Fahrtberichte

Fahrtbericht Smart fortwo passion

Ist das Glas nun halbvoll oder doch halbleer?

Von Boris Schmidt

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04. Juli 2007 Er ist immer noch ein Sympathieträger. Wohin man mit dem neuen Smart auch kommt, überall wird man freundlich empfangen, muss Auskünfte zum Auto geben und sich Kommentare wie „süß“ oder „Wächst er noch?“ anhören.

Doch der Enthusiasmus bei den Interessenten verfliegt schnell, wenn man den Preis nennt, den Noch-Daimler-Chrysler für seinen überarbeiteten, aber immer noch zweisitzigen Winzling fordert: 12.790 Euro ist der Grundpreis für den stärksten Benziner, mit dem wir zwei Wochen unterwegs waren, und mit nur einigen Zutaten ist schnell die 15.000-Euro-Schallmauer durchbrochen.

30.000 Mark für ein 2,70 Meter langes, halbes Auto! Auch die 9490 Euro, die das Basismodell kostet (mit 45 kW/61 PS), sind weit jenseits der Grenze, die ein Smart kosten dürfte, um wirklich durchschlagenden Erfolg zu haben. Wenn man bei PSA/Toyota – um nur ein Beispiel zu nennen – einen größeren Viersitzer zu ähnlichen Preisen bekommt, hat man es als reiner Zweisitzer mehr als schwer.

Der Neue vom Alten kaum zu unterscheiden

Doch mit diesem Manko kämpft der Smart schon seit Beginn: Wenn plötzlich mehr als zwei Personen mitfahren wollen, muss er schlicht passen. So einfach ist das. Er bleibt das Motorrad auf vier Rädern mit Dach und großem Kofferraum.

Wenigstens hat die zweite Generation des Smart um 20 Zentimeter in der Länge zugelegt, wovon hauptsächlich der Laderaum profitiert. Er ist jetzt deutlich tiefer, um ihn optimal zu nutzen, muss man aber oft die Gepäckraumabdeckung demontierten. Rein rechnerisch beträgt das Volumen dachhoch beladen 340 Liter (plus 80 Liter), für den Urlaub zu zweit sollte das reichen.

Dass die Länge nun 2,70 Meter beträgt, wird von manchem als Nachteil genannt, weil Querparken unter Längsparkern am Straßenrand nun endgültig passé sei, verboten war dies aber schon immer. Und 30 Zentimeter weniger als drei Meter sind immer noch wenig genug, um in unglaublich kleine Nischen zu huschen. Nur muss man erst ein Auge für kleinste Parklücken entwickeln. Apropos Auge: Auf den ersten Blick ist der Neue vom Alten kaum zu unterscheiden, das war wohl Absicht und stärkt den Wert der ersten Generation.

Zweiklanghupe wie von einem Spielzeugauto

Dass eine Servolenkung 460 Euro Aufpreis kostet, ist aber ebenso eine Enttäuschung wie die gesamte Aufpreispolitik. Selbst elektrisch verstellbare Außenspiegel (185 Euro) kosten extra, obwohl „passion“ die beste von drei Ausstattungsvarianten ist (neben „pure“ und „pulse“). Auch die aufs Armaturenbrett gesetzten schönen Rundinstrumente (Uhr und Drehzahlmesser) verlangen nach 145 Euro Aufgeld.

Und um gegen Reifenpannen gewappnet zu sein, müssen 105 Euro für ein Pannenset angelegt werden. Da man damit einen kapitalen Reifenschaden nicht flicken kann, empfehlen wir stattdessen die praktische Ablagebox (25 Euro) in der Kofferraumklappe, die man dann mit Warnweste, Warndreieck, Verbandstasche, Taschenlampe, Eiskratzer, Regenschirm und Ersatzlampen (alle im Set für 89 Euro) füllen kann.

Eine bessere Zweiklanghupe für 26 Euro sollte man sich auch noch gönnen, die serienmäßige hört sich an wie die von einem Spielzeugauto. Doch genug geklagt über die Aufpreise, immerhin sind bei „passion“ unter anderem die Klimaanlage, das Panoramadach, die Alu-Felgen, die Gepäckraumabdeckung und die elektrischen Fensterheber serienmäßig. ABS, ESP, vier Airbags, einen umlegbaren Beifahrersitz, Zentralverriegelung mit Fernbedienung und ein automatisiertes Schaltgetriebe (fünf Gänge), um nur das Wichtigste zu nennen, haben alle Smart.

Zündschloss zwischen den Sitzen

In der ersten Generation war das Getriebe mit seinen viel zu langen Schaltpausen einer der Hauptkritikpunkte, und es ist festzustellen, dass es jetzt viel, viel besser geworden ist – aber noch lange nicht perfekt. Kleine Schaltpausen bleiben spürbar, sind aber zu verschmerzen. Kuppeln muss man nach wie vor nicht, das übernimmt eine Automatik.

Bei „passion“ kann man sich ihr gänzlich anvertrauen (sonst 300 Euro Aufpreis). Der Smart ist erfreulich einfach zu bedienen, gewöhnen muss man sich nur daran, dass er am Berg wegrollt, auch wenn der Gang eingelegt ist. Wie bisher sitzt das Zündschloss à la Saab in der Mitte zwischen den Sitzen. Um den Schlüssel herauszuziehen, muss der Rückwärtsgang eingelegt sein. Manuell schalten kann man auch; nur warum sollte man?

Zu schwerfällig für einen flotten Feger

Am Fahrverhalten gibt es dank ESP nichts oder wenig zu kritisieren. Der Smart lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, obgleich gesagt werden muss, dass er kein Kurvenreißer ist. Um auf der Landstraße den flotten Feger zu spielen, ist er zu schwerfällig und selbst mit 84 PS nicht übermäßig üppig motorisiert. Zudem muss man bei der Kurvenhatz darauf achten, dass man mit dem rechten Knie nicht gegen den Schalthebel kommt und aus Versehen den Leerlauf einlegt.

Dass man einen Hecktriebler à la Porsche 911 pilotiert, spürt man zu keiner Zeit. An den Motor kommt man übrigens nicht ohne weiteres heran, dafür kann man jetzt eine (ungesicherte!) Klappe in der Front öffnen und Wischwasser nachfüllen, Glühlampen tauschen oder den Kühlwasserstand und die Bremsflüssigkeit kontrollieren.

Wohlfühlen dank freundlicher Atmospäre

Zurück zum Fahren mit dem Smart: Mit der Präzision der Lenkung und dem Biss sowie der Standhaftigkeit der Bremsen kann man zufrieden sein, immer noch unbefriedigend jedoch ist der Federungskomfort. Der bleibt einfach dürftig, schon alleine wegen des kurzen Radstands. Bei gröberen Löchern in der Straße schlagen die Räder sofort durch.

Dennoch kann man durchaus längere Strecken fahren, solange es gepflegte Autobahnen sind. Im Smart hat man zu keiner Zeit das Gefühl, in einem Winzmobil zu sitzen, das Gestühl ist sehr bequem, und für zwei Personen ist in der Länge wie in Höhe und Breite genug Platz. Nach wie vor sitzen Fahrer und Beifahrer etwas versetzt zueinander, das Panorama-Glasdach hat jetzt einen vernünftigen, weil vollflächigen Sonnenschutz.

Zum Wohlfühlen im Smart gehört auch die freundliche Atmosphäre im Innenraum, die trotz des nun eher konventionellen Designs nicht verlorengegangen ist. Der Armaturenträger ist weit weniger verspielt gestaltet, alles ist klassisch gerade angerichtet, Selbstverständliches wie ein abschließbares Handschuhfach (30 Euro) oder Getränkehalter (28 Euro) lässt man sich „selbstverständlich“ extra bezahlen.

Ein erfreulich leises Auto

Natürlich ist die Stadt das Zuhause des Smart, hier wuselt er durchs Gewühl, erfreut durch seinen kleinen Wendekreis und die Möglichkeit, fast immer für ihn noch ein Plätzchen zu finden. Aber auch außerhalb des Großstadtreviers fühlt sich der Smart wohl: Vor allem mit dem 84-PS-Dreizylinder gehört man nicht zu den Langsamsten, in der Spitze sind jetzt 145 km/h möglich, dann wird sanft abgeregelt. Der Motor dreht bei Höchstgeschwindigkeit 4900 Umdrehungen und ist selbst dann nicht zu laut. Der Benzin-Smart ist ein erfreulich leises Auto.

Da das Triebwerk 999 Kubikzentimeter Hubraum hat, ist die Literleistung bei 84 PS also durchaus üppig. Deshalb sollte man hinsichtlich der Sparsamkeit nicht zu viel erwarten. Doch die 7,6 Liter Superbenzin im Schnitt auf 100 Kilometer, die der Smart in unserem Redaktionsalltag konsumierte, lassen einen tief enttäuscht zurück. Bei flotter Autobahnfahrt können es sogar 8,3 Liter auf 100 werden, da kommt man mit dem 40-Liter-Tank nicht weit.

Ein halbes oder ein ganzes Auto?

Der Citroën C1, der ebenfalls von einem Ein-Liter-Dreizylinder angetrieben wird, kam mit 6,2 Liter aus, hat jedoch 16 PS weniger. Aber schon der Normverbrauch für diesen Smart beträgt 6,4 Liter, und die schwächeren Benziner (61 oder 71 PS) sind mit 6,1 Liter angegeben. Für den Diesel (Grundpreis 11 200 Euro; 0,8-Liter-Motor, 45 PS) stehen 3,4 Liter in den Daten. Das sind dann im Normalfall 4,5 Liter.

Sei es, wie es sei: der neue Smart lässt einen mit gemischten Gefühlen zurück. Ist das Glas halbleer oder halbvoll? Ist er ein halbes oder ein ganzes Auto? Ja, das Wägelchen ist süß und hat in der Stadt seine Vorteile. Für den Single kann es vielleicht Erstmobil sein. Der Fortschritt gegenüber der ersten Generation ist unverkennbar. Doch es ist immer noch zu teuer und als Benziner viel zu durstig.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 12.790 Euro

Preis des Testwagens 15.646 Euro

Dreizylindermotor mit Turboaufladung, vier Ventile je Zylinder, 999 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 62 kW (84 PS) bei 5250/min

Höchstes Drehmoment 120 Nm bei 3250/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1800 bis 4500/min

Automatisiertes 5-Gang-Schaltgetriebe (Serie)

Antrieb auf die Hinterräder, Heckmotor

Länge/Breite/Höhe 2,70/1,56/1,54 Meter

Radstand 1,87 Meter, Wendekreis 8,75 Meter

Leergewicht 770 (tatsächlich 790), zulässiges Gesamtgewicht 1050 Kilogramm, Anhängelast nicht geprüft, Kofferraumvolumen 220 bis 340 Liter

Reifengröße 155/60 R 15 (vorne), 175/55 R 15

Höchstgeschwindigkeit 145 km/h (begrenzt)

Von 0 auf 100 km/h in 11,5 s

Verbrauch 7,1 bis 8,3, im Durchschnitt 7,6 Liter Super je 100 km; 116 g/km CO2 bei Normverbrauch von 6,4 Liter; Tankinhalt 40 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 12, TK 12, VK 12

Garantie 2 Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 6 Jahre gegen Durchrostung, Mobilitätsgarantie zwei Jahre, Wartung alle 15 000 km oder jährlich



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

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