23. Juni 2008
Nur zehn Prozent der Deutschen finden es angemessen, einem erfolgreichen Top-Manager das Gehalt zu zahlen, das er im Schnitt auch tatsächlich verdient. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage des Heroldsberger Wirtschaftsforschungsinstituts Dr. Doeblin hervor.
Für die Untersuchung wurden 1000 repräsentativ ausgewählte Personen danach gefragt, das Wievielfache des Gehalts eines normalen Arbeitnehmers ein erfolgreicher Spitzenmanager ihrer Meinung nach verdienen sollte. Dabei waren nur zehn Prozent der Auffassung, dass ein Manager mehr als das 50-fache des Gehalts eines durchschnittlichen Arbeitnehmers bekommen sollte. In der Realität ist aber eine solch hohe Bezahlung die Regel.
Tatsächlich verdient ein normaler Dax-Vorstand (nicht der Vorsitzende) im Schnitt das 52-fache seiner Mitarbeiter, wie das Institut berichtet. Der typische Vorstandsvorsitzende komme sogar auf das 100- bis 200-fache Gehalt eines Arbeitnehmers, schreibt das Institut weiter.
Die meisten halten das Zehnfache oder weniger für gerecht
Die meisten Befragten (55 Prozent) hielten dagegen als Gehalt für einen Top-Manager nur das zehnfache des Durchschnittsverdienstes der Arbeitnehmer oder weniger für angemessen. Immerhin 16 Prozent wären bereit, dem Spitzenmanager ein Gehalt zu zahlen, das dem Einkommen von 11 bis 50 Arbeitnehmern entspricht.
In Deutschland haben sich die Unterschiede zwischen den Einkommen der Vorstandsvorsitzenden und der Durchschnitts-Arbeitnehmer in den letzten zehn Jahren deutlich erhöht. In den Vereinigten Staaten ist die Einkommensspreizung zwischen Managern und normalen Angestellten allerdings noch größer als in Deutschland. Dort entsprechen die Durchschnittseinkommen von Vorstandsvorsitzenden etwa dem 500-fachen des Einkommens eines Arbeitnehmers, berichtet das Institut.
Immer wieder wird in letzter Zeit Kritik an der Managervergütung in Deutschland laut. Auch Bundespräsident Horst Köhler hatte jüngst gemahnt: Wenn der Eindruck entstehe, die Manager stopften sich die Taschen voll, dann dürfe man sich auch nicht wundern, wenn das Bild der Sozialen Marktwirtschaft für viele zum Zerrbild werde. Beim Tag der Deutschen Industrie an diesem Montag hat der Bundespräsident seine Mahnung erneuert: Deutschlands Manager sollten sich auf ihre Vorbildfunktion besinnen, sagte er. Sie sollten vorleben, dass Markt und Moral zusammengehörten.
Auch Jürgen Doeblin, Initiator der jüngsten Befragung zur Akzeptanz der Managergehälter mahnte: Es gibt für Großunternehmen Aufklärungsbedarf gegenüber der Bevölkerung. Die hohen Gehälter für Top-Manager müssen dem Nutzen gegenüber gestellt werden, den erfolgreicher Vorstandsvorsitzender für ein Unternehmen und dessen Arbeitsplätze schafft. Doeblin sagte weiter: Wenn es der Wirtschaft nicht gelingt, Spitzengehälter plausibel zu begründen, wird dies nur Wasser auf die Mühlen derjenigen sein, denen die marktwirtschaftliche Richtung ohnehin nicht passt.