Das Olympische Lexikon: J

Katz-und-Maus-Spiel ungekannten Ausmaßes

Von Mark Siemons, Peking

01. April 2008 Jizhe: Hauptakteure im Kampf um die öffentliche Meinung der Welt, den Peking im August bestehen will, zugleich einer seiner bevorzugten Gegenstände. Ausländische Journalisten unterlagen ein gutes Jahr lang - vor den Unruhen in Tibet - keinen Reisebeschränkungen mehr, doch geblieben sind die Kontrolle und oft auch Behinderung ihrer Arbeit.

Auf der einen Seite will sich China immer professioneller in den Diskurs der Welt einklinken: „Das chinesische Volk“, sagte kürzlich ein Sprecher des Außenministeriums, „begrüßt aufrichtig die Reporter aus der ganzen Welt, die nach China kommen, um über die Spiele auf eine faire und objektive Weise zu berichten.“ Doch zugleich behandelt die Regierung die internationalen Medien wie potentielle Agenten jener „feindlichen Kräfte“, die sie in ihren Stellungnahmen häufig zitiert.

Als noch heikler denn die richtigen Journalisten gelten die falschen, über die in chinesischen Zeitungen immer wieder berichtet wird: Sie nehmen von Leuten, die keine Öffentlichkeit wünschen, Geld dafür, dass sie nicht schreiben. Wenn die zu den Spielen erwarteten 21.600 Journalisten nun in Datenbanken gespeichert werden sollen, dürfte es indessen auch um die Abwehr einer anderen Art von Nichtakkreditierten gehen: jene zahllosen Bürger-Reporter unter den Olympiabesuchern, die mit ihren Filmen und Fotos, die sie ins Internet stellen, alle Reglementierungen überlisten wollen. Zwischen staatlichem Überwachungseifer und außerstaatlichem Investigationsfuror bahnt sich ein Katz-und-Maus-Spiel ungekannten Ausmaßes an.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

 
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