Friedensabkommen für Tschad

Darfur-Gespräche ohne Rebellen

Von Thomas Scheen

26. Oktober 2007 Die Darfur-Friedensgespräche zwischen Rebellengruppen und der sudanesischen Regierung, die an diesem Samstag im libyschen Sirte beginnen sollen, drohen zu scheitern. Die beiden wichtigsten Rebellengruppen, SLA und Jem, sind nicht von ihrem Boykott des Treffens abgerückt (Siehe auch: Zersplitterte Verhandlungsparteien).

Am Ort der Verhandlungen unterzeichneten am Donnerstagabend die tschadische Regierung und die vier im Osten des Landes aktiven Rebellengruppen einen Friedensvertrag. Dieser war durch die Vermittlung des libyschen Staatschefs Gaddafi zustande gekommen. Neben einer sofortigen Waffenruhe wurde eine Amnestie für die Rebellen vereinbart, von denen viele früher der tschadischen Armee angehörten. Vereinbart wurde auch das Recht für die Deserteure, in die Armee zurückzukehren. Außerdem dürfen die Rebellen nun Parteien gründen. Nach Informationen aus Libyen sollen Gaddafi und der tschadische Präsident Idriss Déby sowie der sudanesische Präsident Omar al Baschir an der Zeremonie teilgenommen haben.

Hauptaufgabe: Sicherung der Flüchtlingslager

Die tschadischen Rebellen, die aus der sudanesischen Krisenregion Darfur heraus operieren und mutmaßlich von Khartum unterstützt werden, streben den Sturz Débys an, der das Land ausschließlich mit Angehörigen seiner eigenen Ethnie, der Zaghawa, regiert. Tschad zählt zu den korruptesten Ländern der Welt. Die Auseinandersetzungen im Osten Tschads sind der maßgebliche Grund für die für Ende November geplante Entsendung einer EU-Truppe, deren Hauptaufgabe die Sicherung der zahlreichen Flüchtlingslager und in der Region sein wird. Frankreich stellt den Großteil der Soldaten für die Truppe.

Überschattet wird das französische Tschad-Engagement allerdings durch einen undurchsichtigen Skandal um Mitarbeiter einer „Hilfsorganisation“, denen die tschadischen Behörden Kinderhandel vorwerfen. In Abéché an der Grenze zu Sudan wurden neun Franzosen bei dem Versuch festgenommen, 103 Kinder außer Landes zu bringen. Die Franzosen arbeiten für die Nichtregierungsorganisation „Arche de Zoé“. Diese hatte im Juni angekündigt, sudanesische Waisenkinder „vor dem sicheren Tod“ bewahren zu wollen und sie nach Frankreich zu bringen.

„Unmenschliches“ und „unzulässiges“ Vorgehen

Nach tschadischen Angaben hatten die Franzosen den Kindern Verbände angelegt, um sie als Verletzte zu tarnen, die zur Behandlung ausgeflogen werden sollten. Déby kündigte „harte Strafen“ an. Das Vorgehen der Gruppe sei „unmenschlich“ und „unzulässig“, sagte der Präsident am Freitag bei einem Besuch der 103 Kleinkinder. Die Hilfsorganisation behauptet, die tschadische Regierung sei plötzlich „umgeschwenkt“. Sie habe gewusst, dass die Organisation die Waisen nach Frankreich bringen wollte, sagte ein Sprecher in Frankreich und zeigte Genehmigungen der Behörden für drei Journalisten, die über die Aktion berichten wollten.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP hatte die Gruppe bei rund 300 Pflegefamilien in Frankreich je zwischen 2800 und 6000 Euro gesammelt. Zunächst blieb unklar, ob es sich bei den Kindern tatsächlich um Waisen aus Darfur handelt oder um gekaufte tschadische Kinder. Der Gouverneur Osttschads warf den Franzosen im Rundfunk vor, „kleine Muslime dem Islam entziehen“ zu wollen. Die französische Staatssekretärin für Menschenrechte, Rama Yade, nannte das Vorgehen der Organisation „unverantwortlich und illegal“.

Text: F.A.Z., 27.10.2007, Nr. 250 / Seite 1
Bildmaterial: F.A.Z.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sie suchen eine günstige Unterkunft für den nächsten Urlaub? Jetzt Ferienwohnungen und Ferienhäuser finden bei Immowelt.de und FAZ.NET!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche