollstreckung des Todesurteils. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, sprach von einer verpaßten Chance für den Irak, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), sagte: „Wir wenden uns gegen die Todesstrafe, egal wo sie angewandt wird.“ Der SPD-Europapolitiker Martin Schulz nannte die Hinrichtung Saddams einen „staatlich sanktionierten Mord“, der nicht zur Befriedung des Iraks beitragen könne.

Der stellvertretende iranische Außenminister Hamid Resa Assefi sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, die Exekution sei „ein Sieg für das irakische Volk, und kein anderes Land sollte sich diesen zuschreiben“. Assefi kritisierte allerdings die schnelle Ausführung der Exekution und vermutete dahinter die Absicht der Vereinigten Staaten, die Verfahren gegen Saddam nun zu beenden. Untersuchungen der irakischen Invasion des Irans im Jahr 1980 und Kuweits im Jahr 1990 hätten möglicherweise noch eine amerikanische Verwicklung in die Verbrechen Saddams ans Tageslicht bringen können, so Assefi.

Anschläge in Kufa und Bagdad

Nur wenige Stunden nach der Hinrichtung Saddams sind bei einem Anschlag im Südirak mindestens 30 Menschen getötet worden. Hinweise, ob der Autobombenanschlag in der Stadt Kufa mit des Exekution Saddams im Zusammenhang steht, gab es zunächst aber nicht. Wie der Nachrichtensender Al Arabija unter Berufung auf Ärzte berichtete, explodierte die Sprengladung in der vornehmlich von Schiiten bewohnten Stadt auf einem Marktplatz.

Im Viertel Hurrija im Nordwesten Bagdads explodierten am Samstag fast gleichzeitig drei Autobomben. Dabei wurden nach Angaben der Sicherheitskräfte 37 Menschen getötet und 76 verletzt.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS

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Hinrichtung heimlich gefilmt

„Fahr zur Hölle!“

Das mit einem Mobiltelefon aufgenommene Video von Saddams Hinrichtung dokumentiert brisante Details: Der frühere Diktator wurde von Anhängern des Schiiten-Führers Sadr verhöhnt und beschimpft.

Saddam Hussein

Saladin und Nebukadnezar als Vorbild

Auch nach seinem Tod wirft Saddam Hussein einen langen Schatten. Mit seiner Propaganda vom Panarabismus und seinen Kriegen gegen Nachbarländer hat er die arabische Welt auf einen konfliktreichen Weg gebracht.

Nach der Hinrichtung

Wird Saddam ein Märtyrer?

Tausende pilgern im Irak an die Grabstätte Saddam Husseins. Seine Tochter Raghda rief im jordanischen Amman einer jubelnden Menge zu, ihr hingerichteter Vater, der „irakische Präsident“, sei ein „Märtyrer“.

Irak

Tausende trauern in Takrit

Nach der Beisetzung von Saddam Hussein sind Tausende Anhänger zu seiner Grabstätte unweit von Takrit geströmt. Die Polizei hat ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Saddams Ende

Die Nachtruhe des Präsidenten Bush

George W. Bush nannte ihn selbst den „Typ, der meinen Papa umbringen wollte“. Und sicherlich war Rache ein Motiv für den amerikanischen Feldzug gegen Saddam Hussein. Doch beileibe nicht das wichtigste. Matthias Rüb, Washington.

Irak

Todesurteil gegen Saddam vollstreckt

Der ehemalige irakische Diktator Saddam Hussein ist am frühen Samstag morgen hingerichtet worden. Er war zuvor wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt worden.

Irakische Reaktionen

Schiiten feiern Saddams Tod, Sunniten sind entsetzt

Im Irak brach spontan Freude, aber auch Trauer über die Hinrichtung des ehemaligen Staatsoberhauptes aus: In den Schiitenhochburgen wurde der Tod Saddam Husseins gefeiert, in seiner Heimatstadt Takrit betrauert.

Saddams Leben

Der Tyrann aus Takrit

Er hat Gewalt gesät und ist durch Gewalt von seinem Thron gestoßen worden. 2003 zog man ihn aus einem Erdloch. In nur 40 Verhandlungstagen wurde er abgeurteilt, sein letzter Wunsch blieb ihm verwehrt: Saddam starb durch den Strang, nicht durch die Kugeln eines Erschießungskommandos.

Saddams Hinrichtung

Maliki unter Druck

Die Exekution Saddams kam der irakischen Regierung ungelegen, denn Premier Maliki arbeitet an der politischen Integration der Sunniten. Doch Schiitenführer Sadr setzte ihn unter Druck. Große Gefahren gehen von Saddams Anhängern gleichwohl nicht mehr aus. FAZ.NET-Analyse. Von Hans-Christian Rößler

Irak

Saddam sieht sich schon bei Gott

Nach der Bestätigung seines Todesurteils durch das höchste irakische Gericht darf Saddam Hussein wohl nur noch wenige Tage leben. In einem kämpferischen Abschiedsbrief wandte er sich ans Volk: „Oh Gläubige, ich verabschiede mich.“

Irak

Todesurteil gegen Saddam Hussein bestätigt

Ein irakisches Gericht hat bestätigt, daß Saddam Hussein durch den Strang sterben soll. Nun beginnt die Frist von 30 Tagen, innerhalb derer das Urteil gegen den früheren Machthaber vollstreckt werden muß.

Irak

Aufständische drohen mit Vergeltung für Saddams Hinrichtung

Sunnitische Aufständische im Irak haben für den Fall der Hinrichtung von Saddam Hussein mit weiteren Anschlägen gedroht. „Die Baath-Partei und der Widerstand sind zur Vergeltung entschlossen.“

Human Rights Watch

Menschenrechtler über Saddam-Prozeß: „Grundlegend unfair“

Nur zwei internationale Organisationen durften den Prozeß gegen den ehemaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein im Gerichtssaal beobachten. Die eine, Human Rights Watch, erhebt schwere Vorwürfe gegen das Sondertribunal.

Saddam Hussein

„Ein krimineller Diktator“

Zwei Tage nach dem Todesurteil muß sich Saddam Hussein abermals vor Gericht verantworten. Diesmal geht es um den Giftgasanschlag auf Kurden 1988 im Nordirak.

„Siegerjustiz“?

Jubel und Empörung über Todesurteil gegen Saddam

Das Todesurteil für Iraks früheren Diktator Saddam Hussein hat in Europa vor allem grundsätzliche Kritik ausgelöst, in den Vereinigten Staaten dagegen vorbehaltlose Zustimmung erfahren. Im Irak jubeln die Schiiten, während Sunniten mit Rache drohen.

Irak

Zweiter Prozeß gegen Saddam

Der ehemalige irakische Machthaber Saddam Hussein steht in einem zweiten Prozeß wegen Völkermord vor Gericht. Er muß sich wegen des Feldzuges gegen die Kurden im Jahr 1988 verantworten, bei dem bis zu 100.000 Menschen getötet worden waren.

Irak

Tod für Saddam? Grundsätzlich nein

Spezial Ein unschädlich gemachter, also inhaftierter Verbrecher - und heißt er auch Saddam Hussein - „verdient“ nach europäischer Überzeugung nicht mehr den Tod. Also gibt es auch keinen Grund, den Sonntag als einen „guten Tag für das irakische Volk“ zu bezeichnen. Kommentar.

Irak

Wieder Schimpftiraden Saddams vor Gericht

Der frühere irakische Machthaber Saddam Hussein hat seinen Auftritt vor Gericht wieder als politische Bühne genutzt. Neues Ziel seiner Schimpftiraden war das irakische Innenministerium.

Irak

Saddam Hussein beendet Hungerstreik

Der Prozeß gegen den früheren Machthaber im Irak wird wieder fortgesetzt. Bei weiteren Anschlägen kamen mindestens 56 Menschen ums Leben. Auch schiitische Moscheen waren das Ziel.

Irak

Vorsitzender Richter im Saddam-Prozeß zurückgetreten

Rizgar Muhammad Amin, der Vorsitzende Richter im Prozeß gegen Saddam Hussein, hat seinen Rücktritt eingereicht. Verschiedene Medien hatten Amin vorgeworfen, er habe die Kontrolle über den Prozeß verloren.

Irak

Saddam Hussein bezichtigt Weißes Haus der Lüge

Am siebten Verhandlungstag des Tribunals gegen den früheren irakischen Machthaber und sieben weitere Angeklagte hat Saddam Hussein der Bush-Regierung Lügen unterstellt und Vorwürfe wiederholt, er werde im Gewahrsam mißhandelt.

Prozeß gegen Saddam Hussein

Kämpferisch und von seiner Unschuld überzeugt

Spezial Zumindest für die arabische Welt hat Saddam Hussein seine Chance genutzt: Die Welt blickte auf Bagdad und der frühere Präsident des Irak, dem die Todesstrafe droht, sprach optimistisch, ruhig und von seiner Unschuld überzeugt.

Irak

„Dumme Fälschung wie ein Cowboyfilm“

Etwa ein Jahr nach seiner Festnahme präsentiert der frühere Diktator Saddam Hussein seine eigene Version der Geschichte: Der Mann behauptet, beim Abendgebet umstellt, dann verhaftet und schließlich gefoltert worden zu sein.

Saddam Hussein

Seht euch das Tier an

Nach Hitler, Mao, Stalin nun also das Gesicht des verfolgten Tyrannen, der sich verkrochen hatte wie ein verwundetes Tier; nun also dieser lebende Tote aus dem Erdloch. Mußte man das wirklich filmen?

Festnahme Saddam Hussein

Aufgespürt in einem Kellerloch

Am Ende hauste der mächtigste Mann Iraks in einem kleinen Keller, nicht mehr als ein ausgehobenes Erdloch. Dort ist Saddam Hussein am Samstagabend von amerikanischen Truppen aufgespürt worden.