Der Frieden der Frömmsten

Es spricht für die deutsche Reihenhaus AG, ausgerechnet Andreas Herzau loszuschicken, um für einen Bildband den Alltag zwischen Car Port und Gartenzaun zu dokumentieren. Sonst unterwegs zu den politischen, sozialen und kulturellen Brennpunkten, hat er nun die Normalität des Lebens aus überraschenden Perspektiven beleuchtet.

Kartoffelsalat in der Farbe Schönbrunns

Das Schönbrunner Gelb in Wien ist die Farbe der Habsburger. Darin steckt das Gold der Kronen und Zepter, der weithin glänzenden Kuppeln von Secession und Otto-Wagner-Kirche - den goldgelben Erdäpfelsalat nicht zu vergessen: Er räkelt sich in einer Marinade aus Rindssuppe, Essig und Öl, Pfeffer und ...

Die Linie 556 fährt nicht mehr

Es ist gewiss nicht das Schlechteste, wenn sich von einem Buch sagen lässt, dass es seine Leser in amüsierter Ratlosigkeit zurücklässt. Für Hans Michael Hensels "Bangkok von innen und Thailand für Anfänger. Ein Führer aus der Engelshauptstadt" trifft das unbedingt zu - schon im Titel freilich zeichnet sich ...

Die Opfer von Köln

Man kennt die Fotografien vom Frühjahr 1945 aus Köln. Weniger Stadt war in ihrer zweitausendjährigen Geschichte nie: Köln, eine von Bomben angerichtete Trümmerwüste. Die Stadt ist längst wiederaufgebaut. Was von zwölf Jahren brauner Herrschaft bis heute im Stadtbild erhalten blieb, reichte hingegen ...

Lasst euch umarmen, ihr alten Bäume

Bei Fotografien in Gartenkatalogen, auf denen kleine Kinder neben Blaubeerbüschen stehen, die sie überragen und deren Beeren so groß wie ihre Köpfe sind, ist Misstrauen angezeigt. In diesem Buch aber ist alles echt und groß. Das kleine Mädchen, das auf dem Titel versucht, eine Eiche zu umspannen, wird noch viele Male mit ausgestreckten Armen um sie herum gehen müssen.

Nimmersatt

Wer sich für Insekten interessiert, braucht Geduld. Denn nicht alles, was kreucht und fleucht, schwirrt einem so lästig um den Kopf wie eine Stubenfliege; im Gegenteil. Etliche Tiere verstecken sich in Bäumen. Die ließ Maria Sibylla Merian für ihre Erkundungen der Insektenwelt von Surinam dann kurzerhand fällen, damit ihr bestimmte Raupen entgegenfielen.

Sonne auf Kalifornisch

Alexander Jürgens hält sich nicht lange auf. Die Geschichte Kaliforniens passt auf vier schmale Seiten. Danach folgt das 107 Seiten starke Kapitel "Unterwegs". Jürgens hat schließlich einen Reiseführer für den ADAC geschrieben. Dessen Leser, nimmt man an, sind mobil, wollen etwas sehen von der Welt und nicht an einem Fleck verharren.

Morgengrauen in Kalkutta

Wenn das Licht unwirklich schön ist oder eine Komposition besonders ausgewogen, dann sagt man auch bei einer Fotografie oft: "Wie gemalt!" - und missversteht das als Kompliment. Denn von den Konventionen und Ansprüchen der vermeintlich höheren Kunst hat sich das technische Bildmedium bis heute nicht wirklich lösen können.

Liebe auf Italienisch

Natürlich gibt es tausend Gründe, sich ein Leben in Italien zu wünschen. Stefan Maiwald kennt sie alle - und noch einen mehr. Er heißt Minnie. Eine herzerfrischend resolute Dame mittleren Alters, leidenschaftliche Anhängerin des Fußballvereins AC Milan und Fixstern eines kaum überschaubaren familiären Universums.

Die im Dunkeln

Es gibt Frauen, die nachts allein auf der Straße den Kragen hochschlagen und den Kopf einziehen. Die junge Dame, die mit Véronique Vial in Paris unterwegs war, wählte den entgegen gesetzten Weg: Sie riss sich die Kleidung vom Leib und streckte ihren spindeldürren langen Körper über Parkbänke und Brückengeländer, umarmte Lampenpfosten oder lehnte am Zaun der Basilique.

Trauma statt Traum

Nicaragua hat seinen Frieden nicht gefunden. Vom Glück wollen wir gar nicht reden. Es hat so viel Gewalt gesehen, so viele Desillusionierungen erlebt, dass es nicht mehr an das Gute im Menschen zu glauben scheint. Der Mann, der einst den Tyrannen Somoza vertrieb, dem Sozialismus zum Sieg verhalf ...

Ach, wie schön

Eine flüchtige Skizze der Künstlerin, die sich mit einer Zigarette im Mund zu einem Angelausflug aufmacht, steht im Widerspruch zum lieblichen Charakter ihrer Londoner Aquarelle, die jetzt, angereichert durch Bildmaterial der viktorianischen und eduardianischen Zeit, in einem nostalgischen Band wiederaufgelegt werden.

Die Vergrößerung des Horizonts

Der Trendforscher liebstes Objekt ist derzeit wohl das Wandern: Fernsehschaffende wie Hochschullehrer mit wohlbestalltem "Deutschen Wanderinstitut" wetteifern um den Anspruch auf die Großtat, das Wandern für die Deutschen "neu erfunden zu haben". Bei so viel Rummel kann der elfte Band der Wanderreihe "Tippeltouren" die Maßstäbe doch wieder geraderücken: Gewandert wurde immer schon.

Das Glück kennt keine Wehmut

Schanghai ist Zivilisation im Zeitraffer, eine Fortschrittsphantasmagorie aus Stein und Stahl, die Erschaffung einer neuen Stadt aus sich selbst, errichtet von zwei, drei, vier Millionen Wanderarbeitern für fünfzehn, zwanzig, dreißig Millionen Menschen. Schanghai ist eine Megalopolis im permanenten Quantensprung, ...

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