Das zweite Fernsehduell

Bush steigert sich, Kerry bleibt souverän

Zwei zufriedene Männer nach der Debatte

Zwei zufriedene Männer nach der Debatte

09. Oktober 2004 Präsident George W. Bush und sein Herausforderer John Kerry haben sich im zweiten Fernsehduell des Präsidentschaftswahlkampfs einen lebhaften Schlagabtausch geliefert.

Bush machte dabei nach erster Einschätzung der Kommentatoren eine bessere Figur als bei der ersten Fernsehdebatte, die Kerry eindeutig für sich entschieden hatte. Der Senator aus Massachusetts punktete mit Detailwissen. Beide Wahlkampfteams erklärten ihren Kandidaten erwartungsgemäß zum Sieger.

Bush und Kerry stellten sich am Freitag abend (Ortszeit) an der Universität von St. Louis in Missouri den Fragen von Wählern, die zuvor sorgfältig ausgewählt worden waren. Im Publikum saßen 140 Teilnehmer, die zur Hälfte Bush und zur Hälfte Kerry zugeneigt waren. Bei den Fragen ging es abermals um die Irak-Politik und den Antiterrorkrieg, innenpolitisch um die Steuerpläne und die Krankenversicherung. Die Veranstaltung wurde direkt im Fernsehen übertragen. Die erste Debatte vor einer Woche in Florida hatten mehr als 60 Millionen Zuschauer gesehen.

„Sein Plan ist meiner“

In der Debatte herrschte teilweise ein aggressiver Ton. Die Kandidaten gaben sich beide äußerst angriffslustig. In der halbrunden Arena gingen sie mit dem Mikrofon in der Hand auf die Fragesteller zu. Besonders Kerry nutzte die Fragen weniger, um seine eigene Politik zu propagieren, als für Angriffe auf die Bush- Regierung. „Ich habe einen Plan“ sagte er wiederholt, zum Irak, für die Umwelt, für die Krankenversicherung, und verwies für Einzelheiten auf seine Webseite. „Sein Irak-Plan kommt mir bekannt vor, es ist der Bush-Plan“, meinte der Präsident trocken. Im Gegensatz zum ersten Fernsehduell in der vergangenen Woche gelang es Bush häufiger, Kerry in die Defensive zu drängen.

„Ich war nicht glücklich, als wir feststellten, daß im Irak keine Massenvernichtungswaffen waren“, räumte Bush an anderer Stelle ein. Dennoch sei der Krieg richtig gewesen, weil der irakische Machthaber eine Bedrohung darstellte. „Das war nicht der Grund für den Krieg, das ist eine Ausrede“, parierte Kerry. „Die Welt ist heute gefährlicher als zuvor.“ Die Regierung habe sich auf den Irak versteift, während Iran und Nordkorea ihre Nuklearprogoramme ausbauten.

Ein verärgerter Bush

Bei anderen Fragen erschien Bush zeitweise erregt und lief stark gestikulierend vor dem Publikum auf und ab. Mehrfach mußte er sich die blaue Kravatte wieder ins Jackett stecken. Einmal unterbrach Bush den Moderator, um Kerry anzufahren. Dieser hatte die Stärke der von den Vereinigten Staaten geführten Koalition im Irak kritisiert. Mit seinem Äußerungen stoße er Verbündeten wie Großbritannien und Polen vor den Kopf, sagte Bush.

Kerry wies zurück, seine Position zum Irak wiederholt geändert zu haben. Er habe stets den Standpunkt vertreten, daß der frühere irakische Präsident Saddam Hussein eine Bedrohung dargestellt habe. Bush hingegen habe die amerikanische Bevölkerung in der Irak-Frage getäuscht. „Der Präsident hat keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden und daher seine Kampagne in eine Massenirreführung umgewandelt.“

Streit um Steuern

Thematisiert wurden auch wirtschaftspolitische Fragen. Kerry bezeichnete den aktuellen Arbeitsmarktbericht der Vereinigten Staaten als Beweis dafür, daß die Wirtschaft unter der Bush-Regierung weiter angeschlagen sei. Der Stellenzuwachs war im September deutlich geringer ausgefallen als erwartet. „Natürlich wird er eure Steuern erhöhen!“ rief Bush ins Publikum. Kerry betonte mehrfach: „Keine Steuererhöhungen für die, die weniger als 200.000 Dollar im Jahr verdienen.“

In deutlichen Worten distanzierte sich Bush von Palästinenserpräsident Jassir Arafat und sprach diesem die notwendigen Führungsqualitäten ab. Er verhandle nicht mit Arafat, „weil ich nicht glaube, daß er die Art von Person ist, die die Palästinenser zu einem unabhängigen Staat führen kann“, sagte Bush. Er sei zwar der Meinung, daß die Palästinenser einen eigenen Staat haben sollten. Dazu bräuchten sie jedoch eine politische Führung, „die Demokratie und Freiheit verpflichtet ist, eine Führung, die den Terrorismus ablehnt“.

Kontrollierte Gesichtszüge

Die Anstrengung, mit der er seine Gesichtzüge kontrollierte, war dem Präsidenten anzusehen. Die verärgerten und genervten Grimassen, die ihn beim ersten Mal so schlecht hatten aussehen lassen, konnte George W. Bush zwar meist unterdrücken. Doch die verkrampften Kiefermuskeln verrieten seine Ungeduld. Insgesamt wirkte der Präsident in der zweiten Debatte jedoch selbstsicherer und alerter als vor gut einer Woche. Seine Angriffe gegen den Herausforderer trug er meist konzentriert und energisch vor. Allerdings hatte es Bush mit einem abermals starken Gegner zu tun. Kerry wirkte wie schon in der ersten Debatte souverän und entspannt, schmunzelte bisweilen, verlor nie die Fassung und hielt viele Zahlen parat.

Bush und Kerry gingen nach der Debatte aufeinander zu und schüttelten sich herzlich die Hand, ganz anders als ihre jeweiligen Stellvertreter, Richard Cheney und John Edwards. Nach ihrer teils bitteren Debatte mit persönlichen Angriffen hatten die beiden sich wenige Tage zuvor kaum noch eines Blickes gewürdigt. Die dritte und letzte Präsidentschaftsdebatte findet kommenden Mittwoch in Arizona statt. Dort stellt wieder ein Journalist die Fragen. Es soll ausschließlich um die Innenpolitik gehen.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa, AFP, Reuters
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, Reuters

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