Am 8. August werden in Peking die Olympischen Spiele eröffnet. Was in den folgenden zwei Augustwochen aus China berichtet wird, wird unser Bild dieses Landes verändern. China verändert sich schon in den Vorbereitungen auf das größte Sportereignis des Jahres. Unser Olympisches Lexikon beschreibt Auffälligkeiten, Entwicklungen und Effekte vor Beginn der Spiele.
Schon vor dem Start der Spiele taucht drohend die Frage auf: Gibt es ein Leben nach Olympia? Das chinesische Volk muss sich in dieser Hinsicht keine übertriebenen Sorgen machen. Nach den Spielen werden die wesentlicheren Fragen ganz von alleine wieder auftauchen. Von Mark Siemons, Peking
Mehr als je zuvor, nämlich mehr als zwanzig Milliarden Dollar will Peking für die Olympischen Spiele ausgeben. Zuletzt machte die Aufwertung des chinesischen Yuan die Spiele noch teurer. Manche Experten sagen ein gewaltiges finanzielles Fiasko voraus. Andere behaupten das Gegenteil. Von Mark Siemons, Peking
Die Beziehung Chinas zu den Olympischen Spielen der Neuzeit kam langsam in Gang. Seit 1984 stieg jedoch die Medaillenausbeute kontinuierlich und damit auch die Versuchung, die Spiele als Spiegel des nationalen Selbstbewusstseins zu begreifen. Von Mark Siemons, Peking
Die internationalen Unternehmen, die die olympischen Spiele als Werbefläche benutzen wollen, stecken in einem Dilemma: Entweder sie zeigen ihre politische Sensibilität oder sie werden vom chinesischen Markt ausgesperrt. Eine Not, sie zu erfindungsreichen rhetorischen Ausweichmanövern inspiriert. Von Mark Siemons, Peking
Ein Handschlag sollte drei bis fünf Sekunden dauern, wobei sich Arm und Körper in einem Winkel von sechzig Grad befinden: Ein praktisches Handbuch lehrt die unzähligen freiwilligen Olympia-Helfer, wie sie das Lächeln Pekings erstrahlen lassen. Von Mark Siemons, Peking
Das U-Bahn-Streckennetz wurde in den letzten Jahren enorm erweitert. Es könnte wieder Schwung in den Pekinger Verkehr bringen, der von Jahr zu Jahr unbeweglicher wird. Und händeringend bittet die Stadtregierung die Bevölkerung, ihre teuer erworbene Mobilität wieder einzuschränken. Von Mark Siemons, Peking
Seit dem vergangenen Jahr scheut sich die chinesische Regierung nicht mehr, die Gefahr eines Anschlags bei den Spielen beim Namen zu nennen. Als größte Gefahr gibt sie die separatistischen Terroristen aus. Von Mark Siemons, Peking
Funktionalität und Geborgenheit: Die wichtigsten der 31 Wettkampfstätten (zwanzig davon komplett neu errichtet) wurden international ausgeschrieben und vor allem danach entschieden, wie renommiert die Architekten und wie kühn ihre Entwürfe waren. Von Mark Siemons, Peking
Eine Furcht treibt die Organisatoren der Spiele um: Es ist die Furcht vor dem Regen. Das Olympiastadion hat kein Dach, und die subtilen Effekte der Eröffnungszeremonie könnten im Regen untergehen. Dummerweise beträgt die durchschnittliche Regenwahrscheinlichkeit im August fünfzig Prozent. Von Mark Siemons, Peking
Das Organisationskomitee hat die Parole ausgegeben: Die Spiele sollen von hoher Qualität sein. Seitdem unternehmen die Arbeitsteams rastlose Anstrengungen, die für eine an kühle Professionalität gewohnte Nation selbstverständlich erscheinen - für China jedoch noch nicht. Von Mark Siemons, Peking
Das Erdbeben, das China im Mai erschütterte, hat das gipfelstürmerische Pathos, mit dem sich China feiern wollte, ins Wanken gebracht. Aber es hat es durch etwas anderes ergänzt: Jetzt erlebt sich das Land vor allem als Nation, die gemeinsam leidet. Von Mark Siemons, Peking
Es sollen grüne Spiele werden, und das lassen sich die Verantwortlichen etwas kosten: Viele Milliarden Euro investiert die chinesische Regierung in Bäume, öffentliche Verkehrsmittel und industrielle Sanierung. Der Himmel über Peking soll tatsächlich schon etwas blauer geworden sein. Von Mark Siemons, Peking
Olympia erscheint unbeschadet der Tatsache, dass China erst unlängst den westlichen Sport für sich entdeckt hat, als Erfüllung des großen Traums des chinesischen Volks. Die Nation sei auf Verkennung und Spott vorbereitet. Von Mark Siemons, Peking
Den bisherigen Mengenrekord an Olympia-Maskottchen von Sydney 2000 (drei) übertrifft Peking mit gleich fünf Fuwa (Glückskindern). Was ihnen an optischer Eingängigkeit fehlt, machen sie mühelos durch Bedeutungsgeladenheit wett. Von Mark Siemons, Peking