Olympisches Lexikon: Y

Olympia als Geschäftsrisiko

Von Mark Siemons, Peking

23. Juli 2008 Yuan: chinesische Währung, deren Aufwertung die Regierung in Peking für den beträchtlichen Kostenanstieg der Spiele verantwortlich macht. Mehr als zwanzig Milliarden Dollar gibt China für Olympia aus, das sind vierhundert Millionen mehr als zuerst geplant und eine der höchsten Summen, die jemals in die Spiele investiert wurden. Neben der Aufwertung nennt Peking den gewachsenen Sicherheitsaufwand als Grund für die Mehrkosten. Selbst London veranschlagt für 2012 trotz weit höherer Personal- und Materialkosten nicht mehr als 15,8 Milliarden Dollar.

Skeptiker sagen Peking ähnlich wie Montreal 1976 und Athen 2004 gigantische Verluste voraus und werfen dem Regime vor, aus Prestigegründen weit über seine Verhältnisse zu leben. Dagegen wagt das Finanzanalyseunternehmen „Standard & Poor's Ratings Services“ in Singapur die Prognose, Peking 2008 könnte eines der finanziell erfolgreichsten Spiele überhaupt werden. Die Firma stützt ihre Voraussage auf die hohen Erlöse durch Sponsoring und Ticketverkauf, vor allem aber darauf, dass die größten Ausgaben auf Bauprojekte wie den neuen Flughafen und das erweiterte U-Bahn-Netz entfallen, die die rasch wachsende Metropole ohnehin hätte unternehmen müssen. Dass China die Olympiade vor allem als patriotisches Projekt präsentiert, heißt ja nicht notwendigerweise, dass es sie nicht gleichzeitig als großes Geschäft versteht.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.-Siemons