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Sejdiu neuer Kosovo-Präsident

Schweres Erbe: Fatmir Sejdiu

Schweres Erbe: Fatmir Sejdiu

10. Februar 2006 Rund drei Wochen nach dem Tod von Kosovo-Präsident Ibrahim Rugova ist der gemäßigte Politiker Fatmir Sejdiu zu seinem Nachfolger gewählt worden. 80 der 120 Abgeordneten stimmten am Freitag im Parlament von Pristina für den engen Vertrauten Rugovas.

Der Generalsekretär und Fraktionsvorsitzende der von Rugova gegründeten Demokratischen Liga des Kosovo (DLK) war einziger Kandidat bei der Abstimmung. Der 54 Jahre alte Politiekr wird die Kosovo-Albaner in den kommenden Monaten voraussichtlich in die Verhandlungen über den künftigen Status des Kosovo führen.

Rugova, der „Gandhi des Balkan“

Sein am 21. Januar an Lungenkrebs verstorbener Vorgänger Rugova genoss große Popularität. Sejdiu erreichte in den ersten beiden Wahlgängen nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Erst in der dritten Runde reicht eine einfache Mehrheit zur Wahl. Auch Sejdius Vorgänger Rugova mußte bei den Präsidentenwahlen der Vergangenheit jeweils in die dritte Runde.

Das Amt des Kosovo-Präsidenten ist weitgehend symbolisch. Rugova hatte dem Posten aber mit seiner Persönlichkeit ein besonderes Gewicht gegeben. Sein beharrlicher gewaltfreier Widerstand gegen Serbien brachte ihm den Beinamen „Gandhi des Balkan“ ein. Er galt vielen als unerschütterlicher Kämpfer für die Unabhängigkeit des Kosovo, die 90 Prozent der Bevölkerung anstreben.

Sejdiu - Verfechter der Unabhängigkeit

Serbien beharrt auf seiner Souveränität in dem Gebiet, weil es den Kosovo als die Wiege der serbischen Kultur ansieht. Im Laufe des Jahres soll in Verhandlungen ein Kompromiß für den künftigen Status des Kosovo gefunden werden. UN-Vermittler ist der ehemalige finnische Präsident Martti Ahtisaari.

Rugova war bisher Chefunterhändler des Kosovo. Ob auch sein Nachfolger diesen Posten übernehmen wird, ist bisher unklar. Die Verhandlungen hatten im November begonnen, das nächste Treffen ist für den 20. Februar angesetzt. Auch Sejdiu zeigte sich stets als scharfer Verfechter der Unabhängigkeit des Kosovo.

UN stimmte Sejdius Kandidatur zu

Der verheiratete Vater dreier Kinder gilt als gemäßigt. Dies dürfte die Verhandlungen mit Belgrad erleichtern, das sich kategorisch weigert, mit Guerilla-Chefs zu sprechen. So verzichtete etwa Hashim Thaci auf eine Präsidentschaftskandidatur. Thaci ist Chef der stärksten Oppositionspartei DPK und ehemaliger Unabhängigkeitskämpfer. Auch der UN-Verwalter im Kosovo, Sören Jessen Petersen, hatte der Kandidatur Sejdius zugestimmt.

Die Nato und die EU gratulierten dem neuen Präsidenten. „Ich begrüße die Wahl“, erklärte Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer am Freitag. „Er hat den Ruf, gemäßigt zu sein und Kompromisse zu suchen. Diese Qualitäten werden wichtig sein, wenn er den Kosovo in den kommenden wichtigen Monaten führt.“ EU-Chefdiplomat Javier Solana bezeichnete die Wahl Sejdius als „Demonstration der Reife und ein wichtiges Zeichen der Einigkeit in dieser Zeit der Herausforderung für Kosovo“. Er hoffe auf eine baldige Fortsetzung der Gespräche über den künftigen Status des Kosovo. „Einigkeit und Verantwortungsgefühl bleiben für Kosovo der beste Weg in die Zukunft.“

Generalsekretär und Fraktionsvorsitzender

Der Kosovo ist formal eine serbische Provinz, steht aber seit 1999 unter UN-Verwaltung. Damals hatte die Nato der Herrschaft des ehemaligen serbischen Präsidenten über die Region im Kosovo-Krieg ein Ende gesetzt. Sejdiu war seit der Gründung der DLK 1989 deren Generalsekretär.

Zuletzt war der aus dem Norden des Kosovo stammende Politiker auch DLK-Fraktionsvorsitzende im Kosovo-Parlament. Sejdiu ist studierter Rechtshistoriker und lehrte an der Universität Pristina. Er studierte unter anderem in den Vereinigten Staaten und Frankreich.

Text: AFP
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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