Jüdische Lieder für die Schäfchen

24. April 2008 Sam Apple, ein Journalist aus New York, kommt nach Wien, um mit dem letzten österreichischen Wanderschäfer Hans Breuer und seinen 625 Schafen durch die Alpen zu ziehen. Doch geht es in diesem Buch nur vordergründig um heutiges Nomadenleben und Schafherdenalltag in Mitteleuropa. Es geht um die österreichische Aufarbeitung der Geschichte der Juden und um vergangenen und gegenwärtigen Antisemitismus. Der Schäfer Hans Breuer ist Jude. Seine Leidenschaft sind jüdische Lieder. Diese singt er sowohl seinen Schafen vor, als auch bei Konzerten. Sam Apple ist auch Jude. Seine Leidenschaft ist die Wahrheit über das Verhältnis zwischen Österreichern und Juden. So begibt er sich 2001, ein Jahr nach der Regierungsbildung von ÖVP und FPÖ, in die Höhle des Löwen. Einerseits erinnern ihn alle österreichischen Kleinstädte an "Puppenstuben, in denen die Puppen eine unverhältnismäßig große Menge an Schnitzeln verzehren", andererseits kostet es ihn einige Mühe, sein Bild von Österreich als "einen von Judenhass brodelnden Hexenkessel" zu überwinden. Dieses Buch ist ein "etwas anderes Reisebuch" - so der Untertitel. Es beschäftigt sich nicht mit dem Land, sondern mit den Menschen darin. Der Hypochonder Apple, dessen Humor immer wieder an Woody Allen erinnert, kommt nach etlichen gefahr- und gefühlvollen Wochen zu folgendem Schluss: Nicht alle Österreicher sind Antisemiten.

rozy

"Schlepping durch die Alpen" von Sam Apple. Atrium Verlag, Hamburg 2007. 320 Seiten. Gebunden, 19,90 Euro.



Buchtitel: Schlepping durch die Alpen
Buchautor: Apple, Sam

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2008, Nr. 96 / Seite R5

 
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