01. Juli 2006 Die Entführer des israelischen Soldaten Gilad Shalit stellten am Samstag neue Forderungen an die Regierung in Jerusalem. In einer im Hamas-Rundfunk verbreiteten Erklärung verlangten sie die Freilassung von 1000 Häftlingen aus israelischen Gefängnissen sowie ein Ende der Militäroffensive im Gazastreifen. Israel bekräftigte seine Position, daß der Soldat sofort und ohne Vorbedingungen freizulassen sei.
Unterdessen wurden die Angriffe auf den Gaza-Streifen fortgesetzt. Die Artillerie beschoß das Küstengebiet am Samstag morgen von Panzern und Schnellbooten aus. Dabei wurden nach Militärangaben ein Ausbildungslager der Hamas sowie eine Abschußrampe für Kassam-Raketen getroffen. Bei neuerlichen Luftangriffen wurde eines der Gewächshäuser zerstört, die Israel nach der Räumung des Gazastreifens im vergangenen September zurückgelassen hatte. Berichte über Tote oder Verletzte lagen nicht vor.
Abbas dringt auf diplomatische Lösung
Israelische Panzer und Planierraupen rückten ferner in unbewohnte Gebiete bei Chan Junis im südlichen Gazastreifen vor. In Rafah an der Grenze zu Ägypten wurden israelische Truppen schon in den Tagen zuvor stationiert. Nach ägyptischen Angaben saßen mehr als 4000 Palästinenser jenseits des Grenzübergangs fest, weil sie wegen der Offensive vorerst nicht nach Hause zurückkehren konnte.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas räumte ein, daß die Initiativen für eine Beilegung der Krise noch keinen Erfolg erzielt hätten. Er drang dennoch auf eine diplomatische Lösung. In der Erklärung der radikalen Palästinenser hieß es, Israel setze ungeachtet internationaler Vermittlungsbemühungen einseitig auf militärische Macht.
Der militärische Flügel der Hamas-Bewegung sowie die Volkswiderstandskomitees und die Armee des Islams, die Verbindungen zur Hamas unterhalten, haben sich zur Entführung Shalits am 25. Juni bekannt. Ihre Forderung nach Freilassung von 1000 Häftlingen erstreckte sich auch auf nicht-palästinensische Muslime respektive Araber. Beobachter sahen darin einen Versuch, in der arabischen Welt Sympathien zu gewinnen. Erneuert wurde eine frühere Forderung nach der Entlassung sämtlicher weiblicher und minderjähriger Palästinenser aus israelischen Gefängnissen.
Heftiger Schlagabtausch im UN-Sicherheitsrat
Die Freilassung des entführten Soldaten wurde im Gegenzug nicht direkt angeboten. Auch zu dessen Schicksal äußerten sich die militanten Gruppen nicht. Der palästinensische Staatssekretär Siad Abu Aen erklärte, der verwundete 19jährige habe medizinische Behandlung erhalten und befinde sich in einem stabilen Zustand. Einem israelischen Fernsehbericht zufolge wurde Shalit wegen geringfügiger Verletzungen an Schulter und Magen behandelt.
In einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats lieferten sich die Vertreter Israels und der Palästinenser einen heftigen Schlagabtausch. Der palästinensische UN-Beobachter Rijad Mansur warf Israel vor, den Kollaps der Autonomieregierung zu planen, um ungehindert einseitige Schritte verfolgen zu können. Der israelische UN-Gesandte Daniel Carmon entgegnete, Israel habe sich bis zur Entführung Shalits trotz wiederholter Raketenangriffe auf sein Territorium wochenlang zurückgehalten.
Mansur rief den Sicherheitsrat dazu auf, die israelische Offensive zu verurteilen und die Freilassung Dutzender festgenommener palästinensischer Politiker zu fordern. Zahlreiche Sprecher riefen zur Beendigung der Militäraktion auf, doch wurde keine Resolution verabschiedet.
Text: AP
Bildmaterial: REUTERS