Hochsprung

Jedes Kind soll Ariane Friedrich kennen

Von Michael Reinsch, Berlin

Was für eine Freude: Ariane Friedrich nach ihrem Rekord

Was für eine Freude: Ariane Friedrich nach ihrem Rekord

15. Juni 2009 „Es war: Wow!“, sagte Ariane Friedrich. Unter dem Jubel von 64.000 Zuschauern hat sie am Sonntag beim Leichtathletikmeeting Istaf in Berlin im ersten Versuch 2,06 Meter übersprungen. Anschließend streifte sie buchstäblich den Weltrekord. Bei drei Versuchen über 2,09, der seit 1987 unübertroffenen Bestleistung der Bulgarin Stefka Kostadinova, riss sie zwei Mal nur äußerst knapp. Mit dem Sprung über 2,06 Meter übertraf die 25 Jahre alte Frankfurterin den 18 Jahre alten deutschen Rekord von Heike Henkel. Die Leverkusenerin hatte 2,05 Meter übersprungen, als sie 1981 in Tokio Weltmeisterin wurde.

„Heike Henkel war ein Idol“, sagte Ariane Friedrich. „Jedes Kind kennt Heike Henkel. Aber nicht jedes Kind kennt Ariane Friedrich.“ Das soll sich spätestens in zwei Monaten ändern. Dann geht es, wieder im Olympiastadion von Berlin, um die Goldmedaille. „Ich wollte ein bisschen ein Statement für Berlin setzten und für die deutsche Leichtathletik“, sagte die Hochspringerin.

„Ich springe nicht wegen des Geldes“

Mit strohblondem Hahnenkamm, Sonnenbrille und knallig pinkfarbenem Top reklamierte sie schon vor dem ersten Sprung die Aufmerksamkeit des Publikums für sich. Als die Kroatin Blanka Vlasic 2,03 Meter im ersten Versuch genommen hatte, ließ die Frankfurterin diese Höhe aus und versuchte sich gleich an 2,06 Meter. „Wir haben heute extrem gepokert“, sagte Ariane Friedrich. „Das ist auch ein Signal an die Konkurrenz, dass sie mit mir zu rechnen haben. Ich habe heute einfach Spaß haben wollen.“ Blanka Vlasic wiederum versuchte sich postwendend an der Weltrekord-Höhe-- auch sie riss knapp bei zwei Versuchen.

Vlasic war vermutlich die erfolgreichste Hochspringerin des vergangenen Jahres, doch bei den Olympischen Spielen in Peking war sie der Belgierin Tia Hellebaut unterlegen. Beim Finale der Golden League im vergangenen Jahr in Brüssel musste sie sich, nach fünf Siegen in Folge, Ariane Friedrich geschlagen geben und verlor damit eine halbe Million Dollar aus dem Jackpot. Auch bei der Hallen-Europameisterschaft im März in Turin musste sie Ariane Friedrich den Triumph überlassen.

Das Publikum erwies sich als stets auf der Höhe

„Ich will den Jackpot nicht“, sagte Ariane Friedrich über den Fortgang der Saison. „Ich will die Goldmedaille in Belgrad.“ Statt beim dritten der sechs Golden League Sportfeste in Rom, bei denen sie siegen muss für ihren Anteil an einer Million Dollar Prämie, will sie bei der Universiade gewinnen. „Nicht dass ich auf eine Million Dollar verzichten könnte“, schob Ariane Friedrich amüsiert nach. „Aber ich springe nicht wegen des Geldes.“

Nicht nur für sie war der Erfolg eine gelungene WM-Generalprobe. Auch das Publikum machte einen guten Eindruck. Es war stets auf der Höhe und feuerte nicht nur die deutschen Starter an, von denen neben Ariane Friedrich auch Kugelstoßerin Nadine Kleinert und Mittelstreckenläufer Robin Schembera siegten. Insbesondere Blanka Vlasic konnte sich der kollektiven Unterstützung von den Rängen am Marathontor erfreuen. „Das ist Sport“, lobte Günter Eisinger, der Trainer von Ariane Friedrich. „So muss es sein“ (siehe: Istaf: Friedrich höher - Bekele schneller - Kleinert weiter).

Sie laufen, werfen, gehen, springen und haben dabei nur ein Ziel: Die Leichtathletik-WM vom 15. bis 23. August in Berlin. FAZ.NET begleitet die Topathleten auf ihrem Weg zu dem Sportereignis des Jahres: „Berlin, Berlin“ - Der Countdown zur Leichtathletik-WM 2009. Noch neun Wochen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp

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