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Unternehmen knüpfen Gehälter an Gesetzestreue




07. April 2008 
Angefacht von Skandalen wie der Siemens-Korruptionsaffäre und den hohen Spekulationsverlusten der französischen Bank Société Générale, gewinnt das Thema Compliance in europäischen Unternehmen an Bedeutung. Dieser englische Begriff steht für die Einhaltung von Gesetzen und Unternehmensrichtlinien sowie deren Überwachung. Etliche Unternehmen knüpfen inzwischen die Bezahlung ihrer Mitarbeiter an das Thema, wie eine Umfrage unter großen europäischen Unternehmen ergab. „Das ist ein einfaches und wirksames Mittel, um einen Anreiz für korrektes Verhalten zu schaffen“, sagt Markus Maier. Er leitet das Deutschland-Geschäft von Integrity Interactive, einem amerikanischen Beratungsunternehmen, das sich als führender Anbieter von Schulungen für Compliance und Firmenethik bezeichnet.

Integrity hat zum zweiten Mal Leiter von Rechtsabteilungen und führende Compliance-Beauftragte befragt. 103 Unternehmen in mehreren westeuropäischen Ländern beantworteten den Fragebogen. Was die Vergütung betrifft, hängen zwar erst in gut einem Fünftel der Unternehmen die Gehälter aller oder eines Teils der Mitarbeiter von Schulungen und Prüfungen auf dem Gebiet der Compliance ab. Doch 68 Prozent halten eine solche Verknüpfung für sinnvoll. Integrity schließt daraus, dass viele Unternehmen dies planen. So entschied beispielsweise Siemens, als Lehre aus der Korruptionsaffäre finanzielle Anreize dieser Art für Führungskräfte und Compliance-Offiziere zu schaffen.

„Vergütung spielt eine immer größere Rolle“

„Das Thema Vergütung spielt eine immer größere Rolle“, sagt Maier. Zunächst aber müsse ein schlagkräftiges Compliance-System mit Schulungen eingerichtet werden. „Es reicht nicht, einen Unternehmenskodex nur ins Intranet zu stellen.“ Die Umfrage ergab, dass zwar 85 Prozent der Unternehmen Verhaltensrichtlinien vollständig oder in fast komplettem Umfang erarbeitet haben. Aber nur 42 Prozent schulen ihre Mitarbeiter und achten darauf, dass der Kodex von ihnen tatsächlich eingehalten wird. In dieser Hinsicht stellte Integrity wenig Fortschritte im vergangenen Jahr fest.

Als neue Kunden habe Integrity im vergangenen Jahr in Deutschland Adidas und Eon gewonnen, berichtet Maier. Beide Unternehmen vermitteln ihren Mitarbeitern mit Schulungen die Compliance- und Ethikrichtlinien. Im vergangenen Jahr ist zudem der Deutsche Corporate-Governance-Kodex als Leitfaden für gute Unternehmensführung um den Aspekt Compliance erweitert worden. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn das schärft das Bewusstsein“, sagt Maier. Vorstände müssten sich nun intensiv mit dem Thema beschäftigen. Außerdem soll die Konzernleitung den Aufsichtsrat regelmäßig und umfassend auch über Fragen der Compliance informieren. Vielen Vorständen sei aber noch nicht klar, was genau zu tun sei und was an das Kontrollgremium berichtet werden müsse. „Es werden sich Best-Practice-Standards etablieren“, vermutet Maier. Das bedeutet, Unternehmen werden sich an denen orientieren, die auf diesem Gebiet als die Besten gelten.

Siemens als Vorbild denkbar

Maier traut Siemens zu, die angestrebte Rolle eines Vorbilds zu erreichen. „Es ist beeindruckend, was Siemens macht“, lobt er die Anstrengungen des Elektronikkonzerns. „Das hat auch andere Unternehmen wachgerüttelt.“ Der Compliance-Experte rechnet aber damit, dass es einige Jahre dauert, bis sich im Siemens-Konzern die Einstellung und das Unrechtsbewusstsein aller Mitarbeiter verändern. „Die Unternehmenskultur einheitlich auf der ganzen Welt zu verbreiten ist sehr schwierig.“

Große Beachtung wird demnächst in München das Strafverfahren in der Siemens-Korruptionsaffäre finden, das am 26. Mai beginnen soll. In der Umfrage von Integrity ist ein Drittel der Befragten der Ansicht, dass die Strafbehörden nicht entschieden genug gegen Bestechungsfälle vorgehen (siehe Grafik). In Großbritannien und den Benelux-Ländern vertrat sogar die Hälfte diese Meinung. Integrity fragte die Compliance-Experten der Unternehmen auch nach dem Strafmaß in einigen prominenten Fällen. Das Urteil für den früheren Siemens-Manager Andreas Kley bewerteten zwei Drittel als zu milde und nur 3 Prozent als zu streng. Kley war im Mai 2007 vom Landgericht Darmstadt wegen Schmiergeldzahlungen an den italienischen Energiekonzern Enel zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden.

Text: him., F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [1]
Kündigung für Falschparken 07.04.2008, 15:27
 
   
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