Uwe Tellkamp bei der Verleihung des Nationalpreises 2009

Uwe Tellkamps Romandebüt

Als der Turm noch ein Türmchen war

Der Nationalpreisträger Uwe Tellkamp, der mit seinem Roman „Der Turm“ im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis gewann, hat die Welt jetzt vor seinem Erstling aus dem Jahr 2000 gewarnt, der gegen seinen Willen neu erscheint. Er weiß, warum. Eine Polemik von Volker Weidermann.

Lesermeinungen zum Beitrag

02. Juli 2009 14:26

Des Kaisers neue Kleider

Klaus Funke (Rachmaninov)

Einer schrieb hier, dass die ganze Sache um den "Wunder-Autor" Tellkamp wie das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern anmute - so ist es! Ein Medienhype hat sich wie im Selbstlauf (es war natürlich die Marketing-Maschine des Suhrkamp Verlages) entwickelt, und "alle" waren wie besoffen. Alle? Zwei nicht: Volker Weidermann und Denis Scheck. Gott sei Dank haben die´s gemerkt und mit einer wirklich erfrischenden Kritik nicht hinterm Berg gehalten. Tellkamp ist von sich selber und seinem Stil berauscht, fast gleicht er Napoleon, der sich für göttlich hielt, weil man ihn in einem fort lobte und huldigte. Er soll ja aus seinem Langgedicht "Nautilus" auch mit geschlossenen Augen rezitieren. Aber der Turm ist nun wirklich nichts, eine Anhäufung von Stilübungen, eine grassierende Adjektivitis, eine Beschreiborgie und kein durchgehender Plot, keine Figuren entwicklung, keine spannenden Dialoge - dafür aber der Roman zur Politik. Und das wird honoriert, Herr Biedenkopf, der sonst nicht durch Literaturliebe aufgefallen ist, hebt ihn in den Himmel, zeichnet ihn nicht nur mit dem Nationalpreis, sondern auch durch eine Einladung in seine Schweizer Privatvilla aus, noch vor Erscheinen des Buches übrigens. Ein Schelm, der Übles dabei denkt.

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26. Juni 2009 20:28

Als der Turm noch ein Türmchen war

Elisabeth-Christine Heun (Heunchen)

Endlich...so ein schöner Kommentar!
Ich hatte schon Zweifel an meinem Buchverstand bekommen, weil der "Turm" überall in der Öffentlichkeit so gelobt wurde. Andererseits hatten alle befragten Freunde nur wenige Seiten überstanden. Nicht nur das der Stil des Buches schwer erträglich ist, auch das Land, das Tellkamp beschreibt, ist eine andere DDR
Des Kaisers neue Kleider...

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26. Juni 2009 01:39

"buddenbroksches Format"

Josef Stein (GrafDaun)

Ich habe "Der Turm" nicht gelesen, aber ich habe die "Buddenbrooks" gelesen. Leider, oder Gott sei Dank, darf ich doch jetzt behaupten, daß das ein stinklangweiliges Buch ist. Überhaupt ist es mir bei Thomas Mann immer gleich gegangen. Alles ist vorhersehbar, aber als Leser muß man sich natürlich mit den ärgerlich naiv ihrem Verderben entgegentapsenden Figuren ad nauseam dahinquälen. Bei Tellkamp scheint man wenigstens laut lachen zu können, vorausgesetzt natürlich, alles von ihm ist so unabsichtlich skurril wie das im Beitrag zitierte.

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25. Juni 2009 23:48

Monokultur

Immo Sennewald (immediator)

Der Verlierer dieser Vermarkungsmaschinerie ist die Literatur. Tellkamp verdient Respekt und sachkundige Kritik seiner Leistung - das ist etwas anderes als die besoffenen Lobhudeleien, mit denen man ihn, dem Quoten- und Betsellerwahn folgend, als neuen Thomas Mann etikettiert hat. Wenn Journalisten wieder in der Pflege und qualifizierten Wahrnehmung auch kleiner Verlage ihre Verantwortung begreifen, müsste sich ein Talent wie Tellkamp nicht mehr verrenken.

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25. Juni 2009 19:33

Der literarische Himmel Mitteleuropas ist eine Wüste in der man verdurstet!

Wolfgang Goll (WolfgangGL)

Mir gelang es die 972 Seiten des Romans Der Turm zu lesen. Wenn Kritiker bloß 100 Seiten lesen und Autor und Roman auf den literarischen Heldenschild hieven, so nach dem Motto irgendeinen müssen wir ja als Star küren, dann ist das doch nur Gefälligkeit gegenüber einem Verlag aber keine ehrliche Kritik. Es ist auch unfair gegenüber der Leserschaft Lobhudelei zu betreiben, anstatt korrekte Einschätzung zu liefern. Ich habe den Roman nicht gelobt und mich nur gewundert warum der mit Preisen ausgezeichnet wurde.
Für mich hat es sich gelohnt das Buch zu lesen, weil es ein ganz individuelles Zeitdokument ist und einem Dinge näherbringt, die man nicht richtig verstehen kann, weil man selbst nie in der Situation gewesen ist. Jetzt aber entgegen dem Willen des Autors dessen Frühwerke wiederum zu veröffentlichen und die herunterzuputzen finde ich auch nicht gerade nett.

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25. Juni 2009 16:27

mir ging es auch so!

Alexander Meier-Greve (meiergreve)

mir ging es auch so, sogar noch früher: die Sprache hat den Stoff nach spätestens 50 Seiten erstickt.
Die Vorfrage ist natürlich immer: Muss ich zum Buch oder das Buch zu mir (Leser)? Wer sich eher zur letzteren Gruppe zählt, bleibt bei der Lektüre des Turms mit großer Wahrscheinlichkeit einsam.

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