Kuba

Fidel Castro gibt das Präsidentenamt auf

19. Februar 2008 Nach fast einem halben Jahrhundert geht in Kuba die Ära Castro zu Ende. Der erkrankte Staatspräsident Fidel Castro erklärte am Dienstag, dass er sich am kommenden Sonntag nicht mehr zur Wiederwahl stellen werde. Die vor kurzem gewählte neue Nationalversammlung wird an diesem Tag den Staatsrat bestimmen und auch den Posten des Präsidenten neu besetzen.

Ein entsprechender Brief des 81 Jahre alten „Maximo lider“ Fidel Castro wurde über Nacht von der Online-Ausgabe des Parteiorgans „Granma“ verbreitet. „Ich werde den Posten des Präsidenten des Staatsrats und des Obersten Kommandeurs weder anstreben noch akzeptieren - ich wiederhole: weder anstreben noch akzeptieren“, heißt es in den Schreiben.

Castro war seit der Revolution von 1959 unangefochtener Herrscher der Karibikinsel. Seit einer schweren Darmoperation im Juli 2006 hat er sich allerdings nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. Die Amtsgeschäfte übernahm damals sein fünf Jahre jüngerer Bruder Raúl - offiziell aber nur kommissarisch.

Bush verlangt Wandel auf Kuba

Bei der Parlamentswahl in Kuba am 20. Januar trat Fidel Castro noch als Spitzenkandidat an. Ob er allerdings weiterhin Präsident bleiben werde, galt schon seit geraumer Zeit als fraglich.

Der amerikanische Präsident George W. Bush hofft nach Castros Rückzug auf einen Wandel Kubas zur Demokratie. „Ich sehe das als Abschnitt des Übergangs, und es sollte der Anfang eines demokratischen Übergangs für das Volk in Kuba werden“, sagte Bush am Dienstag während seiner Afrikareise in der ruandischen Hauptstadt Kigali. Castros Verzicht könne zu freien Wahlen führen. Die internationale Gemeinschaft dürfe nun nicht die Stabilität der Demokratie vorziehen.

Im Herbst hatte Bush einen sogenannten Freiheitsfonds eingerichtet, dessen Mittel nach einem Regierungswechsel in Kuba investiert werden sollen. Die kubanische Regierung warf Bush daraufhin vor, einen „gewaltsamen“ Wechsel herbeiführen zu wollen.

Die Ära des „Máximo Líder“

1. Januar 1959: Castro und seine revolutionäre Gruppe übernehmen nach der Flucht von Diktator Fulgencio Batista die Macht.

8. Mai 1960: Die UdSSR und Kuba nehmen ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf.

3. Januar 1961: Die Vereinigten Staaten brechen ihre diplomatischen Beziehungen zu Kuba ab.

17. April 1961: 1400 bewaffnete Exil-Kubaner landen in der Schweinebucht und werden dort von den kubanischen Streitkräften vernichtend geschlagen. Der von Washington unterstützte Umsturzversuch scheitert.

1. Mai 1961: Castro bekennt sich offiziell zum Marxismus-Leninismus.

3. Februar 1962: Die amerikanische Regierung verhängt ein Wirtschaftsembargo über Kuba.

22. bis 28. Oktober 1962: Während der Kuba-Krise steht die Welt am Abgrund eines Atomkrieges. Anlass ist die Stationierung russischer Atomraketen in Kuba. Die Vereinigten Staaten beginnen darauf eine Seeblockade. Moskau zieht seine Waffen schließlich wieder ab.

Oktober 1975: Die kubanische Armee unterstützt die angolanische Regierung beim Kampf gegen die von den Vereinigten Staaten geförderte Rebellenbewegung Unita. Die kubanischen Truppen bleiben 16 Jahre im Land.

14. April bis 5. Oktober 1980: 125.000 Kubaner flüchten über den Hafen Mariel in die Vereinigten Staaten.

5. August 1994: In Havanna gibt es zum ersten Mal seit der Revolution Unruhen. Mehr als 37.000 Kubaner verlassen auf Flößen das Land.

21. bis 26. Januar 1998: Papst Johannes Paul II. besucht Kuba.

18. bis 20. März 2003: 75 Oppositionelle werden nach Schnellprozessen zu Gefängnisstrafen zwischen sechs und 28 Jahren verurteilt.

5. Juni 2003: Die EU verhängt diplomatische Sanktionen. Diese sind seit Anfang 2005 ausgesetzt, aber wegen der Menschenrechtslage nicht aufgehoben.

31. Juli 2006: Castro übergibt wegen einer Darmoperation zum ersten Mal in seiner Amtszeit die Regierungsgeschäfte an seinen Bruder Raúl. Der war bis dahin als Verteidigungsminister und stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates offiziell die Nummer zwei in der kubanischen Führung.

19. Februar 2008: Fidel Castro verkündet seinen Rücktritt.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa, REUTERS

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