Flagge in Flammen: Dänemark unter Druck in Jakarta

Kein Ende im Streit über Karikaturen des Propheten Mohammed: In Jakarta haben aufgebrachte Muslime vor der dänischen Botschaft randaliert. In Qatar hat ein Scheich diesen Freitag zum „internationalen Tag des Zorns“ ausgerufen. Unbeeindruckt druckt die spanische Zeitung „El Pais“ heute eine der Karikaturen auf Seite 1.

Lesermeinungen zum Beitrag

16. April 2006 09:02
Sie machen es sich ziemlich einfach...  
Felipe E. (felipo)

Sie unterschätzen diese sog. Minderheiten. Viele haben Ihre Heimat verlassen und in anderen Ländern eine neue Existenz aufgebaut. Das sollten Sie nicht unterschätzen.
Aber warum gelten Palästinenser hier als Muslime? Wer sagt das? Ich behaupte das nicht... und auch die Medien berichten an den Feiertagen von den Messen in Jerusalem und Beth Lehem. Irgendwie seltsam, oder nicht? Die Ursache des "Verschwindens" ist aber keine zunehmende Auswanderung von Minderheiten...
"Attacken im Namen der Meinungsfreiheit"...nett, aber das haben Sarkasmus und vorallem Zynismus ansich... hier geht es nicht um "Schmusediplomatie". Zynismus soll nun mal provozieren. Alles natürlich in einem angemessenem Maße, aber es rechtfertigt noch lange nicht FREMDES Eigentum zu beschädigen!!!! Egal wie wütend derjenige oder diejenige seinmag. Und kommen Sie mir nicht mit Leiden! Wenn Sie mich beleidigen würden, würde ich auch nicht einfach Ihr Auto anzünden! Des Weiteren sollten Sie sich mal anschauen, wer der eigentliche Adressat dieser Aktion war.
Und mal davon abgesehen was Sie "glauben": Ich bin ganz froh, dass der Libanon nicht Palästina ist!
"Mit freundlichen Grüßen!" . . .

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03. Februar 2006 21:20
Zu Lukas Werth: meine Rechenexempel  
Eckhardt Kiwitt (Eckhardt_Kiwitt)

Mathematik und Ethik sind sicher zwei unterschiedliche "Wissens"gebiete. Hier ging es aber vorrangig um die Meinungs- und Glaubensfreiheit, und darum, daß nun mal jeder Mensch die Wirklichkeit - oder das, was er dafür hält - ganz individuell wahrnimmt. Und auch darum, daß jeder aufgefordert ist, dies zumindest zur Kenntnis zu nehmen - und, wenn möglich, zu reflektieren.

Daß mir Ethik nicht fremd ist habe ich in anderen Beiträgen hinreichend dargestellt (die wg. der vorbildlichen Gestaltung des Leserforums der FAZ für jeden auf einfachste Weise auswählbar und einsehbar sind).
Z.B. wenn ich ein paar Koranverse zitiert und kritisiert habe, in denen Muslime dazu aufgefordert werden, Götzendiener (gemeint sind wohl die "Ungläubigen", also WIR) zu töten (z.B. 9.5), Juden und Christen nicht zu Freunden zu nehmen (z.B. 5.51), oder sich für "die Sache Allahs" zu opfern, also ggf. auch Selbstmord-Attentate auszuführen (z.B. 4.74/75 / 9.111) - also alles ganz und gar UN-ethische Forderungen, die ich am Islam kritisiere und für inakzeptabel halte.

Mit besten Grüßen aus Freising
(lassen Sie uns ein Lied auf die Freiheit singen - Freiheit des Denkens, Freiheit des Glaubens, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit)
Eckhardt Kiwitt

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03. Februar 2006 20:55
Antwort zu Herrn Gerloff  
Lukas Werth (lukaswerth)

Ihre Forderung nach gegenseitiger Toleranz ist für mich sehr nachvollziehbar, und ich habe schon am eigenen Leibe erfahren, wie schwer dies in der Praxis einzufordern ist.
Dennoch denke ich, daß es nicht reicht, den Fehler beim anderen zu sehen. Die Forderung, den Standpunkt des anderen wirklich nachzuvollziehen, die Voraussetzungen seines Handelns zu verstehen, kann nur bei einem selbst beginnen. Wie gesagt: ich denke, daß ich die Stereotypen, Intoleranzen und Schwächen in der islamischen Welt ziemlich gut kenne. Aber, und das zu bedenken scheint mir bei dieser ganzen Diskussion wesentlich: große Teile der islamischen Welt werden in der einen oder anderen Form von Teilen der westlichen Welt ausgenutzt oder unterdrückt: Tschtschenien und andere Gebiete der Region, Palästina, Saudi-Arabien (das Volk), Pakistan, auch der Iraq und Afghanistan, um nur einige zu nennen. Empfindlichkeiten resultieren auch daher. Und was uns geringfügig erscheint -Karrikatur- wird von anderen so aufgefasst, als würde hier jemand ein Hakenkreuz auf ein jüdisches Grab legen. Mal ehrlich: so kann Meinungsfreiheit doch nicht funktionieren! Hier liegt der Fehler bei uns, wenn wir unsere Vorstellungen naiv verallgemeinern.
Außerdem: ich sehe manche Ähnlichkeiten zwischen der Situation heute und den Jahren vor dem ersten Weltkrieg. Auch damals waren es aufgestaute Animositäten und die Unmöglichkeit, den Standpunkt des anderen zu begreifen, die, ausgelöst durch eine Trivialität, zur Katastrophe führten.

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03. Februar 2006 18:50
Aber gerne, Herr El-Jana  
Angela Mirna (Angela.Mirna)

Diese Minderheiten, die Anfang des 20. Jahrhunderts fast ein viertel der Bevölkerung Palästinas war, gibt es kaum mehr, ist verurteilt, für ewig zu verschwinden. Die Ursache ist der Nahostkonflikt, und glauben Sie mir, nicht der Islam. Im Gegenteil, obwohl sie verschwindet, wird sie im Nahen Osten noch empfunden, als wäre sie da, vieleicht genau wegen islamischer Vorstellungen, für den Westen aber existiert sie einfach nicht. Palästinenser gelten hier als Muslime. Die Ursache ihres Verschwindens ist genau das, was die Muslime auch da leiden. Nun, diese ganze Atacke im Namen der Meinungsfreiheit versteckt diese Ursache, stellt die Menschen da als irrational, leugnet ihr Leiden. Da liegt die Beleidigung, und sie ist nicht davon abhängig, das die Beleidiger denken, es seien nur Muslime da. Herr El-Jana, glauben Sie mir, Palästina ist nicht Libanon. Salamaat.

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03. Februar 2006 17:59
an Angela Mirna  
Felipe E. (felipo)

Wieso soll es für "alle" Palästinenser entwürdigend sein? Ich denke nicht, dass die orthodoxen, protestantischen und katholischen Minderheiten in Palästina persönlich betroffen sind. Vielleicht sollten sie das mal näher Erläutern... Einen Kontext sehe ich nicht.

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03. Februar 2006 16:22
Sehr geehrter Prof._Lauter, ...  
Sönke Peters (soenkepeters)

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Ihre vergleichenden Beispiele islamischen Engagements sind in diesem Zusammenhang unpassend: Bei den weltweiten Gewaltausbrüchen islamistischer Hitzköpfe, um die es hier geht, handelt es sich um den Weltgeltungsanspruch bestimmter moslemischer Kreise. Ganz offensichtlich versuchen hier einige Hysteriker vorzuschreiben, was in Europäischen Zeitungen gedruckt werden darf und was nicht. Mit Gewalt und wirren Drohungen wollen sie diesem Anspruch Nachdruck verleihen. Eine „Lösung“ kann es hier also gar nicht geben, da wir in der westlichen Welt keine Religionspolizei nach Iranischem Muster zulassen werden. Wenn es aber die religiösen Gefühle mancher Moslems verletzt, wenn Mohammed mit Bomben-Turban dargestellt wird, sollten diese Leute sich einmal fragen, warum man vor dem Hintergrund islamistischen Terrors wohl auf die Idee einer solchen Karikatur kommt! Wenn im Namen Allahs Flugzeuge in Bürotürme gelenkt werden, scheinen die religiösen Gefühle dieser sensiblen Moslems anscheinend weniger verletzt. Eine Protestwelle dieses Ausmaßes ist mir nach dem 11. September nicht in Erinnerung.

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03. Februar 2006 15:36
In Anbetracht der Diskussion  
Stefanie Neubert (contactsteff)

Wenn ich hier alle so schön argumentieren sehe, dass der Islam ja ohnehin fundamentalistisch geprägt ist und sich in einer radikalen Phase befindet, die das Christentum so lange schon hinter sich gelassen hat , dann frage ich mich, wo die Rationalität und Logik dieser eben so Argumentierenden bleibt.
Falls dies stimmen sollte, ist mir nicht klar, warum man dann erwartet, dass alle diese "Fundamentalisten" Verständnis für die westlichen Vorstellungen von Meinungsfreiheit aufbringen?

Daneben gilt es zu verstehen, dass wir in einem Kulturkrieg stecken, der auf den unterschiedlichsten Schauplätzen ausgetragen wird und ausschlaggebende Kräfte des Westens eben NICHT dazu beitragen, diesen Konflikt zu beheben (und dies im übrigen auch nicht erst seit gestern).
"Eine "aufgeklärte Welt" wird heute leider oft mit dem Verzicht auf Respekt gegenüber anderen verwechselt. Worte wie "Toleranz" ersetzen diesen nämlich nicht und "Toleranz" geht bei weitem in der Bedeutung nicht so tief und verlangt auch nicht, dass man sich mit etwas auseinandersetzt - nicht mal mit der eignen (christlichen) Kultur. Im Zweifelsfall kann "Toleranz" einfach auch nur "Ignoranz" bedeuten. So wird also z.B. im Namen der Toleranz ignoriert, dass man von anderen nicht einfach so erwarten kann, dass sie gleiche Auffassung von "Meinungsfreiheit" haben. Es ist ja fast schon ein wenig amüsant.

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03. Februar 2006 14:25
Im Frühjahr 2001  
H. Lauter (Tattaya)

Im Frühjahr 2001 vernichtete Muslime die beiden größten Buddha-Statuen der Welt. (Buddha-Statuen in Bamian-Tal in Afghanistan sind von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden)
-Es kam zu wütenden Protesten, muslimische Gruppen riefen zum Boykott afghanischer Produkte auf.
-Rafsandschani warf dem Westen eine „organisierte Strategie gegen buddhisten” vor.
-In der indonesischen Hauptstadt Jakarta versuchten hunderte radikaler Muslime die afghanische Botschaft zu stürmen.
-Für den Vatikan betonte der italienische Kardinal Achille Silvestrini, man könne über christlichen Priester, die Gebräuche der Moslems Satire betreiben und Buddha Statuen in die Luft sprengen, nicht aber über Gott, den Koran oder Mohammed scherzen.
-Senator Khurshid Mehmood vom islamistischen Parteienbündnis MMA sagte, Muslime würden es nicht hinnehmen, wenn versucht werde, andere Religion zu verleumden.
- In Bagdad haben Demonstranten die afghanische Nationalflagge verbrannt - aus Protest gegen die vernichtung der Buddha-Statuen in Bamian-Tal in Afghanistan.

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03. Februar 2006 13:42
Wo bleibt die Souveränität?  
Kei Müller (keimue)

Ich finde, wir sollten anfangen, Engländer zu überfallen und zu entführen, da die "Sun" uns Deutsche ständig als sauerkrautfressende Nazis darstellt.

Es ist bedenklich, wie still sich der aufgeklärte und tolerante Teil der islamischen Welt (den ich als Mehrheit annehmen darf) angesichts der Barberei einiger weniger verhält. Können sie es sich leisten, dass ein paar Verirrte das Bild des Islam prägen? Das Bild eines Haufens von Fanatikern mit der Mentalität von vor 500 Jahren, aber den Mitteln von heute? Erschreckend!
Es zeugt von Unsicherheit und Minderwertigkeitsgefühlen anstelle von Souveränität, welche bei einem solch lächerlichen Anlass wie dem vorliegenden geboten wäre.

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03. Februar 2006 13:18
Die Karikaturen sind entwürdigend, insbesondere für Palästinenser  
Angela Mirna (Angela.Mirna)

Nicht nur für die Muslime unter den Palästinensern, sondern für alle Palästinenser. Es ist wirklich eine sehr große Beleidigung, himmelschreiend. Ich würde gerne den Grund sagen, ich darf aber nicht.

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03. Februar 2006 13:06
Der Klügere gibt nach und ...  
Thomas Nickel (ThinSoldier)

... verstehen wir die bisher geleisteten Entschuldigungen als Klugheit, um weiteren rassistischen Übergriffen auf die westliche Kultur vorzubeugen? - Wohl nicht!

Denn, ist dieser Karikaturenstreit nicht ein "weiteres" Werkzeug, radikal-islamischer Führer gegen die zivilisierte, westliche Welt?

Betrachten wir diese Karikaturen als nicht vorhanden, würde ein "X"-belibiger, anderer Grund gefunden, um z.B. den Dschihad auszurufen.

Die Kreuzzüge sind lange Geschichte, aus der das Christentum glücklicherweise gelernt hat; wir klug geworden sind!

Lassen wir der islamischen Kultur (ich meine die Kultur, nicht den einzelnen Menschen) 700-800 Jahre Zeit, um ihre eigene Aufklärung zu erlangen!

Vielleicht kommt dann die Einsicht, dass die Meinungsfreiheit, die Gleichheit der Menschen ein wertvolles Gut ist, das zu schützen unabdingbar ist und nicht mit Mordaufrufen getreten werden darf.

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03. Februar 2006 12:52
Zwei Welten - leider nur eine Erde.  
Jörg Gondermann (joeyyy)

Wir leben in zwei Welten - leider haben wir aber nur diese eine Erde.

Und leider sind diese zwei Welten über Einwanderungen (Ja: Nur Einwanderungen!), Flugzeuge, Medien und Geldströme zu eng miteinander verknüpft, als dass man sagen könnte: Wir lassen uns gegenseitig in Ruhe.

Die Toleranz der aufgeklärten Welt mit Argumenten, Satire und Kompromissen scheint gegenüber der Intoleranz der religiös-fundamentalistischen Welt mit Dogmen, Zensur und Gewalt hilflos ausgeliefert.

Mir stellt sich die Frage, wie wir diesem Dilemma philosophisch begegnen können.

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03. Februar 2006 12:43
Zu Figen Erdem: Wo fängt denn in Ihrem Kopf eine "Beleidigung" an?  
Eckhardt Kiwitt (Eckhardt_Kiwitt)

Mich kann niemand beleidigen, weil ich jedem das Recht zugestehe, eine eigene Meinung zu haben - auch über mich, und über das, was ich denke und glaube.
So einfach ist das.

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03. Februar 2006 11:48
Unerträglich  
Christian Höft (choeft)

Es ist unerträglich, wie viele Menschen angesichts von Protesten religiöser Fundamentalisten an unseren liberalen Wertvorstellungen zweifeln. Denn das Bedauern einer Gefühlsverletzung - die durchaus angebracht sein mag - hat nicht im Geringsten etwas mit der Tatsache zu tun, dass in Europa jeder das denken und schreiben darf, was er will. Noch einmal: Hier werden Menschen mit Waffen bedroht, weil sie sich kritisch gegenüber einer Religion verhalten haben. Aufpassen! Das ist bei allem Verständnis und Respekt gegenüber der Kultur von Mitmenschen absolut nicht tolerierbar. Europa muss deutlich machen: Die Staaten und die große Mehrheit ihrer Bürger respektieren den Islam und bedauern das Missverständnis von Satire. Aber ebenso deutlich muss gesagt werden: Einflussnahme auf Medien kann und darf es hier nicht geben, Religion und Staat sind getrennt.

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03. Februar 2006 11:13
Jetzt reicht's!  
Franz-Gerhard Zeus (fgzeus)

Hacker haben das größte deutsche Internetportal zu jüdischen Themen und Nahostpolitik, "HaGalil.com", gelöscht. Grund war offenbar die Gegenüberstellung der Mohammed-Karikaturen einer dänischen Zeitung mit antisemitischen Karikaturen ähnlicher Art. Dieses Internetportal veröffentlicht jüdische Themen und Themen zur Nahostpolitik und enthielt ein umfassendes Glossar zu Begriffen aus der jüdischen Welt. Die IP-Adresse, von der aus die Angriffe auf das Portal kamen, führt nach Katar. Das teilte der Betreiber der Seite, die auch mit öffentlichen Mitteln gefördert wird, mit.

Warum wird diese Tatsache in unseren Medien noch verschwiegen? Es handelt sich doch um einen massiven Angriff auf die Informationsfreiheit. Aber wichtiger ist die Frage: "Wann reagiert die Zivilisation endlich einmal auf die unbeschreibliche Hetze mitsamt Beleidigungen, die täglich in der arabischen Welt veröffentlicht werden?

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