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Karrieresprung

Generalisten gesucht

Von Edmund Küpper



Karrieresprung - Serie bei FAZ.NET
10. Juni 2005 
Experten und Allrounder verbindet eine Haßliebe. Ein Generalist, so spottet der Spezialist, kapiere von immer mehr immer weniger. Der vermeintliche Überflieger, kontert der Generalist, verbohre sich in ein paar Themen und stehe zwar an der Spitze seines Faches, sehe aber nicht mehr den Boden unter sich.

Komisch: Eigentlich sollte es in einer von starker Konkurrenz geprägten Wissensgesellschaft von Vorteil sein, über ausgeprägte Spezialkenntnisse zu verfügen. Besser eine etwas abseitige Fachkompetenz als gar keine, mögen sich angehende Uni-Absolventen denken - und in dieser Auffassung von wohlmeinenden Tutoren noch bestärkt werden.

Überhang an Fachkräften würde jede Firma ruinieren

Edmund Küpper Vorstandsvorsitzender der sd&m

Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Auf dem Arbeitsmarkt tun sich hervorragend ausgebildete Generalisten meist leichter. Ein erfolgreiches Unternehmen besteht eben nicht aus einem All-Star Dream Team, in dem ausschließlich Koryphäen miteinander spielen. Und es sind nicht nur mögliche Allüren, Eitelkeiten und Egoismen, die im Zweifelsfall den Teamgeist verjagen.

So ist es etwa für ein IT-Unternehmen undenkbar, für jedes Spezialgebiet so viele Fachexperten zu beschäftigen, daß man alle Projekte optimal besetzen könnte. Der notwendige Überhang an unausgelasteten Fachkräften würde jede Firma ruinieren. Experten, die sich in hochspezialisierten Detailfragen verbeißen, haben deshalb weniger Chancen. Freilich, auch Bewerber, die meinen, sich mit einem unfokussierten Achtelwissen durchmogeln zu können, stoßen auf Widerstand. Den besten Marktwert haben heute Mitarbeiter mit breitem, aber fundierten Know-how, die in unternehmerischen Kategorien denken und sich schnell in neue Aufgaben einarbeiten können.

Irgendwann schlägt auch die Stunde der Hochspezialisierten

Wer in einem größeren Softwarehaus Karriere machen möchte, kann deshalb von Haus aus Mathematiker oder Physiker sein, für den Informatik „nur“ solide Zusatzqualifikation ist. Wichtiger ist, daß er ein grundsätzliches Verständnis fürs Programmieren mitbringt und sich in einem ständig verändernden Arbeitsumfeld zurecht findet. Das spezifische IT-Fachwissen, das Berater für ihre Arbeit in Softwareprojekten benötigen, besitzt ohnehin eine nur begrenzte Lebensdauer. Ohne ständige Fortbildung veraltern die an der Universität erworbenen Fähigkeiten in den meisten technischen Fächern ziemlich schnell.

Obwohl in der Software-Entwicklung fest angestellte Generalisten und Multitalente den Großteil der Arbeit erledigen, brauchen diejenigen nicht zu verzweifeln, denen knifflige Spezialprobleme der Informatik eine Leidenschaft sind. Denn fast jedes größere Projekt kommt früher oder später an einen Punkt, an dem auch Allrounder an ihre Grenzen stoßen. Dann schlägt die Stunde hochspezialisierter Mitarbeiter, die ein oder zwei Gebiete bis ins Detail beherrschen.

Spezialisierung sollte auf einem breiten Fundament aufbauen

Doch auch für diese Experten gilt: In ihrer Spezialisierung können sie nur dann erfolgreich sein, wenn diese auf einem breiten Fundament an Erfahrungen und Fähigkeiten ruht.

So standen beispielsweise viele Nachwuchs-Informatiker auf der Straße als der Boom der New Economy kollabierte. Sie hatten ihr Studium abgebrochen, weil sie mit ihrer Fertigkeit, dem Design von Websites, viel Geld verdienen konnten. Als diese Einnahmequelle binnen kürzester Zeit versiegte, brach - anders als bei den Generalisten mit ihrer breiten Basis - ihre Existenzgrundlage komplett weg. Zwar gehört diese Ära der Vergangenheit an, an dem generellen Problem hat sich nichts geändert.

Edmund Küpper ist Vorstandsvorsitzender des Software- und Beratungsunternehmens sd&m AG - software design & management mit Hauptsitz in München



Text: @rwi
Bildmaterial: sd&m AG
 
 
   
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