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Fahrtbericht Volvo C30 Summum

An seinem Konzept könnte er scheitern

Von Boris Schmidt

Der neue Volvo C30 erinnert an den „Schneewittchensarg”

Der neue Volvo C30 erinnert an den „Schneewittchensarg”

27. März 2007 Kaum eine Automarke wird so sehr mit dem Kombi identifiziert wie Volvo. Zwar hat sie auch Limousinen im Programm, doch ein wahrer Volvo ist der familientaugliche Kombi. Und genau das will dieser neue Volvo partout nicht sein. Der kleine C30, das neue Basisangebot des schwedischen Herstellers, dessen Personenwagensparte seit 1999 zum Ford-Konzern gehört, wird offensiv als Auto für Singles und gutverdienende Paare beworben.

Kein Wunder bei einem Kofferraum, der nur ein Volumen von 251 Liter hat und in dem das wenige, was reinpasst, unter einer gläsernen Heckklappe wie auf dem Präsentierteller liegt. Aber Volvo wollte das Auto genau so haben: nur zwei Türen, vier einzelne Sitze, steiles Heck, dicke D-Säulen mit breiten Leuchtenbändern, alles nicht unschick, gewiss.

Bei Schneewittchensarg denkt sie an sieben Zwerge

Man zieht gern Parallelen zum Schneewittchensarg, jenem Anfang der siebziger Jahre gebauten zweitürigen Kombi auf Basis des legendären P-1800-Coupés. Der hatte ebenfalls eine gläserne Heckklappe und konnte mit roten Teppichen bestellt werden. Das wahre Vorbild des C30 ist jedoch der 480, der zehn Jahre später der erste Volvo mit Frontantrieb war: gleiche, kompakte Form, vier Sitze, steiles Heck, gläserne Klappe.

Volvo schielt mit dem Konzept nach dem Erfolg des Mini, der sich trotz mancher Schwäche wie geschnitten Brot verkauft, doch der C30 muss viel mehr für sich stehen. Den Mini kennt jedes Kind, dagegen kann die junge Rechtsanwältin aus der Kanzlei nebenan mit dem 480 nichts anfangen, und beim Stichwort Schneewittchensarg denkt sie an den weinenden Prinzen oder die sieben Zwerge, aber nicht an Volvo.

Die Sicherheitsgurte verhaken sich in den Sitzen

Das Auto ist so, wie es ist. Mit dem kleinen Kofferraum muss man einfach leben wollen, ein Verzicht auf das Notrad schafft etwas zusätzlichen Stauraum im Unterboden, und selbstverständlich lassen sich die beiden Einzelsitze umlegen, wonach sich eine nahezu ebene Ladefläche von rund 1,40 Meter Länge ergibt. Als Zweisitzer hat er ein maximales Ladevolumen von fast 900 Liter, für Paare auf Urlaubsreise ist das wohl ausreichend, aber schon für einen Wochenendausflug zu viert wird es eng. Und das nicht nur wegen des Kofferräumchens.

Im Fond kann man nur vernünftig sitzen, wenn Pilot und Kopilot etwas nach vorn rutschen, bei der Kopffreiheit gibt es dagegen nichts zu kritteln, jedoch sieht man im Fond fast nichts von der Außenwelt, die starren Seitenscheiben, die sich nach hinten verjüngen, sind viel zu niedrig. Und umständlich nach hinten klettern muss man ja auch noch, wobei der Fahrersitz elektrisch nach vorn gefahren werden kann. Dummerweise verhaken sich die Sicherheitsgurte immer wieder in den Sitzen und stören zusätzlich beim Weg in den Fond.

Fünfstufenautomatik arbeitet vorzüglich

Genug geschimpft über die funktionalen Nachteile des C30 - es gibt auch Vorteile. Da ist zunächst einmal die große Auswahl an Motoren. Fünf Otto- und drei Dieseltriebwerke (alle mit Partikelfilter) stehen zur Wahl, da sollte für jeden etwas dabei sein. Für ein erstes intensives Kennenlernen hatte uns Volvo Deutschland den stärksten Diesel geschickt, der aus 2,4 Liter Hubraum (fünf Zylinder) 132 kW (180 PS) holt und ein formidables Drehmoment von 350 Newtonmeter bietet.

Das wenige, was in den Kofferaum reinpasst, liegt wie auf dem Präsentierteller

Das wenige, was in den Kofferaum reinpasst, liegt wie auf dem Präsentierteller

Er ist immer mit einer Fünfstufenautomatik kombiniert, und wir wissen jetzt nicht, was wir zuerst loben sollen: das Triebwerk oder die Automatik. Diese arbeitet vorzüglich, Schaltvorgänge sind kaum spürbar, auch auf bergigen Passagen findet sie immer die passende Übersetzung.

Wie es sich bei Volvo gehört, gibt es ein Winterprogramm für weniger forsches Anfahren, die fünf Stufen können auch manuell eingelegt werden (Lenkradtasten sind nicht vorgesehen). Fährt man im manuellen Modus, wird bei Kickdown und beim Ampelhalt dennoch zurückgeschaltet, allerdings bei Vollgas nicht automatisch hoch.

Etwas brummig, aber wirklich laut wird es nicht

Fünf Otto- und drei Dieseltriebwerke stehen zur Wahl, da sollte für jeden etwas dabei sein

Fünf Otto- und drei Dieseltriebwerke stehen zur Wahl, da sollte für jeden etwas dabei sein

Motor und Getriebe arbeiten sehr harmonisch zusammen, dem Triebwerk kann man allenfalls vorwerfen, dass es etwas brummig zur Sache geht, wirklich laut wird es aber nicht. Kraft ist mehr als genügend vorhanden, die angegebene Spitzengeschwindigkeit von 220 km/h konnten wir wegen der Winterreifen nicht ausfahren, die Beschleunigung von 8,5 Sekunden für den Standardsprint von 0 auf 100 km/h spricht aber für sich. Und sonderlich anstrengen muss sich der Motor auch nicht: Bei 140 km/h liegen nur 2800 Umdrehungen in der Minute an.

Weil wir mit dem C30 zu einem Oldtimer-Treffen an den Polarkreis gefahren sind, ergab sich auf fast 5500 Kilometer mannigfaltige Gelegenheit, unter verschiedenen Bedingungen Verbrauchswerte zu ermitteln. Auf deutscher Autobahn flott bewegt, genehmigte sich der C30 bis zu 8,6 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer, in Schweden, das ein Tempolimit von 110 km/h hat, schwankte der Bedarf auf den einzelnen Tanketappen zwischen 6,6 und 7,2 Liter.

Das Bremspedal tritt sich etwas stumpf

Der Innenraum strahlt die gewohnt kühle, sachlich-nordische Atmosphäre aus

Der Innenraum strahlt die gewohnt kühle, sachlich-nordische Atmosphäre aus

Die Heizung wurde mit den nicht sonderlich tiefen Temperaturen gut fertig, voll des Lobes sind wir über die perfekten Sitze, die einen auch nach zehnstündiger Fahrt völlig entspannt aus dem Wagen steigen lassen.

Beim Fahrverhalten profitiert der C30 von den Genen des Ford Focus, die in ihm stecken. Traumwandlerisch sicher ist er unterwegs, eine Spur zu straff gefedert vielleicht, aber nicht wirklich unbequem. Die Servolenkung arbeitet sehr präzise, nur bei vollem Leistungseinsatz sind Antriebseinflüsse in der Lenkung zu spüren.

Motor und Getriebe arbeiten sehr harmonisch zusammen

Motor und Getriebe arbeiten sehr harmonisch zusammen

Dafür, dass die 180 PS immer auf die Straße kommen und auch auf ihr bleiben, gibt es elektronische Helfer, die man auch abschalten kann. Das Bremspedal tritt sich etwas stumpf, an der Verzögerungsleistung kann man nichts aussetzen.

Summum lässt noch jede Menge Möglichkeiten offen

Selbstredend ist der C30 auch in Sachen passiver Sicherheit auf der Höhe der Zeit, er sei sicher wie ein großer Volvo, wird versprochen, das im großen S80 erstmals vorgestellte Blis-System, das dem toten Winkel im Rückspiegel seinen Schrecken nehmen soll, ist gegen Aufpreis (920 Euro) erhältlich.

Auch nach zehnstündiger Fahrt steigt man völlig entspannt aus dem Wagen

Auch nach zehnstündiger Fahrt steigt man völlig entspannt aus dem Wagen

Ja, die Aufpreise, in dieser Hinsicht bekleckert sich der C30 wahrlich nicht mit Ruhm. Zwar haben alle Modelle unter anderem Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, sechs Airbags, ABS und eine Audioanlage, doch die Ausstattungslinien Kinetic (1200 Euro Aufpreis), Momentum (3150 Euro) und Summum (5700 Euro) locken.

Selbst Summum, das unter anderem Ledergestühl umfasst, lässt noch jede Menge Möglichkeiten offen, so dass für den der Redaktion zur Verfügung gestellten Wagen letztlich ein Listenpreis von mehr als 40 000 Euro zu Buche stand. Vor zehn Jahren gab es dafür fast schon eine S-Klasse von Mercedes-Benz.

Im Straßenbild taucht er überhaupt nicht auf

Gut, schon für weniger als die Hälfte (19 100 Euro) kann man sich einen Basis-C30 mit 1,6-Liter-Motor und 74 kW (100 PS) in die Garage stellen, doch dann hat man kein Lederlenkrad, keinen Lederschalthebel, muss auf die schönen Aluminium-Einlagen in Mittelkonsole und Türen verzichten, hat keine Make-up-Spiegel in den Sonnenblenden, keine Mittelarmlehne hinten und noch nicht einmal Fußmatten (alles erst ab Kinetic, zudem Klimaautomatik). Über das Bedienen des kleinen Volvo lässt sich nicht meckern, alles ist klar strukturiert, der Innenraum strahlt die gewohnt kühle, sachlich-nordische Atmosphäre aus.

Der C30 ist kein billiges Auto, das will er auch gar nicht sein. Aber der Kunde tut sich offenbar schwer mit dem neuen kleinen Schweden. Obwohl er schon seit Dezember auf dem Markt ist, taucht er im Straßenbild überhaupt nicht auf. So stark auf dieses Konzept zu setzen war ein Wagnis, das sich bis jetzt nicht auszahlt.

Auch Singles und Paare wollen ein Auto mit Kofferraum - vor allem in der Golfklasse - und nicht für jedes größere Gepäckstück erst einmal die Sitze umlegen. Der C30 wird es schwer haben auf seinem Weg in den deutschen Markt - aber vielleicht täuschen wir uns ja.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

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