Zwischen Polemik und Rückzugsgefecht: der Booker-Preisträger Aravind Adiga

Aravind Adiga

Was soll ein Denker in Deutschland?

Kein Roman erregt derzeit weltweit so viel Aufsehen wie Aravind Adigas indienkritisches Meisterwerk „Der weiße Tiger“. Deutschen Boden aber will der Booker-Preisträger nie wieder betreten. Seit 1930 sei die Kulturnation kein Land von Bedeutung mehr. Von Oliver Jungen

Lesermeinungen zum Beitrag

27. November 2008 23:11

Die Welt übernehmen...

Harry LeRoy (Cimon)

Im Fernsehen wurde schon mehrmals über zwei Labormäuse berichtet, welche ähnliche Pläne hegen sollen; mal sehen ob China und Indien dabei mehr Glück haben. Insbesondere die Prognose, dass beide Länder dies gemeinsam tun würden und nicht Indien in die Röhre blickt, während das weit fortgeschrittene China sich die besten Stücke erbeutet. Nun ja, Schriftsteller und Politik eben.

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26. November 2008 22:17

Eisenach und Erfurt?

Marc Bauer (Tempomacher)

Jetzt mal ganz ehrlich: Wenn sie mit einem jungen indischen Studenten befreundet wären und er sie fragen würde, ob er auf eigene Faust eine kleine Exkursion nach Eisenach und Erfurt unternehmen solle, würde sie ihm zuraten? Also ich finde das schon sehr mutig und kann mir lebhaft vorstellen, dass er dabei seinerzeit auch negative Erfahrungen gemacht hat.

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25. November 2008 16:22

Der abwesende Tiger

Sonali Dixit (sonali77)

Ich habe in Wien auf Adiga vor einigen Tagen umsonst gewartet und sein Buch im Original gelesen. Ich möchte meinen Standpunkt in zwei Teile teilen: 1. Als Inderin, die in Frankfurt und Wien lebt, verstehe ich seine Kritik zum Teil. Allerdings sehe ich es nicht als sehr konsequent an, Spanien nicht ebenfalls mit den selben Kriterien zu beurteilen. Und was ist denn mit Australien, einem Land mit bösartiger Fremdenfeindlichkeit? 2. Das Buch selbst ist einfach nicht gut gemacht. Erstens sind viel zu viele Recherchefehler drinnen und die fast Krimi-artigen Höhepunkte zeigen einen sehr durchschnittlichen Autor. Am Störendsten aber ist, dass hier jemand über eine soziale Klasse spricht, die er nicht aus der Nähe kennt. Ich möchte einmal, dass sich die indischen Autoren nicht im Westen mit billiger Sozialromantik anbiedern, sondern über jene Welt schreiben, die sich kennen. Indien ist bei weitem komplexer und vielschichtiger als der auf Aufsehen und Skandale zielende Adiga es beschreibt.

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25. November 2008 14:05

Kritikfähigkeit

Thomas Mirbach (lurkius)

Die Reaktionen auf Adigas Kritik scheinen mir zu polarisiert. Entweder beleidigte Empörung oder achselzuckende Zustimmung. Mir scheint im Ansatz die Meinung richtig, dass mit dem dritten Reich und dessen Vertreibung und Vernichtung der deutschen (vorwiegend jüdischen) Intelligenz ein unermesslicher Schaden angerichtet wurde, der erst nach Generationen geheilt sein wird. Ausgerechnet Karl Lagerfeld!!! bemerkte m. E. richtig, dass Deutschland für ihn ohne eine blühende jüdische Gesellschaft kulturell uninteressant ist. Andererseits kann sich dieses Land auf die Entwicklung einer freiheitlich / demokratischen Gesellschaft nach einer braunen (seit 1945) und roten (seit 1998) Diktatur etwas einbilden. Andere Nationen (z.b. Russland) tun sich hiermit offenbar deutlich schwerer.

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25. November 2008 11:17

Wenn Herr Adiga absagt, dann...

kristian kroflin (kroflin)

...bedarf es keiner Gründe, da diese nichts an seiner Absage ändern. Erklärungen brauchen nur Leute, die gerne (rhetorische) Fragen stellen, aber sich nie selbst welche beantworten (außer rhetorisch).

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24. November 2008 17:52

Schwachsinn

Klaus-Henning Bähr (henning_baehr)

Die Einlassungen dieses merkwürdigen Literaten zu kommentieren, ist müßig. Sie sprechen für sich selbst. Lassen wir es dabei!

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24. November 2008 17:30

ohh,das tut mir aber leid

James Bart (Coltman)

Ich wundere mich nicht über die negativen Kommentare über diesen ehrlichen und intelligenten Autor.Die Tatsache,dass er auf sie von oben herab schaut, und auch noch Inder ist, scheint einige Leute hart zu treffen.Es kommen sowieso immer weniger Leute nach Deutschland, sei es die Intelligenz im ( Hochschul-)Forschungsbereich oder Arbeiter.Ausserdem wäre sein Bild von Deutschland noch schlechter ausgefallen, wenn er bei seinem Aufenthalt in Deutschland zufällig im Osten auf einem Volksfest gewesen wäre, von Nazis verprügelt worden wäre ( wehe er hätte sich gewehrt, dann wäre er noch ein Beschuldigter ), und sich in eine Pizzeria hätte flüchten müssen.Hut ab, Herr Adiga.

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24. November 2008 13:19

Ein Denker sollte in Deutschland zu denken versuchen,vielleicht gelingt es ihm.

Daniel Kleiner (kleinermannwasnun)

Oder ein Buch schreiben,das koennen manche aus holem Bauch...

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24. November 2008 13:17

Wo sind die großen deutschen Persönlichkeiten? Hier!

R W (DocSnider)

Man sollte nicht gleich in Demutsgesten verfallen, bloß weil jemand etwas unbeiesen behauptet: Hier die deutschen Persönlichkeiten nach den 30er Jahren (lt. Wikipedia), der Platz reicht leider nicht für alle (nur für ca. die Hälfte). Deutschland ca. 40 : Indien 1 Fragen? Friedensnobelpreis * Albert Schweitzer* 1952 * Willy Brandt 1971 * Henry Kissinger* 1973 Nobelpreis für Literatur * Hermann Hesse* 1946 * Nelly Sachs* 1966 * Heinrich Böll 1972 * Günter Grass 1999 Nobelpreis für Chemie * Otto Hahn 1944 * Otto P. H. Diels 1950 * Kurt Alder 1950 * Hermann Staudinger 1953 * Karl Ziegler 1963 * Manfred Eigen 1967 * Gerhard Herzberg* 1971 * Ernst Otto Fischer 1973 * Georg Wittig 1979 * Johann Deisenhofer 1988 * Robert Huber 1988 * Hartmut Michel 1988 * Gerhard Ertl 2007 Nobelpreis für Physik * Max Born* 1954 * Walther Bothe 1954 * Rudolf Mößbauer 1961 * J. Hans D. Jensen 1963 * Maria Goeppert-Mayer* 1963 * Klaus von Klitzing 1985 * Gerd Binnig 198

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24. November 2008 12:25

Habe ich etwas verpaßt?

Martin Winkler (MartWink)

Ist das hier ein Wettbewerb für's Übereinanderstapeln von Clichés? Zu Herrn Adiga: Wer sich dazu hinreißen läßt, solch dämliche Ressentiments zu äußern, an dessen Differenzierungs- und Einsichtsvermögen in historische Prozesse muß ich zweifeln und damit an dessen Fähigkeit, überhaupt seinen Verstand zu gebrauchen, Booker-Preis hin oder her. Typisch deutsch (um ein weiteres Cliché zu bemühen), daß das gegebene Thema sofort mit dem alten Generalbaß aus Selbsthaß, Kulturpessimismus, kleinbürgerlich-überheblicher Kritikasterei und selbstgerechter Schuldzuweisung harmonisiert wird. Diese negative Grundhaltung, und nicht Faschisten/68er/der "Braindrain"/das böse Ausland/durchgedrehte Intellektuelle ist es, was hierzulande ein Klima des geistigen Provinzialismus' und das Gefühl des ewigen Zuspätkommens aufrecht erhält. Ich möchte Herrn Adiga und die hier versammelten Apokalyptiker allesamt auffordern, auch nicht mehr nach Italien, Frankreich, Großbritannien etc. zu reisen, da diese Staaten mit den Heimatländern Dantes, Diderots und Shakespeares auch nicht mehr viel gemeinsam haben.

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24. November 2008 11:29

Große Lichter, - bei meiner Seele! Drum hängt man sie auch an Laternenpfähle.

Stefan Scheuermann (Janfri)

Herr Adiga hat sich wohl bei seiner Lektüre der deutschen Klassiker nicht die richtigen Stellen angestrichen, sonst hätte er bei der Einreise ins Land der Dichter und Denker wohl kaum eine Überraschung erlebt. Schon Schiller und Goethe fragten sich in den Xenien: "Deutschland? aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden." und kamen zu der weisen Erkenntnis "Wo das gelehrte beginnt, hört das politische auf." Adiga sollte sich auch Thomas Manns Vortrag „Deutschland und die Deutschen" neben den Tod in Venedig auf den Nachttisch legen, denn dort konstatiert Mann mit Goethe: "Deutschland ist nichts, aber jeder einzelne Deutsche ist viel, und doch bilden sich letztere gerade das Umgekehrte ein."

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24. November 2008 11:11

Da schreibt Jemand, der einer Welt entstammt

Andreas Koerner (follow22)

die selbst noch aufs heftigste zwischen Moderne (Mumbai) und Mittelalter (Kastendenken) schwankt, ein tolles Buch und hat sich über Jahre bezüglich Deutschland ein Weltbild zusammengebastelt, das auf Schriftstellern basiert, welche ihre letzten Bücher vor Jahrhunderten (ein halbes jedoch im Minimum) schrieben. Nun, würde ich mit dem Weltbild des James Fenimore Cooper oder eines Washington Irving nach New York reisen, wäre ich wohl auch ziemlich enttäuscht über die Vereinigten Staaten. Und was sollen erst die Griechen sagen mit ihren Klassikern, die können sich wahrscheinlich glücklich schätzen, das Adiga offensichtlich über sie entweder kein Weltbild hat oder gar nicht erst da war. Fazit: Nicht jeden Schmarren, den ein „guter“ Schriftsteller von sich gibt, und den er auch noch mit Anonymen Gewicht verleihen will: „existiert Deutschland bis in die Mitte der dreißiger Jahre ... Dann hört es für uns auf, ein Land von Bedeutung zu sein.“ also nicht jedem Schmarren muss man auch noch eine Plattform geben, als hätte sie ein „Weltweiser“ wie Einstein oder Ghandi von sich gegeben. Dass es bei den Deutschen offenbar funktioniert, bestätigen mir leider wieder einige Beiträge. „Life is short, art is long. “ sollte auch Adiga wissen

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24. November 2008 10:55

Na und???

Sascha Schulz (sculz13)

Herr Adiga will nie wieder einen Fuß in Deutschland setzen. Na und??? Man sagt ihm nach, er wäre ein großartiger Schriftsteller. Sein Intellekt jedenfalls lässt sich offenbar auf diesen Bereich beschränken. So ist das eben bei Genies, Solitärbegabung. Deutschland wird seine Abwesenheit verkraften können und in Indien ist es ja auch schön. Da gibt es keine Überbürokratie und da ist es auch egal, ob alle Inder die Möglichkeit haben sein Buch zu lesen oder nicht. Ist das ein Witzbold, also wirklich. Das wundert mich schon.

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24. November 2008 10:23

hart aber wahr

Thomas Friess (thomasfriess)

A.Adiga spricht nur aus, was auch viele Deutsche täglich erleben. Wo ist denn das Land der Dichter und Denker? Diese sitzen heute viel zu oft hochsubentioniert in Unis, Theatern und Opernhäusern und frönen ihrer BAT/tarifbezahlten Mittelmässigkeit. Ansonsten keine großen Würfe zu den Problemen unserer Zeit aus der Intelligenzia erkennbar. Bestenfalls moralinsauer und humorlos in Talkshows schlechte Stimmung verbreiten und dann wieder zurück in die stadteigene subentionierte Jugendstilwohnung. Und im "gemeinen Volk"? Kultur hat auch etwas mit Freundlichkeit und einem Mindestmaß an angenehmen Umgangsformen zu tun. Ich mag mir Hr. Adiga garnicht in einer deutschen Fußgängerzone vorstellen. Wie er da durchläuft, fremdartig aussehend. Wie man statt elegant sich gegenseitig ausweichend, seinen Pfad energisch geht und rempelnd den Inder am Kulturvolk verzweifeln läßt. Und reden wir über Bekleidung. Im indischen Mittelstand (und nicht nur dort) wird jeder versuchen, durch entsprechendes Auftreten in der Öffentlichkeit eine gute Figur zu geben. Und bei uns?

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24. November 2008 09:45

Wo sind die großen deutschen Persönlichkeiten?

Marc Scherer (marcscherer)

Der Mann hat Recht: wo sind die Meilensteine in der deutschen Musik nach dem Krieg? Wo ist die bahnbrechende Architektur? Wo die Thomas Manns, die deutschen Hemingways und Somerset Maughams? Wo die Plancks, Einsteins, Heisenbergs? Welcher deutsche Politiker hat Obamas Stil und Charisma? Wieso ist SAP eine Einzelerscheinung? Statt dessen: Individualismus, Extravaganz und Klasse werden als überhebliche Abweichung von der Norm gewertet, Witz und Charme müssen mit der Lupe gesucht werden, kreative Leistungen und unternehmerischer Mut werden argwöhnisch und distanziert beobachtet, anstatt sie zu bewundern, was allgemein akzeptiert wird, ist stumpfsinniges Buckeln und Schuften, ohne Sinn und Verstand. Vielleicht ist das die schlimmste Kriegsfolge.

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24. November 2008 09:20

Was soll ich also Adiga lesen?

Andre La (AndreLala)

Adiga's Pauschal Kritik ist erbärmlich. Da mag er noch so viel Preise bekommen haben, aber auf meinem Lesetisch hat so ein ignoranter Autor nichts zu suchen! Es gibt nach wie vor eine Menge interessanter Denker und Dichter in Deutschland. Nur schaffen die es nicht unbedingt auf die Schlagseiten der grossen Medien. Natürlich gibt es bis Anfang der 30 er mehr Dichter, Denker und Forscher in Deutschland aber eben vergleichsweise, da viele der heute auch führenden Länder - Indien eingeschlossen einfach nicht die Möglichkeit hatten mit den deutschen Arbeitsbedingungen zu konkurrieren. Und dann mal Hand-aufs-Herz: Wer kam den schon von den grossen deutschen Dichtern und Denkern wirklich aus "einfachen" Verhältnissen(C.F. Gauss vielleicht mal abgesehen)? Heute ist das anders. Also Herr Adiga, machen Sie mal rüber nach Deutschland! Sie möchten Indien doch auch nicht nur auf Bollywood beschränkt sehen, oder Mit Grüßen aus Frankreich (wo aber die vor allem alten Intellektuellen auch nicht mehr das sind, was sie mal waren... und die ehemals reichlich intellektuelle partie socialiste derzeit sich auf einen Zickenkrieg a la Bohlen reduzieren lässt)

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24. November 2008 09:07

Nicht die ganze Wahrheit

henning Kröger (masta_mex)

Herr Adiga mag recht haben, wenn er behauptet Deutschlands Dichter und Denker wären früher Stärker in der Welt present. Jedoch ein Ende in 1930 zusetzten erscheint mir recht voreilig. So wird mit diesem "Schlußstrich" Günter Grass vollkommen außen vorgelassen und auch die späten werke von Max Frisch finden demnach keine Beachtung. Wenn Herr Adiga sich sein Bild von Deutschland nicht verderben will empfehle ich eine Reise nach Weimar. Mehr Geschichte (auch im Dichtersinne) auf kleinen Raum wird man kaum finden. Mögen der Geist von Goethe und Schiller ihn dort liebkosen.

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24. November 2008 08:53

Welch Ignoranz!

Max Schaefer (maxschaefer)

Als wären zu Zeiten Goethes ALLE Deutschen erlesene Intellektuelle gewesen, das ist doch lächerlich. Ich würde mal behaupten, da ist jemandem das bißchen Ruhm zu Kopf gestiegen. Sowas würde ich mal eine rosarote Brille nennen.

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24. November 2008 08:44

Nicht nur die 68er...

Jacob Palczynski (palle_czynski)

Also die 68er können nun wirklich nicht viel dafür, dass ein großer Teil der bedeutenden Köpfe der Wissenschaft Deutschland in den 1930er Jahren verlassen haben. Vielleicht sollten einige Kommentatoren ihre Geschichtskenntnisse auffrischen und sich dabei auf den Werdegang eines österreichischen Postkartenmalers konzentrieren.

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24. November 2008 08:35

Das trifft den Nerv

Ingo Lange (Ingoatwork)

und recht hat er damit wohl! Fußball, Bohlen und Gottschalk für das Volk ... und ansonsten: Unfreiheit, Überwachung und Kleinkarriertheit - wohin man blickt ! Fortschrittliche Gedanken haben gegen das Ausmaß der Bürokartisierung, in der einzig Anpassung zählt, sowie die sowieso ausgeprägte deutsche Duckermentalität kein Chance. Charismatische Deutsche findet man heute überwiegend im Ausland - und das hat sich auch schon auf der Welt rumgesprochen ! Die Erkenntnis tut weh ... und wird leider doch kaum etwas an der deutschen Realität ändern ... denn ändern kann man nur, was man (eine Mehrheit) auch denken und begreifen kann !

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24. November 2008 08:27

Anstatt man diesem Schnösel

Jitzak Tanenbaum (tanenbaum)

...jetzt gemeinsam zeigt, wo der Hammer hängt, fallen alle in Deutschland ein in die Selbstgeißelung. Die 68er lachen sich ins Fäustchen und freuen sich, ihr Zerstörungswerk trägt Früchte. International nicht beachtete Unis? Schaut mal nach Amerika, was außer einigen Elite-Unis gibt es in der Fläche? Ich lasse von so einem Schnösel Deutschland nicht schlechtreden! Ich für meinen Teil sage: Ich werde von diesem versnobbten, hypergebildeten Elite-Edel-Literaten, der das noch werden will, was Goethe, Schiller, Kleist schon sind, kein Buch anrühren, mag er auch noch so polemisieren, mag er an Preisen abräumen, was er will. J.T.

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24. November 2008 07:47

Leider hat er irgendwie Recht!

Alexander Sobeslavsky (Sobeslavsky)

Angesichts der erschreckenden Zustände an vielen deutschen Schulen (siehe ganze Stadtteile in Berlin wie Neukölln, Wedding, Moabit usw.), der Flucht der besten jungen Köpfe ins Ausland, dem international fast nicht beachteten Niveau der deutschen Unis und (leider) auch dem Gros der deutschen Forschung, der allgemein herrschenden Mittelmaß-Nivelierung muß ich dem mir nicht besonders bekannten Autor zustimmen, mit Erschrecken un einem teil Wehmut - auch angesichts der herausragenden kulturellen, philosophischen und wissenschaftlichen Leistungen Deutschlands in der Vergangenheit. Aber es scheint ja nicht unbedingt besser zu werden, denn die Zustände sind die gleichen und werden sich in der nächsten Zeit kaum ändern. Ähnliches geschieht jedoch auch in anderen europäischen Ländern, man siehe nur Frankreich und die Verwahrlosung französischen Sprache und Kultur - dort ist es fast noch erschreckender. Allerdings steht es jedoch einem Herrn Adiga nicht zu, Deutschland in dieser Art zu kennzeichnen, denn wer im Glashaus sitzt .... das zeigt seine mangelnde Intellektualität und schließlich ist er ja noch lange nicht Dostojewski, Mann, Rushdie usw.

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24. November 2008 07:16

Bollywood meets Plattenbau-Tristesse

Klaus-Peter Menzing (theblueyonder)

Der Mann hat ja auf eine gewisse Art und Weise Recht, was großartige Köpfe in Deutschland angeht. Aber ich würde das bis auf die 60er Jahre ausdehnen. Mit den 68ern haben die unsäglichen Dampfplauderer und Gernegroße Einzug gehalten. Aber trotzdem stößt mir das was Herr Adiga von sich gibt auf: Er hat sich nichtmal ansatzweise die Mühe gemacht, sich genau mit Deutschland zu beschäftigen. Sicherlich, unser Land hat seine Macken. Aber nicht alles ist schlecht. Und so schlecht können wir ja gar nicht sein, wenn wir es trotz immer stärker werdender Matschbirnigkeit immer noch mit den Amerikanern und Briten aufnehmen können. Und wer als Elite betitelt wird oder sich selbst so bezeichnet (egal ob Eliteautor, Elitejournaille oder Elitestudent), den nehme ich sowieso nicht ernst. Denn wer Elite ist, der ist so gut, das er keinen Tamtam deswegen veranstalten muss. Und was eine Abneigung gegen andere Nationalitäten angeht, halte ich mich noch an den Ausspruch von Roman Herzog: (frei zitiert) "Ein Patriot liebt sein Vaterland und achtet die Vaterländer der anderen". Insoweit ist mir die Tour des Herrn Adiga da sehr suspekt. Andererseits: Bei so seichter Bollywood-Unterhaltung und Bohlen im Fernsehen, wer bleibt da noch in Deutschland?

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24. November 2008 06:55

Keine Kraft zur Auseinandersetzung!

Thomas Grunwald (tho_mi)

Ich habe das Buch nicht gelesen, deshalb möchte ich hier auch nicht den Inhalt kommentieren. Schade finde ich allerdings, dass diesem sehr hochgelobten Schriftsteller und Journalisten wohl die Kraft fehlt, sich mit Deutschland heute auseinanderzusetzen. Leider erfährt man auch nicht, was ihm genau wiederfahren ist. Das Geld, dass ihm das Buch hierzulande einbringt, wird er auf jeden Fall nicht ablehnen. So bedeutungslos ist Deutschland dann wohl doch nicht...

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24. November 2008 06:50

Früher war alles besser blablabla.

Ralf Becker (mfoe)

Früher war's besser, seitdem geht es in Deutschland immer abwärts. Am besten rapide. Diese ewig alte Leier, ich kann sie nicht mehr hören. Zur Überraschung vieler wurde auch noch nach dem Krieg in Deutschland exzellente Literatur, ja sogar Kunst, betrieben. Lenz, Böll, Kehlmann, Moers, Süßkind, wie sie alle heißen. Ich würde zu gern mal Ranicki hören zu diesem Thema. Der würde Adiga sein holzgetäfeltes Oxford-Deutschland um die Ohren hauen. Aber Ranicki ist ja auch schon alt. Geht immer abwärts, was? Am besten rapide.

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24. November 2008 00:50

Die 68er sind an allem schuld!

Hannes Heilmannsstedt (mediumdry)

Nun sind die 68er auch noch an einem elitären Holzkopfliteraten schuld, der sich zu fein ist über unsere Bürokratie auf die wir allen Unkenrufen zu Recht stolz sein können (und die es auch schon länger als die 68er gibt). Am besten begibt man sich nach Indien unter ein paar "Unberührbare", da gibt es auch noch Hierarchie, Autorität und Elend.

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23. November 2008 22:41

Ein hochnäsiger und naseweißer Fatzke

Wolf Waschkuhn (wwaschkuhn)

Sicher, nicht mit allem und jedem muß man zufrieden sein in Deutschland. Von sich zu geben, sein (Traum-)Bild von 'Deutschland nicht zerren zu wollen durch einen Besuch, zeigt aber, daß er überhaupt kein Interesse hat, das Land, die Menschen, die kulturelle Vilefalt und die Landschaften kennenzulernen, die Hegel, Kant und Schopenhauer erst möglich gemacht haben und deren Kenntnis letztlich Vorraussetzung ist, diese zu wahrlich zu verstehen. Er kritisiert Bollywood. Tatsache ist, daß dieser Fatzke genau in der schnulzigen Traumwelt verharren möchte. Wer braucht ihn eigentlich in Deutschland und sonstwo, Booker-Preis hin oder her?

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23. November 2008 16:10

Der Mann spricht Wahrheit

Jürgen Koll (werther12)

Soweit es Deutschland betrifft, muß man ihm leider recht geben. Was unser Land bis Mitte der Dreißiger Jahre an großen Männern hervorgebracht hat, ist in höchstem Maße beeindruckend. Man betrachte nur die Zahl der deutschen Nobelpreisträger. Deutschland hat sich damals in fast allen Wissenschaftsdisziplinen an die Weltspitze gesetzt. Ein vorletztes Aufbäumen gegen den Abschwung waren die unglaublich zahlreichen und wegweisenden technischen Erfindungen der letzten Kriegsjahre, von denen die Siegermächte gewaltig profitierten; das letzte, was die Welt in Erstaunen versetzte, war dann das Wirtschaftswunder. Seit 1968 aber geht es rapide bergab, und Deutschland bemüht sich, so mittelmäßig wie nur möglich zu werden. Die Gesinnungswärter der politischen Korrektheit engen die Meinungsfreiheit immer weiter ein, so daß dies wirklich kein interessantes Land mehr für Denker ist. Wir bekommen ja noch nicht einmal eine vernünftige Rechtschreibreform zuwege.

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23. November 2008 14:23

Ein bißchen glitschig

gisbert heimes (gisbert4)

ist er schon, der Über-Autor. Die vielen Bewußtseins-Ebenen eines intellektuellen indischen Elite-Studenten und Bestsellerautors treffen in konkreten Abneigungen auf genauso konkrete Aversien: bratwurstmentalitätszersetzender Immigrant. Hilfreich ist weder das eine noch das andere.

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