05. Juli 2008 Bei einer Häftlingsrevolte in der syrischen Hauptstadt Damaskus sind nach Angaben eines Menschenrechtsaktivisten am Samstag mindestens neun Menschen ums Leben gekommen.
Einer der Wachmänner sei als Geisel genommen worden, sagte der in Beirut ansässige Aktivist Mohammed Abdullah, der Kontakt zu den Gefangenen hatte, der Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Die syrische Regierung bestätigte den Vorfall zunächst nicht.
Rauch über dem Gefängnis
Ein Mitarbeiter der syrischen Nationalen Organisation für Menschenrechte sagte der AP telefonisch aus Damaskus, er könne Rauch über dem Gefängnis sehen, einige Häftlinge stünden auf den Dächern des Gebäudes. Krankenwaren brächten Verletzte in Krankenhäuser. Die Militärpolizei habe auf islamistische Gefangene geschossen, nachdem diese einen Aufruhr verursacht hätten, teilte die in London ansässige Organisation Syrian Observatory for Human Rights am Samstag mit.
Es ist schwierig zu sagen, wie viele Menschen getötet oder verletzt wurden, weil die Verwaltung alle Mobiltelefone im Gefängnis beschlagnahmt hat, sagte der Mitarbeiter dem Nachrichtensender Al Arabija. Medienberichte, wonach 25 Häftlinge getötet worden sein sollen, seien deshalb nicht zu verifizieren.
Schüsse auf Gefangene
Die Militärpolizei habe nach dem Ausbruch der Revolte am frühen Samstagmorgen auf die meuternden Häftlinge geschossen, hatte zuvor eine andere syrische Menschenrechtsorganisation gemeldet. Laut Augenzeugenberichten sei die Armee mit Lastwagen voller Soldaten angerückt, um wieder Ruhe herzustellen. Familienangehörige der Häftlinge hätten an den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad appelliert, einzuschreiten und dem Töten ein Ende zu setzen.
In dem Militärgefängnis in Sednaja, 30 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Damaskus, sitzen viele politische Gefangene ein. Aus der berüchtigten Haftanstalt dringen immer wieder Berichte über Misshandlungen und unwürdige Haftbedingungen an die Öffentlichkeit. Nach Einschätzung der NOHR war die Revolte nicht politisch motiviert, sondern ein Protest gegen die Zustände in dem Gefängnis, in dem es vor knapp zwei Monaten schon einmal zu Unruhen gekommen sei.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS