02. Dezember 2008 Nach "Und Jimmy ging zum Regenbogen" (F.A.Z. vom 24. September) ist auch dieser zweite in einer ganzen Reihe von Filmen nach Romanen von Johannes Mario Simmel missglückt. Der Drehbuchautor Günter Schütter transponierte mit "Gott schützt die Liebenden" einen melodramatischen Liebes- und Agentenreißer aus den fünfziger Jahren in die Gegenwart, und es funktioniert der Idee nach zunächst nicht schlecht, wenn eine große amour fou nun also an den Nachwehen des bundesrepublikanischen Terrorismus zu scheitern droht. Nur wurde über allen Bemühungen, moderne Entsprechungen zu Simmels Einfällen zu finden, völlig vergessen, einen schlüssigen und flüssigen Film zu gestalten. Stattdessen sprechen die Anstrengungen aus jeder Szene.
Der Kriegsreporter Paul Holland (Peter Simonischek) fungiert als Ich-Erzähler - und schon dies ist fatal. Am Anfang des Films schreibt er seine Erlebnisse aus den Vormonaten nieder und hämmert die bitteren Worte "Ich glaube nicht an Gott" in die - ein fast schon sympathischer Anachronismus - elektrische Schreibmaschine. Er liest uns seine Worte vor und erzählt ausufernd von seiner Liebesaffäre mit der heißblütigen Sibylle Loredo (Iris Berben), die er nicht mehr vorfindet, als er von einer Reise in den Tschad zurückkehrt. Ihre Wohnung ist blutverschmiert; die Polizei ermittelt bereits.
Paul Holland berichtet, was wir sehen, und hadert schwer mit dem, was ihm widerfährt. Die Geschichte entfaltet sich in Rückblicken, doch der Handlungsvortrieb erfolgt weniger über das Bild als über Dialoge und Erzählertexte. Über lange Strecken klingt es, als sei die Tonfassung für Sehbehinderte auf die Hauptspur gemischt worden. Aber so viel geredet wird, manches bleibt unerklärlich. Willkürlich lässt treten Figuren in das Geschehen ein, rätselhafte Ortswechsel werden vollzogen. Einige Szenen stehen so allein, als seien etliche Meter Film verlorengegangen.
Gesetzt den Fall, sämtliche Unwahrscheinlichkeiten seien im Drehbuch angelegt gewesen, hätte eine flottere Inszenierung die Mängel noch kaschieren können. Aber nichts dergleichen - die Dialogszenen sind überlang und zerdehnt, jene mit physischer Aktion hektisch und unübersichtlich. Und gelegentlich wurde sogar vergessen, dass der beinamputierte Paul Holland doch eigentlich humpeln sollte.
Wenn hier - dafür sprechen die in ihrer Aufgesetztheit nur noch albernen Sexszenen - versucht werden sollte, den Kolportagegestus der ersten Verfilmung durch Alfred Vohrer im Jahr 1973 sozusagen mit Kennermiene zu reproduzieren, dann ist diese Unternehmung hoffnungslos gescheitert. Denn man kann gegen Vohrer und seinen Autor Manfred Purzer einiges vorbringen, an handwerklicher Sorgfalt aber mangelte es ihren Filmen nicht. Der freundliche Zug, mit dem Salzburger Kommissar Kohut (Johannes Silberschneider) eine Figur nach Walter Kohut, einem Mitwirkenden des Vorgängerfilms, zu benennen, ist ein hübsches Detail am Rande, mehr aber auch nicht. Harald Keller
Gott schützt die Liebenden, 20.15 Uhr, im ZDF.
Text: F.A.Z.