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Fahrtbericht Peugeot 207

Ein Hauch von bösem Blick und doch ein netter Kerl

Von Michael Kirchberger

Eine Klasse größer: Peugeot 207 110 HDI

Eine Klasse größer: Peugeot 207 110 HDI

24. Juli 2006 Einmal kräftig rühren und dann gleich wieder strammgestanden. Peugeot sortiert die Nachwuchstruppe neu, und damit genügend Raum für die kleinsten Debütanten geschaffen wird, müssen andere wachsen. Nachdem die Kleinwagen 107 und 1007 das Angebot der französischen Marke in dieser Klasse deutlich gestärkt haben, wird der 207 höher positioniert. Satte 21 Zentimeter länger als der Vorgänger 206 ist die jüngste Generation des kompakten Peugeot geraten. Mit 4,03 Meter läßt er Konkurrenten wie Ford Fiesta, Opel Corsa (alt) und VW Polo deutlich hinter sich. Das gilt auch für den Preis: 20450 Euro kostet die viertürige Limousine in der Spitzenausstattung Platinum, wenn der einzige, derzeit angebotene Diesel mit 1,6 Liter Hubraum und 80 kW (109 PS) Leistung unter der Haube steckt.

Formal setzt der 207 Zeichen. Er folgt dem mutigen, aggressiven Design des 407: schmale Scheinwerferaugen blicken ein bißchen böse, der gewaltige Lufteinlaß fordert Achtung und unterstreicht den dynamischen Anspruch der Karosserie. Die strebt kraftvoll nach vorn, wobei der Unterschied zwischen der zwei- und der viertürigen Version anders als bei manchem Wettbewerber gering ist. Unterschiede in der Gestaltung bringen die unterschiedlichen Ausstattungsstufen mit sich. Die Versionen Sport und Platinum bekommen eine ausgeprägtere Konturierung des Kühlergrills mit aluminiumfarbenem Rahmen. Die Frontscheibe liegt sehr schräg über dem ausladenden Armaturenträger, das Heck wirkt solide, fast wuchtig. Die Heckklappe über dem Kofferraum sucht ihr Heil ebenfalls in der Annäherung an die Horizontale. Das sieht schick aus, macht die Karosserie hinten jedoch sehr unübersichtlich und kostet vor allem Transportkapazität. Minimal 270 Liter Volumen gehen noch in Ordnung, das maximale Stauvolumen von 923 Liter bei dachhoher Beladung bleibt dagegen hinter den Volumina vergleichbarer Kompaktwagen zurück und ist für ein Vier-Meter-Auto eher unangemessen.

Vorne Komfort, hinten eher für den Nachwuchs

Wenig Platz gibt es auch im Fond. Ein Erwachsener sucht vergebens eine Position, um die Knie halbwegs komfortabel zu plazieren, über dem Scheitel ist kein Haarbreit Luft, zumindest wenn ein 1,84 Meter großer Mensch dort sitzt. Der Zustieg in den Fond ist immerhin angenehm, denn die Türen öffnen weit und sind großzügig geschnitten. Also entweder sehr kleine Menschen zum Vornsitzen einladen oder die Rückbank eher für die Beförderung des Nachwuchses nutzen. Isofix-Verankerungen sind vorhanden.

Der Fahrer bekommt von der Enge in seinem Rücken nichts mit. Er sitzt ebenso wie der Copilot auf einem feinen Sportsitz; dicke, lederbezogene Wangen, eine lange Schenkelauflage und die bis über die Schulterblätter hinausreichende Rückenlehne bieten sehr angenehmen Komfort und ausgezeichneten Seitenhalt, nur die mickrigen Armlehnen auf der Innenseite stören ein wenig. Weit nach vorn streckt sich die Armaturenlandschaft, sie ist wie die Armauflagen an den Türen mit einem höchst griffsympathischen sowie gut aussehenden Material bezogen und wirkt wohl dimensioniert. Klare Flächen strahlen Ruhe aus, Peugeot hat alle wesentlichen Bedienungselemente direkt an der Lenksäule angeordnet, das schafft Ordnung an der Schalttafel. Rahmen in Kohlefaser-Optik zieren den Monitor über der Mittelkonsole, der die Informationen von Navigation, Audio-Anlage und Bordcomputer anzeigt. Darunter haben das CD-Radio samt Wechsler und die serienmäßige Zweizonen-Klimaautomatik ihren Platz. Die Bedienung bereitet keine Mühen, einzig die Anordnung der Taste für die racheingabe am Ende des Blinkerhebels sorgt nachhaltig und über die Phase des Kennenlernens hinaus für Verwirrung. Beim Antippen des Hebels, wenn die Hand beim Autobahn-Spurwechsel am Lenkrad bleiben soll, kommt selbst der feinmotorisch begabte Mensch oft und ungewollt in Kontakt mit der leichtgängigen Taste. Dann senkt das Radio seine Lautstärke, und ein Signalton erklingt. Das "Hoppla", das dem Fahrer dann entfährt, kommentiert die Dame im Computer stets mit der Frage "Wie bitte?" Wir haben sie nicht wirklich gemocht.

Die Instrumente mit dreiviertelrunden, weißen Skalen sind gut ablesbar, die französische Eigenart der ungeraden Einteilung ist eher für gallische Autobahnen geeignet, dort gelten 110 und 130 km/h als Limit, auf unseren Fernstraßen steht die Nadel bei limitierten Streckenabschnitten stets zwischen den Markierungen (dagegen sind 30 und 50 km/h gut positioniert). Wo andere sparen und auf die Kühlmitteltemperatur-Anzeige verzichten, setzt Peugeot mit einem Instrument für die Öltemperatur zusätzlich zum Wasserthermometer noch eins drauf.

Mehr Vergnügen bei gemäßigtem Tempo

Der Dieselmotor - nun auch in der Kompaktklasse mit Partikelfilter - arbeitet akustisch angenehm unauffällig. Allerdings zeigt er diese Tugend auch bei der Leistungsentfaltung. 80 kW (109 PS) und 260 Newtonmeter Drehmoment versprechen mehr, als der 207 hält. Zwar kennt er keine Anfahrschwächen, im mittleren Tempobereich geht er immerhin mit einem gewissen Engagement ans Werk. Hohe Drehzahlen liebt er jedoch nicht, und wenn bei Tempo 180 der Drehzahlmesser 3800/min anzeigt, dauert es noch eine geraume Zeit, bis der 207 110 HDI auf die versprochene Höchstgeschwindigkeit von 193 km/h kommt. Die Maschine arbeitet zwischen 2000 und 3000/min mit wesentlich größerem Vergnügen, auf der Landstraße und bei gemäßigtem Autobahntempo weiß sie zu überzeugen. Das Zusammenspiel mit dem serienmäßigen Fünfganggetriebe gelingt vortrefflich, die Kupplung greift im rechten Moment, der Aluminiumknauf des Schalthebels liegt angenehm in der Hand und muß beim Wechsel der Übersetzung nur über kurze Wege geführt werden - was in einer genau definierten Schaltkulisse schnell und sicher geschehen kann. Der durchschnittliche Verbrauch von 6,2 Liter je 100 Kilometer ist kein schlechter Wert.

Die Lenkung wird maßvoll unterstützt, nie geht das Gefühl für die Fahrbahnbeschaffenheit verloren. In der Stadt bei langsamer Fahrt beschwingt sie eine übergroße Leichtigkeit, was aber in diesen Verkehrssituationen weniger stört und beim Einparken durchaus hilfreich ist. Der Geradeauslauf ist tadellos, auffällig sind nur die Wind- und Abrollgeräusche, die den Motor schon bei 120 km/h übertönen. Wirklich laut ist der Peugeot jedoch nicht. Das Rauschen des Fahrtwinds rührt unter anderem vom großen Panoramadach her, das sich zwar nicht öffnen läßt, aber selbst den Fond-Passagieren einen wunderbaren Blick in den Himmel gewährt.

Ein netter Kumpel

Die Bremsen arbeiten mit schöner Präzision, sprechen weich an und bekommen fein dosierbar einen herzhaften Biß. Die Federung bewältigt ihre Aufgabe mit weniger Feingefühl. Auf Querfugen rumpelt der 207 schon mal kräftig und unbeherrscht, kleine Stöße fangen die guten Sitzpolsterungen ab. Dafür gibt er sich in scharf gefahrenen Kurven keine Blöße. Mit geringer Karosserieneigung durcheilt er die Biegungen und ist gut zu kontrollieren, wenn er bei zu flotter Fahrt sanft über die Vorderräder schiebt. Lastwechselreaktionen sind nicht festzustellen, das Heck bleibt brav in der Spur, notfalls greift das in der Platinum-Version serienmäßige ESP ein.

Der 207 ist ein netter Kumpel. Er verzichtet auf unnötige Eigenheiten, bietet einen wohlgestalteten Innenraum mit vielen Ablagemöglichkeiten und ist ziemlich anspruchslos. Reinsetzen, starten, die Reise genießen - diesen Dreiklang gelungener Mobilität beherrscht er einwandfrei. Familienauto oder Transportkünstler will er nicht sein, zumal die Zuladung von deutlich weniger als 400 Kilogramm diese Ansprüche nicht erfüllt. Aber mit einer guten Ausstattung, einem üppig geschnürten Sicherheitspaket und gezügeltem Konsum kann er jene erfreuen, die nicht Leistung und Sportlichkeit im Fokus haben.

Daten und Meßwerte

Empfohlener Preis 20 450 Euro
Preis des Testwagens 24 650 Euro

Vierzylinder-Diesel,1560 Kubikzentimeter Hubraum, Abgasturbolader, Common-Rail-Einspritzung
Leistung 80 kW (109 PS) bei 4000/min
Höchstes Drehmoment 260 Nm bei 1750/min, 90 Prozent davon ab 1600 bis 3100/min
Erfüllt Euro 4
Manuelles Fünfganggetriebe
Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,03/1,75/1,47 Meter
Radstand 2,54, Wendekreis 10,6 Meter
Leergewicht 1254 (tatsächlich 1335), zulässiges Gesamtgewicht 1710, Anhängelast 1150 Kilogramm; Kofferraumvolumen 270 bis 923 Liter
Reifengröße 195/55 R 16 V

Höchstgeschwindigkeit 193 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 10,1 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 11,8/18,7 s
Verbrauch 5,3 bis 7,1, im Durchschnitt 6,2 Liter Diesel je 100 km; Tankinhalt 50 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 21, TK 18, VK 16
Vollkosten je km (bei 20 000 km/Jahr) 0,31 Euro

18 000 Euro kostet der schnittige Punto, Stauvolumen 275/1030 Liter, Normverbrauch 5,6 Liter
20 150 Euro kostet der komfortable Clio, 290 bis 1030 Liter Stauvolumen, Normverbrauch 4,6 Liter
18 175 Euro kostet der renovierte Polo, Stauvolumen 270/1030 Liter, Normverbrauch 5 Liter

Text: F.A.Z., 25.07.2006, Nr. 170 / Seite T3
Bildmaterial: F.A.Z., Peugeot

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