
Sie unterschätzen diese sog. Minderheiten. Viele haben Ihre Heimat verlassen und in anderen Ländern eine neue Existenz aufgebaut. Das sollten Sie nicht unterschätzen.
Aber warum gelten Palästinenser hier als Muslime? Wer sagt das? Ich behaupte das nicht... und auch die Medien berichten an den Feiertagen von den Messen in Jerusalem und Beth Lehem. Irgendwie seltsam, oder nicht? Die Ursache des "Verschwindens" ist aber keine zunehmende Auswanderung von Minderheiten...
"Attacken im Namen der Meinungsfreiheit"...nett, aber das haben Sarkasmus und vorallem Zynismus ansich... hier geht es nicht um "Schmusediplomatie". Zynismus soll nun mal provozieren. Alles natürlich in einem angemessenem Maße, aber es rechtfertigt noch lange nicht FREMDES Eigentum zu beschädigen!!!! Egal wie wütend derjenige oder diejenige seinmag. Und kommen Sie mir nicht mit Leiden! Wenn Sie mich beleidigen würden, würde ich auch nicht einfach Ihr Auto anzünden! Des Weiteren sollten Sie sich mal anschauen, wer der eigentliche Adressat dieser Aktion war.
Und mal davon abgesehen was Sie "glauben": Ich bin ganz froh, dass der Libanon nicht Palästina ist!
"Mit freundlichen Grüßen!" . . .

Mathematik und Ethik sind sicher zwei unterschiedliche "Wissens"gebiete. Hier ging es aber vorrangig um die Meinungs- und Glaubensfreiheit, und darum, daß nun mal jeder Mensch die Wirklichkeit - oder das, was er dafür hält - ganz individuell wahrnimmt. Und auch darum, daß jeder aufgefordert ist, dies zumindest zur Kenntnis zu nehmen - und, wenn möglich, zu reflektieren.
Daß mir Ethik nicht fremd ist habe ich in anderen Beiträgen hinreichend dargestellt (die wg. der vorbildlichen Gestaltung des Leserforums der FAZ für jeden auf einfachste Weise auswählbar und einsehbar sind).
Z.B. wenn ich ein paar Koranverse zitiert und kritisiert habe, in denen Muslime dazu aufgefordert werden, Götzendiener (gemeint sind wohl die "Ungläubigen", also WIR) zu töten (z.B. 9.5), Juden und Christen nicht zu Freunden zu nehmen (z.B. 5.51), oder sich für "die Sache Allahs" zu opfern, also ggf. auch Selbstmord-Attentate auszuführen (z.B. 4.74/75 / 9.111) - also alles ganz und gar UN-ethische Forderungen, die ich am Islam kritisiere und für inakzeptabel halte.
Mit besten Grüßen aus Freising
(lassen Sie uns ein Lied auf die Freiheit singen - Freiheit des Denkens, Freiheit des Glaubens, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit)
Eckhardt Kiwitt

Ihre Forderung nach gegenseitiger Toleranz ist für mich sehr nachvollziehbar, und ich habe schon am eigenen Leibe erfahren, wie schwer dies in der Praxis einzufordern ist.
Dennoch denke ich, daß es nicht reicht, den Fehler beim anderen zu sehen. Die Forderung, den Standpunkt des anderen wirklich nachzuvollziehen, die Voraussetzungen seines Handelns zu verstehen, kann nur bei einem selbst beginnen. Wie gesagt: ich denke, daß ich die Stereotypen, Intoleranzen und Schwächen in der islamischen Welt ziemlich gut kenne. Aber, und das zu bedenken scheint mir bei dieser ganzen Diskussion wesentlich: große Teile der islamischen Welt werden in der einen oder anderen Form von Teilen der westlichen Welt ausgenutzt oder unterdrückt: Tschtschenien und andere Gebiete der Region, Palästina, Saudi-Arabien (das Volk), Pakistan, auch der Iraq und Afghanistan, um nur einige zu nennen. Empfindlichkeiten resultieren auch daher. Und was uns geringfügig erscheint -Karrikatur- wird von anderen so aufgefasst, als würde hier jemand ein Hakenkreuz auf ein jüdisches Grab legen. Mal ehrlich: so kann Meinungsfreiheit doch nicht funktionieren! Hier liegt der Fehler bei uns, wenn wir unsere Vorstellungen naiv verallgemeinern.
Außerdem: ich sehe manche Ähnlichkeiten zwischen der Situation heute und den Jahren vor dem ersten Weltkrieg. Auch damals waren es aufgestaute Animositäten und die Unmöglichkeit, den Standpunkt des anderen zu begreifen, die, ausgelöst durch eine Trivialität, zur Katastrophe führten.

Diese Minderheiten, die Anfang des 20. Jahrhunderts fast ein viertel der Bevölkerung Palästinas war, gibt es kaum mehr, ist verurteilt, für ewig zu verschwinden. Die Ursache ist der Nahostkonflikt, und glauben Sie mir, nicht der Islam. Im Gegenteil, obwohl sie verschwindet, wird sie im Nahen Osten noch empfunden, als wäre sie da, vieleicht genau wegen islamischer Vorstellungen, für den Westen aber existiert sie einfach nicht. Palästinenser gelten hier als Muslime. Die Ursache ihres Verschwindens ist genau das, was die Muslime auch da leiden. Nun, diese ganze Atacke im Namen der Meinungsfreiheit versteckt diese Ursache, stellt die Menschen da als irrational, leugnet ihr Leiden. Da liegt die Beleidigung, und sie ist nicht davon abhängig, das die Beleidiger denken, es seien nur Muslime da. Herr El-Jana, glauben Sie mir, Palästina ist nicht Libanon. Salamaat.

Wieso soll es für "alle" Palästinenser entwürdigend sein? Ich denke nicht, dass die orthodoxen, protestantischen und katholischen Minderheiten in Palästina persönlich betroffen sind. Vielleicht sollten sie das mal näher Erläutern... Einen Kontext sehe ich nicht.

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Ihre vergleichenden Beispiele islamischen Engagements sind in diesem Zusammenhang unpassend: Bei den weltweiten Gewaltausbrüchen islamistischer Hitzköpfe, um die es hier geht, handelt es sich um den Weltgeltungsanspruch bestimmter moslemischer Kreise. Ganz offensichtlich versuchen hier einige Hysteriker vorzuschreiben, was in Europäischen Zeitungen gedruckt werden darf und was nicht. Mit Gewalt und wirren Drohungen wollen sie diesem Anspruch Nachdruck verleihen. Eine „Lösung“ kann es hier also gar nicht geben, da wir in der westlichen Welt keine Religionspolizei nach Iranischem Muster zulassen werden. Wenn es aber die religiösen Gefühle mancher Moslems verletzt, wenn Mohammed mit Bomben-Turban dargestellt wird, sollten diese Leute sich einmal fragen, warum man vor dem Hintergrund islamistischen Terrors wohl auf die Idee einer solchen Karikatur kommt! Wenn im Namen Allahs Flugzeuge in Bürotürme gelenkt werden, scheinen die religiösen Gefühle dieser sensiblen Moslems anscheinend weniger verletzt. Eine Protestwelle dieses Ausmaßes ist mir nach dem 11. September nicht in Erinnerung.

Wenn ich hier alle so schön argumentieren sehe, dass der Islam ja ohnehin fundamentalistisch geprägt ist und sich in einer radikalen Phase befindet, die das Christentum so lange schon hinter sich gelassen hat , dann frage ich mich, wo die Rationalität und Logik dieser eben so Argumentierenden bleibt.
Falls dies stimmen sollte, ist mir nicht klar, warum man dann erwartet, dass alle diese "Fundamentalisten" Verständnis für die westlichen Vorstellungen von Meinungsfreiheit aufbringen?
Daneben gilt es zu verstehen, dass wir in einem Kulturkrieg stecken, der auf den unterschiedlichsten Schauplätzen ausgetragen wird und ausschlaggebende Kräfte des Westens eben NICHT dazu beitragen, diesen Konflikt zu beheben (und dies im übrigen auch nicht erst seit gestern).
"Eine "aufgeklärte Welt" wird heute leider oft mit dem Verzicht auf Respekt gegenüber anderen verwechselt. Worte wie "Toleranz" ersetzen diesen nämlich nicht und "Toleranz" geht bei weitem in der Bedeutung nicht so tief und verlangt auch nicht, dass man sich mit etwas auseinandersetzt - nicht mal mit der eignen (christlichen) Kultur. Im Zweifelsfall kann "Toleranz" einfach auch nur "Ignoranz" bedeuten. So wird also z.B. im Namen der Toleranz ignoriert, dass man von anderen nicht einfach so erwarten kann, dass sie gleiche Auffassung von "Meinungsfreiheit" haben. Es ist ja fast schon ein wenig amüsant.

Im Frühjahr 2001 vernichtete Muslime die beiden größten Buddha-Statuen der Welt. (Buddha-Statuen in Bamian-Tal in Afghanistan sind von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden)
-Es kam zu wütenden Protesten, muslimische Gruppen riefen zum Boykott afghanischer Produkte auf.
-Rafsandschani warf dem Westen eine „organisierte Strategie gegen buddhisten” vor.
-In der indonesischen Hauptstadt Jakarta versuchten hunderte radikaler Muslime die afghanische Botschaft zu stürmen.
-Für den Vatikan betonte der italienische Kardinal Achille Silvestrini, man könne über christlichen Priester, die Gebräuche der Moslems Satire betreiben und Buddha Statuen in die Luft sprengen, nicht aber über Gott, den Koran oder Mohammed scherzen.
-Senator Khurshid Mehmood vom islamistischen Parteienbündnis MMA sagte, Muslime würden es nicht hinnehmen, wenn versucht werde, andere Religion zu verleumden.
- In Bagdad haben Demonstranten die afghanische Nationalflagge verbrannt - aus Protest gegen die vernichtung der Buddha-Statuen in Bamian-Tal in Afghanistan.

Ich finde, wir sollten anfangen, Engländer zu überfallen und zu entführen, da die "Sun" uns Deutsche ständig als sauerkrautfressende Nazis darstellt.
Es ist bedenklich, wie still sich der aufgeklärte und tolerante Teil der islamischen Welt (den ich als Mehrheit annehmen darf) angesichts der Barberei einiger weniger verhält. Können sie es sich leisten, dass ein paar Verirrte das Bild des Islam prägen? Das Bild eines Haufens von Fanatikern mit der Mentalität von vor 500 Jahren, aber den Mitteln von heute? Erschreckend!
Es zeugt von Unsicherheit und Minderwertigkeitsgefühlen anstelle von Souveränität, welche bei einem solch lächerlichen Anlass wie dem vorliegenden geboten wäre.

Nicht nur für die Muslime unter den Palästinensern, sondern für alle Palästinenser. Es ist wirklich eine sehr große Beleidigung, himmelschreiend. Ich würde gerne den Grund sagen, ich darf aber nicht.

... verstehen wir die bisher geleisteten Entschuldigungen als Klugheit, um weiteren rassistischen Übergriffen auf die westliche Kultur vorzubeugen? - Wohl nicht!
Denn, ist dieser Karikaturenstreit nicht ein "weiteres" Werkzeug, radikal-islamischer Führer gegen die zivilisierte, westliche Welt?
Betrachten wir diese Karikaturen als nicht vorhanden, würde ein "X"-belibiger, anderer Grund gefunden, um z.B. den Dschihad auszurufen.
Die Kreuzzüge sind lange Geschichte, aus der das Christentum glücklicherweise gelernt hat; wir klug geworden sind!
Lassen wir der islamischen Kultur (ich meine die Kultur, nicht den einzelnen Menschen) 700-800 Jahre Zeit, um ihre eigene Aufklärung zu erlangen!
Vielleicht kommt dann die Einsicht, dass die Meinungsfreiheit, die Gleichheit der Menschen ein wertvolles Gut ist, das zu schützen unabdingbar ist und nicht mit Mordaufrufen getreten werden darf.

Wir leben in zwei Welten - leider haben wir aber nur diese eine Erde.
Und leider sind diese zwei Welten über Einwanderungen (Ja: Nur Einwanderungen!), Flugzeuge, Medien und Geldströme zu eng miteinander verknüpft, als dass man sagen könnte: Wir lassen uns gegenseitig in Ruhe.
Die Toleranz der aufgeklärten Welt mit Argumenten, Satire und Kompromissen scheint gegenüber der Intoleranz der religiös-fundamentalistischen Welt mit Dogmen, Zensur und Gewalt hilflos ausgeliefert.
Mir stellt sich die Frage, wie wir diesem Dilemma philosophisch begegnen können.

Mich kann niemand beleidigen, weil ich jedem das Recht zugestehe, eine eigene Meinung zu haben - auch über mich, und über das, was ich denke und glaube.
So einfach ist das.

Es ist unerträglich, wie viele Menschen angesichts von Protesten religiöser Fundamentalisten an unseren liberalen Wertvorstellungen zweifeln. Denn das Bedauern einer Gefühlsverletzung - die durchaus angebracht sein mag - hat nicht im Geringsten etwas mit der Tatsache zu tun, dass in Europa jeder das denken und schreiben darf, was er will. Noch einmal: Hier werden Menschen mit Waffen bedroht, weil sie sich kritisch gegenüber einer Religion verhalten haben. Aufpassen! Das ist bei allem Verständnis und Respekt gegenüber der Kultur von Mitmenschen absolut nicht tolerierbar. Europa muss deutlich machen: Die Staaten und die große Mehrheit ihrer Bürger respektieren den Islam und bedauern das Missverständnis von Satire. Aber ebenso deutlich muss gesagt werden: Einflussnahme auf Medien kann und darf es hier nicht geben, Religion und Staat sind getrennt.

Hacker haben das größte deutsche Internetportal zu jüdischen Themen und Nahostpolitik, "HaGalil.com", gelöscht. Grund war offenbar die Gegenüberstellung der Mohammed-Karikaturen einer dänischen Zeitung mit antisemitischen Karikaturen ähnlicher Art. Dieses Internetportal veröffentlicht jüdische Themen und Themen zur Nahostpolitik und enthielt ein umfassendes Glossar zu Begriffen aus der jüdischen Welt. Die IP-Adresse, von der aus die Angriffe auf das Portal kamen, führt nach Katar. Das teilte der Betreiber der Seite, die auch mit öffentlichen Mitteln gefördert wird, mit.
Warum wird diese Tatsache in unseren Medien noch verschwiegen? Es handelt sich doch um einen massiven Angriff auf die Informationsfreiheit. Aber wichtiger ist die Frage: "Wann reagiert die Zivilisation endlich einmal auf die unbeschreibliche Hetze mitsamt Beleidigungen, die täglich in der arabischen Welt veröffentlicht werden?

Zitat: "Die "Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen ist laut Paragraph 166 des deutschen Strafgesetzbuches verboten."
Da hatten wir doch vor ein paar Jahren mal einen Kinofilm, "Letzte Versuchung Christi" oder so ähnlich, sowie später noch drastischere Erscheinungen der Art ...
Wo waren da eigentlich jene Leute, die hier jetzt so vehement für den Respekt gegenüber den Religionen eintreten? In Fällen wie hier genannt pflegt dieses Publikum nach meinem Eindruck stets der "Meinungsfreiheit" zuzuneigen.
Es ist wohl nicht leicht zu verstehen, nach welchen Maßstäben in dieser Gesellschaft gemessen wird.

Bezeichnend ist, dass es in der islamischen Welt nach dem 11. September kein solchen Aufschrei der Entrüstung gegeben hat.

Die "Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen" ist laut Paragraph 166 des deutschen Strafgesetzbuches verboten. "Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (...) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft", heißt es dort. Jährlich werden in Deutschland dutzende Verfahren eröffnet, die eine angebliche oder tatsächliche Beschimpfung des Christentums betreffen. Die Partei des heutigen deutschen Innenministers (CDU) hatte noch vor wenigen Jahren versucht, die gesetzliche Hege christlicher Anschauungen zu verschärfen. Es solle bereits "die Achtung des religiösen und weltanschaulichen Toleranzgebotes" an sich geschützt werden, hieß es in dem Gesetzesentwurf. Konsequenzen für die Verletzung islamischer Glaubensinhalte hat dies nicht: Eine Entschuldigung der Bundesregierung komme wegen der Verunglimpfungen des Islam nicht in Frage, erklärt Innenminister Schäuble, der den Bruch des Paragraphen 166 in das Belieben der Täter stellt ("Pressefreiheit").

Jawollllll Herr Kiwitt,
denken Sie nur weiter so....sie sind absolut frei in Ihrer Meinung! Es ist ja egal, ob jemand denkt, dass 1+1= 5 ist, obwohl es falsch ist (siebrauchen es ja nicht zu beweisen). Und dass durch die "Meinungsfreiheit"
ein Glaube angegriffen wird (egal welcher Glaube) und öffentlich gemacht wird, dass es nun so eskaliert.
Ist ja alles nicht so schlimm, es sind ja mal wieder die "ISLAMISTEN", die keinen "Spass" verstehen. Unantastbare Werte gibt es nicht mehr, auch nicht mehr in Europa, den es herrscht "Meinungsfreiheit" und "Demokratie".
Weiter so...rede nur wer kann...egal ob falsch oder richtig.
Wo fängt denn in Ihrem Kopf eine "Beleidigung" an?
F. Erdem

Einige Formulierungen in Ihrem Beitrag werfen für mich ein paar entscheidende Fragen auf:
Dass man die "Behandlung religiöser Themen in großen Teilen der islamischen Welt anders" sieht, ist sicher allgemein bekannt, aber die Betonung liegt eben auf "anders" und dies bedeutet, sich gleichwertig, aber verschieden gegenüber stehen zu können. Ignorieren wir die andere Sichtweise etwa, wenn wir unsere Werte vertreten? Und wenn wir "westliche Kriterien" bei der Betrachtung anlegen, ist das etwa verwerflich? Welche Kriterien sollen wir denn sonst anlegen? Natürlich sollten beide Seiten eine gewisse Toleranz an den Tag legen, aber welche Seite zeigt sich denn im Moment intolerant? Wer droht mit Waffengewalt allen Bürgern einer Nation, in der eine Zeitung eine satirische KARIKATUR abgedruckt hat?
Eine Schuldfrage ist meiner Meinung hier gar nicht klärbar und sollte auch nicht gestellt werden, da sie nur zur Verhärtung der Fronten führen würde.
Es geht darum, dass BEIDE Seiten ihre unterschiedlichen Anschauungen friedlich leben und vertreten dürfen, was sich leider in der Praxis als schwierig herausstellt.
Aber wenn sich Europa durch Drohungen einschüchtern lässt, dann werden unsere Regierungen erpressbar und unser Grundgesetz aufgeweicht.

Ich bin traurig darüber, wie sehr diese Bilder und Drohungen seitens der radikalen islamischen Strömungen, die Toleranz und das Vertrauen des durchschnittlichen europäischen
Bürgers erschüttern dürften.
Ich wundere mich darüber, wie gedankenlos man bei der Veröffentlichung dieser Karikaturen vorgegangen ist .
Ich wundere mich aber auch, wie Karikaturen, die in einer EUROPÄISCHEN Zeitung veröffentlicht wurden, inzwischen dazu geeignet sind derartige Wellen zu schlagen, die über einen berechtigten, massiven und absolut verständlichen Protest weit hinausgehen.
Es fällt manchmal schwer, optimistisch zu bleiben.
Offenbar muss man gar nicht mehr völkerrechtswidrige Angriffskriege im Irak geführt haben, um auf die Liste derer zu geraten, für es nur noch eine richtige und eine falsche Art und Weise gibt am Leben zu sein zu geben scheint. . Es genügt nun völlig, Angehöriger eines europäischen Staates zu sein, in dessen Zeitungen etwas veröffentlicht wurde, das als beleidigend empfunden wird, um zu erfahren, was die islamitisch /radikale Vorstellung einer friedlichen Welt im Kern eigentlich ist: intolerant und mörderisch.
Wie man mit dieser modernen Form des Totalitarismus in Dialog treten kann oder ob man dies überhaupt sollte, bleibt eine offene Frage an der man wirklich verzweifeln kann.
Ich bin traurig. Denn es werden wieder auf beiden Seiten die Falschen sein, die für das Scheitern eines Dialoges bezahlen werden.

Das Niveau der Debatte ist in Teilen unterirdisch und kenntnisfrei. Herr Kiwitt schreibt:
"...es gibt eben KEINE "Grenzen für Meinungsfreiheit"..."
Weiß Herr Kiwitt eigentlich, wo er schreibt? Nur mal ein Zitat aus den Nutzerbestimmungen dieses Leserforums:
"...Links- und rechtsradiakle (sic!), pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebensowenig wie sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen...."
Eine ganze Menge Grenzen, nicht wahr?
Meinen darf jeder, was er will. Aber die öffentliche Äußerung dieser Meinung, zumal in der Presse, ist an Bedingungen geknüpft. Zu Recht. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, findet aber - wie jedes Grundrecht - ihre Grenze an den Grundrechten des Anderen. Volksverhetzung, Beschimpfung religiöser Bekenntnisse, Beleidigungen u.a. sind Straftatbestände. Die Abwägung hat am Einzelfall zu erfolgen. Also: Karis veröffentlichen, zur Diskussion stellen!

Frau Fischer,
Es ist problematisch, die Aufklärung als unumgängliches Ziel aller Menschen zu sehen, und alle anderen Weltsichten an dieser einen Skala zu messen.
Lassen Sie es mich so ausdrücken: in Europa sind es letztlich Werte der Aufklärung, die wir für unverzichtbar halten und bei denen die Freiheit der Meinungsäußerung ihr Ende dindet. Karrikaturen, die Gewalt verherrlichen, nationalsozialistische Propaganda verbreiten, würden auch bei uns geahndet. Hier würde die Argumentation anders verlaufen.
Dieser umfassende ethische Anspruch, der an die Wurzeln des Menschsein geht, kann auch in der Religion selbst gefasst sein.
Herr Kiwitt,
den entscheidenden Punkt habe ich schon genannt: auch im säkularen Europa gibt es Grenzen der Meinungsfreiheit. Ihre Analogie der Rechen-Exempel hat den entscheidenden Nachteil, daß ethische Fragen völlig ausgespart bleiben. Nur daher können Sie es sich leisten, von verschiedenen Wirklichkeiten in verschiedenen Köpfen zu sprechen.
Wir selbst können unsere eigene Tradition so fassen, wie wir das für richtig halten. Wenn wir uns aber in den Dialog mit einer anderen Religion begeben, sind wir intellektuell sozusagen im Haus des andern. Ein gewisser Respekt ist dann geboten.

Einige Formulierungen in Ihrem Beitrag werfen für mich ein paar entscheidende Fragen auf:
Dass man die "Behandlung religiöser Themen in großen Teilen der islamischen Welt anders" sieht, ist sicher allgemein bekannt, aber die Betonung liegt eben auf "anders" und dies bedeutet, sich gleichwertig, aber verschieden gegenüber stehen zu können. Ignorieren wir die andere Sichtweise etwa, wenn wir unsere Werte vertreten? Und wenn wir "westliche Kriterien" bei der Betrachtung anlegen, ist das etwa verwerflich? Welche Kriterien sollen wir denn sonst anlegen? Natürlich sollten beide Seiten eine gewisse Toleranz an den Tag legen, aber welche Seite zeigt sich denn im Moment intolerant? Wer droht mit Waffengewalt allen Bürgern einer Nation, in der eine Zeitung eine satirische KARIKATUR abgedruckt hat?
Eine Schuldfrage ist meiner Meinung hier gar nicht klärbar und sollte auch nicht gestellt werden, da sie nur zur Verhärtung der Fronten führen würde.
Es geht darum, dass BEIDE Seiten ihre unterschiedlichen Anschauungen friedlich leben und vertreten dürfen, was sich leider in der Praxis als schwierig herausstellt.
Aber wenn sich Europa durch Drohungen einschüchtern lässt, dann werden unsere Regierungen erpressbar und unser Grundgesetz aufgeweicht.

Zizat Christian Barzel: Blasphemie gehört sich nicht.
Blasphemie heißt "Gotteslästerung".
Zur Gotteslästerung aber gehört nun mal zwingend eine Göttin oder ein Gott, die oder der hätte gelästert werden können.
Für das "Sein" dieser Göttin oder dieses Gottes müßte es dann aber einen juristisch verwertbaren "Beweis" geben - also ein wenig mehr als nur den Glauben an die Göttin oder den Gott.
Den aber gibt es m.W. in keinem Fall.
Oder kennt jemand einen ?
"Glaube" ist kein "Beweis".
Ich z.B. "glaube" an Schneewittchen; aber was "beweist" das ? !
Peinlich für alle, die Blasphemie noch immer für ungehörig halten.
Eckhardt Kiwitt
Freising

Lieber Tarik Boshnak,
es gibt eben KEINE "Grenzen für Meinungsfreiheit", denn eine Meinung zu haben, das bedeutet IMMER auch, etwas BESTIMMTES oder auch etwas UNGEFÄHRES nur zu GLAUBEN - glauben darf aber jeder, was er will !
Ich z.B. GLAUBE, daß 1+1=4 ist - ohne daß ich es verbindlich "beweisen" könnte. Die meisten anderen Menschen glauben es allerdings nicht, weil sie mit der gleichen Berechtigung GLAUBEN, daß 1+1=2 ist, ohne es verbindlich beweisen zu können - na und !
Wenn aber jemand glaubt, daß 1+1=9 ist, dann soll er das halt "in Gottes Namen" glauben und diese Meinung - auch öffentlich - vertreten; ich werde es ihm nicht verbieten wollen oder können oder ihm deshalb gar mit Zensur, mit Bomben oder mit Mord drohen, denn er ist in seiner Meinung und in seinem Glauben und Denken genau so FREI wie ich und alle anderen !!
Verstehen Sie jetzt, was Meinungsfreiheit ist - und wo ihre Grenzen sind ?
Ich denke, es gibt solche Grenzen nicht, denn MEINE Wirklichkeit - also meine Meinung - findet in MEINEM Kopf statt, und IHRE Wirklichkeit - also Ihre Meinung - findet in IHREM Kopf statt.
Vielleicht ist es "wirklich" so einfach, und wir brauchen uns die Köpfe nicht gegenseitig einzuschlagen !
Eckhardt Kiwitt
Freising

Cooldown meine Herren!
Sie haben das Recht auf die Meinungsfreiheit, die anderen das Recht auf Protest und Warenboykott. Es ist ja alles in Ornung, nicht wahr?

Definitv muß Europa sich selbst überprüfen. Das "Anything goes" und andere Abnormalitäten der westlichen Zivilisation sind nicht nur aus muslimischer Sicht ein Zeichen zunehmender Dekadenz. Ein Blick über den Campus deutscher Unis und den dort vertretenen politischen Hochschulgruppen und autonomen Referaten läßt es auch mir kalt den Rücken herunter laufen. In diesem Land haben alle eine Lobby. Nur der weiße heterosexuelle Mann nicht.
Die Bedrohung durch den Islam läßt uns hoffentlich die westliche Dekadenz erkennen und noch bei Zeiten eine Regeneration zu. Wobei unsere Chancen mittlerweile sehr schlecht stehen.

Ich kann Ihre Ansicht die Bilder betreffend verstehen, wenn sie Sie mit westlichen Augen ansehen: da sind wir mehr gewohnt. Aber erstens sieht man die Behandlung religiöser Themen in großen Teilen der islamischen Welt anders, und wenn wir das ignorieren, legen wir einfach westliche Kriterien an andere Weltsichten an und vereinnahmen sie so.
Vor allem aber: es ist meines Wissens in der ganzen islamischen Welt absolut verboten, das Gesicht des Propheten abzubilden. Eine Übertretung dieses Gebotes läßt sich vielleicht mit der Besudelung unserer wichtigsten Gedenkstätten vergleichen. Jeder gläubige Muslim fühlt sich dadurch zutiefst verletzt und beleidigt, und wenn man das nicht respektiert, verletzt man deren Menschenwürde.
Dieses Verbot ist doch, soweit ich weiß, auch hier Allgemeinwissen.
Natürlich ist es furchtbar zu sehen, wenn wegen dieser Sache völlig unschuldige Menschen zu leiden haben. Ich oute ja gerade meine der allgemeinen Ansicht völlig widersprechende Meinung, doch wenn ich gerade in Pakistan wäre (wo ich lange Zeit verbracht habe), hätte ich jetzt auch Angst, mich in der Öffentlichkeit als Europäer zu erkennen zu geben. Aber wir sind viel zu schnell dabei, die alleinige Schuld anderern zuzumessen. In dieser Sache sollten wir dringend unsere eigenen Maßstäbe überprüfen.

Sagen wir es mal so: die Stimmung in vielen islamischen Staaten gegenüber der "westlichen, christlichen" Gesinnung wird aus aktuellen Anlässen ja nun nicht gerade besser.
Muss man da noch Öl ins Feuer schütten?
Ich habe zwar (leider) keine Patentlösung zur Hand, aber eines ist klar: SO vermeiden wir im Leben keinen Kulturstreit und -krieg. Im Gegenteil.

Erst konnte ich die muslimische Aufregung verstehen.
Blasphemie gehört sich nicht. Doch dann sah ich die Bilder aus der dänsichen Zeitung. Absolut harmlos. Wer sich darüber aufregt, der ist an Fanatismus nicht mehr zu überbieten.

Die Reaktion der Al-Aksa-Brigaden zeigt die perverse Seite der Religion. Ausländer zu suchen, ja um was eigentlich zu tun? Das ist Terrorismus, wie er im Buche steht. Und er geschieht unter dem Deckmantel der Religion.
Aber warum eigentlich Deckmantel? Was ist Religion eigentlich anderes als ein Aberglaube, der anderen Menschen aufgenötigt wird. Zu allen Zeiten und in allen Ländern haben Menschen Verbrechen im Namen der Religion begangen.
In Europa war die Überwindung der Religion eine Voraussetzung für ein friedliches Miteinander und die Entwicklung der Menschenrechte. Die Religion hat sich diesem Ziel der friedlichen Miteinanders unterzuordnen!
Auch heute in der arabischen Welt scheint die Religion einer humanen Wirklichkeit im Wege zu stehen. Wer an etwas glauben will, kann das ja gerne tun. Sie kann auch gerne kultische Handlungen vollziehen. Aber warum müssen sich andere daran halten? Schadet das Zeichnen von (m.E. völlig harmlosen) Karikaturen irgendjemandem? Nein! Das tut es nicht.
Natürlich muß man auch Rücksicht auf die Gefühle anderer nehmen. Aber darum geht es vorliegend offensichtlich nicht. Niemand ist gezwungen, eine bestimmte Zeitung zu lesen. Wem die Ansichten und Äußerungen einer Zeitung nicht passen, die soll sie ignorieren.
Die Entlassung des France-Soir Chefredakteurs ist ein totaler moralischer Bankrott des Verlages!

Die Meinungsfreiheit ist nicht grenzenlos und die Presse sehr wohl der Kontrolle der Gerichte unterworfen. Der Weg heißt rechtsstaatliches Verfahren, nicht Androhung von Gewalt gegenüber jedem der Europäer ist oder so aussieht durch Brigarden in Palestina. Die europäischen Staaten sind säkularisiert. Ich will mich nicht den Diktaten irgendeiner Religion unterwerfen, die der Ansicht ist im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein.
Diese fühlen sich durch Karikaturen beleidigt? Das rechtfertigt für sie jede Gewalt. Weil Schuld sind immer die anderen. Sie selbst nie. Es gibt massive Gründe, die ihren Ausdruck in den Karikaturen fanden. Al-Quaida, Selbstmordattentäter, Terror, Ehrenmorde und kaum Distanzierung der Moslems davon.

Was man unter "Toleranz" im Islam zu verstehen hat, wird dieser Tage sehr deutlich :
Recht auf freie Meinungsäußerung, auch in Form von Karrikaturen - nein danke !
Pressefreiheit, also das Recht der Medien, zu veröffentlichen was der Redaktion gefällt - keineswegs !
Kritik am Islam - bitte nicht !
Was also bedeutet dann das Wort Toleranz nach muslimischem Verständnis eigentlich ?
Eckhardt Kiwitt
Freising

Wäre doch aufschlußreich zu erfahren, wie viele der Demonstranten die Karrikaturen mit eigenen Augen gesehen haben. Schon seit den 60er Jahren, als das Satiremagazin Pardon einen gekreuzigten Hasen zeigte, frage ich mich, woher ein Mensch wissen kann, wie man Gott beleidigt. Die sich damals betroffen fühlten, begnügten sich mit juristischen Schritten, heute gehen bewaffnete Mobs auf Menschenjagd, ohne nach der Gesinnung ihrer potentiellen Opfer zu fragen. Die Herkunft eines Menschen genügt, ihn zu hassen, ihm gar Gewalt anzutun. Wenn eine Religion dieses Verhalten als gottgefällig rühmen sollte, muß Widerstand geleistet werden. Diese Ereignisse zeigen, wie weit entfernt manche muslimische Gesellschaften von Freiheit und Demokratie entfernt sind. Wie sagte doch Rosa Luxemburg: Freiheit ist immer nur die Freiheit des anders Denkenden.

Wie würden wir, Angehörige des säkularen Westens, empfinden, wenn wir auf Karrikaturen stoßen, die unsere Tabus empfindlich verletzen - und wir haben auch welche: offener Rassismus etwa, oder Gewaltverherrlichung, die Ausschwitz-Lüge, Verherrlichungen des dritten Reiches. Diese Tabus halten wir für richtig, und ich denke, mit Recht. Religiöse tabus sind uns fremd geworden, und kaum eines, das wir nicht schon gebrochen haben. Doch viele Menschen denken nicht so, und ich denke, auch mit Recht. Religion ist genauso ernst zu nehmen wie humanistische Werte, denn Menschen leiten ihre Identität davon ab. Und übrigens: humanistische Werte auch des hardgesottendsten Materialisten haben, wenn er sie denn hat, einen religiösen Ursprung, daran kann gar kein Zweifel bestehen.
Die Karrikaturen waren eine gezielte, billige und gemeine Verletzung der menschlichen Würde von Gläubigen, und wir empfinden das nicht also so schlimm, weil wir gewohnt sind, diese Menschen zu karrikieren, sie in die Ecke zu drängen. (Ich empfehle Edward Said zur Lektüre, politisch immer noch hoch-aktuell!) Der Begriff der Meinungsfreiheit wird hier nur ad absurdum geführt, denn der funktioniert nur auf der Basis eines gewissen Grundrespektes vor dem anderen. Jemanden auf der Straße zu beleidigen ist schließlich auch verboten.

>>es gibt Grenzen für Meinungsfreiheit, sie müssen klar >>gesetzt werden, das kann nicht sein, dass Medien frei >>ohne Konrolle andere Menschen in ihrem Glauben >>verletzten
Nun, wer soll diese Grenzen setzen? Sie? Der Islam?
Die Grenze ist da zu ziehen, wo die Volksverhetzung anfängt.
Verletzungen im Glauben haben der Vorteil, daß sie nicht bluten. Die Opfer der Al-Aqsa werden dies wohl tun.
Und egal was auch immer in einer Zeitung steht, es rechtfertigt niemals den Aufruf zu oder die Anwendung von Gewalt.
Ansonsten hätten in Deutschland nach so mancher Schmähung durch islamisch beeinflußte Medien deren Fahne brennen müssen. Hat sie aber nicht, da wir in Deutschland eine Meinung auch dann als frei ansehen, wenn sie uns weh tut, oftmals zu unserem Nachteil.
Aber das nennt man "Freiheit", ein Begriff, den man einer Frau in Saudi-Arabien oder dem Iran eher schwer erklären kann.

Ein Hotelier erzählte, daß er von zwei Unbekannten aufgefordert worden sei, dies und das zu tun. Und was erzählt der Frisör des Herausgebers? Kommt es nicht in die Zeitung? Traurig in der ganzen Geschichte ist, daß gerade in den skandinavischen Ländern die Palästinenser Sympathie genießen: unbändige Kräfte sorgen offensichtlich für eine Änderung.