Fahrtberichte

Fahrtbericht Audi A6 Allroad Quattro

Mit sicherem Tritt in schwindelnde Höhen

Von Michael Kirchberger

21. Februar 2007 „Solventer Autofahrer sucht freundlichen, zuverlässigen Begleiter für Reisen über Stock und Stein in die Ferne. Ausdauer und Leistungsbereitschaft sind Voraussetzungen, Anfälligkeiten bei schlechter Witterung werden toleriert.“ Der autointeressierte Mensch, der eine solche Kontaktanzeige unter der Rubrik „Kraftfahrzeuge - Gesuche“ aufgibt, muss nicht lange warten. Audi bietet ihm seinen Traumpartner an. Der basiert auf dem A6 Avant, trägt den Namenszusatz Allroad Quattro und kann dank variabler Fahrwerkshöhe und Allradantrieb selbst dort bestehen, wo manche Straße endet.

Allerdings ist in der Tat hohe Solvenz gefragt. 52.200 Euro kostet der knapp fünf Meter lange Kombi in der Version 3.0 TDI Tiptronic. Und wer den schönen Dingen des mobilen Lebens wie Navigationshilfen, Bordtelefon und Lederausstattung oder eine Surround-Audioanlage nicht entsagen möchte, kann mehr als 20.000 weitere Euro überweisen. Für die Differenz zwischen Basispreis und der Summe der Extraposten lässt sich ein passabel ausgestatteter VW Golf anschaffen.

Die nötige Handbreit Wasser unter dem Kiel

Gleichwohl - der Geländekombi aus Ingolstadt gibt eine durchweg gute Figur ab. Massig steht er auf eindrucksvollen 19-Zoll-Leichtmetallrädern (2315 Euro Aufpreis), sie wirken im Vergleich zu den serienmäßigen 17-Zöllern wie Ölfass-Scheiben und sehen einfach prachtvoll aus. Am Bug fordert der übergroße Kühlergrill Respekt. Die Radhäuser sind breiter ausgestellt als beim A6 Avant, wuchtigere Türschweller und die mit einem Unterfahrschutz versehenen Stoßfänger vorn und hinten geben dem Allroad Quattro den Charakter von Timber-Jack im Ausgehanzug. Aber der Schein trügt hier nicht, die Anbauteile an Bug und Heck sind nicht aus Kunststoff, sondern aus Edelstahl. Und anders als viele gerade erscheinende Neuwagen wie der Cross Golf von VW oder der Roomster Scout von Skoda ist der Allroad Quattro keine Mogelpackung.

Der Unterfahrschutz gibt einen Charakter von Timber-Jack im Ausgehanzug Die Luftfederung des Wagens erlaubt eine variable Bodenfreiheit Kaum aufzuhalten jenseits befestigter Wege und souverän auf der Langstrecke Für den Innenraum hält Audi Extras im Wert von mehr als 20.000 weitere Euro b...

Die Luftfederung des Wagens erlaubt eine variable Bodenfreiheit. Bei hohem Tempo schmiegt sich der Audi an den Asphalt, um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Sechs Zentimeter macht der Lagenwechsel aus, genug, um ein sehr anständiges Fahrverhalten auf kurvigen Straßen zu garantieren und andererseits bei Untiefen die nötige Handbreit Wasser unter dem Kiel zu garantieren - falls der Allroad-Quattro-Besitzer tatsächlich die oft besungene Jagdhütte in den Bergen sein Eigen nennen sollte.

Souverän und unbeirrt zieht er seine Bahn

Die Einstellung der Luftfederung ist denkbar einfach und schließt Fehlbedienung aus, auf Tastendruck hebt sich die Karosserie und schraubt sich auf bis zu 18,5 Zentimeter Bodenfreiheit nach oben. Auf unbefestigten Wegen gibt das Ingolstädter Multitalent also eine gute Vorstellung, sein Traktionsvermögen ist trotz des Fehlens einer Geländereduktion gut. Mit unglaublichem Griff zieht er sich dank eines selbstsperrenden Mittendifferentials und daraus resultierender variabler Verteilung der Antriebsmomente über aufgeweichte Feldwege und verschneite Auffahrten hinauf in nicht herbeigeschwindelte Höhen. Die bei normaler Fahrt paritätisch zwischen Vorder- und Hinterachse aufgeteilten Momente können auf losem Untergrund bis zu 75 Prozent nach vorn oder hinten gelenkt werden.

Da aber der Wintereinsatz im Zuge der Klimaerwärmung immer mehr an Bedeutung verliert, erwarten wir vor allem ein tadelloses Fahrverhalten auf langen Strecken, auf Autobahnen und Landstraßen. Der Allroad Quattro enttäuscht hier selbst höchste Erwartungen nicht. Souverän und unbeirrt zieht er seine Bahn, fast stoisch tourt er über lange Strecken geradeaus, Spurrillen, Seitenwind oder die aerodynamischen Bugwellen von Lastwagen lassen ihn völlig unbeeindruckt. Das fördert die Reise-Qualität und das Wohlbefinden der Passagiere.

Der Diesel schnurrt mit gelassener Heiterkeit

Die Federung spielt dabei virtuos in der Meisterklasse auf. Eine Voreinstellung ist möglich, der Fahrer kann über das elektronische Informations- und Fahrzeugmanagementsystem MMI die gewünschte Härte programmieren. Die Stufe Comfort hält, was sie verspricht, Dynamic bietet sich für flinke Touren, am besten ohne Beifahrer an. Am beliebtesten ist die Stellung Automatic, denn dann passen sich die Luftfedern den jeweiligen Fahrzuständen an, der Allroad Quattro regelt die Sache dann selbständig. Feinfühlig sprechen die Dämpfer bei kleinen Stößen an, mit langem Atem bügeln sie heftigere Unebenheiten weg. Das funktioniert auf Asphalt beinahe genauso gut wie auf Schotter, wenn die höchstmögliche Karosserielage in der Einstellung Lift gewählt wurde. Die hält der Allroad Quattro bis 35 km/h, darüber senkt er sich auf das normale Geländeniveau ab, dann sind 17,5 Zentimeter immer noch ausreichend für ausgefahrene Feldwege.

Der Dreiliter-V6 passt vorzüglich zum Charakter des Audi. In Verbindung mit dem sechsstufigen, automatischen Tiptronic-Getriebe erlaubt er sich nicht die kleinste Anfahrschwäche, sanft, aber mit Nachdruck stemmt er den 1935 Kilogramm wiegenden Allradler nach vorn. Aus dem Stand ist die 100-km/h-Marke nach 7,5 Sekunden erreicht, zügig geht es weiter in höhere Bereiche, die weder von Unruhe des Fahrwerks noch akustischen Auffälligkeiten begleitet werden. Abrollgeräusche sind trotz Winterbereifung kaum hörbar, der Wind summt ein nur leises Lied, und der Diesel schnurrt mit einer gelassenen Heiterkeit, dass es eine wahre Freude macht, weite Distanzen sänftengleich zu überwinden.

Konstante Höhe trotz voller Beladung

Die Automatik wechselt die Übersetzungen stets flink, aber ohne Hektik, Sanftheit ist ihre vornehmste Tugend. Beim Zwischenspurt braucht sie einen Augenblick zu lange, um zurückzuschalten, die Wahl des Tiptronic-Modus ist bei zügigen Überholvorgängen angeraten. Dass sich der Allroad Quattro dabei sehr zurückhaltend am Spritvorrat bedient, macht ihn umso sympathischer. Um mit 7,1 Liter Diesel für 100 Kilometer unterwegs zu sein, muss der Gasfuß nicht spürbar gelupft werden, selbst bei diesem Verbrauch geht es noch flott voran. 8,8 Liter Diesel als Durchschnitt für 100 Kilometer sind unter Berücksichtigung von Gewicht und Leistung ein Wert, der die Zukunft wieder in besserem Licht erscheinen lässt.

Fein sprechen die Bremsen an, die Lenkung meldet stets zuverlässig, wie es um Traktion und Fahrbahn bestellt ist, und spricht bestens an. Sie unterstützt präzise das zielgenaue Einlenken in Kurven, erleichtert kleine Korrekturen, wenn der Audi nach lange neutralem Fahrverhalten sanft über die Vorderräder schiebt, wenn das Tempo nicht zum Kurvenradius passt. Bei Fahrten mit voller Beladung ändert sich an diesen Eigenschaften kaum etwas, die Luftfederung hält die Karosserie immer auf konstanter Höhe und hindert das Heck am Sinken.

Ein Auto mit vielen Qualitäten

Das Ladevolumen ist stattlich. Selbst Sperrgepäck findet Platz, das Umklappen der Sitzanlage im Fond gelingt sehr leicht und schnell. Empfehlenswert ist das Ladungssicherungspaket mit Gurten und verstellbaren Spangen im Kofferraum, dann kann nichts verrutschen und über den feinen Teppichboden schubbern, ihn gar beschädigen. Achtung ist bei schlechtem Wetter geboten. Dann bewirft sich der Audi trotz ausgefeilten aerodynamischen Schliffs voller Selbstverachtung mit dem Schmutz der Straße. Auf der Ladekante bleibt er liegen, Gepäck gilt es also gleich ins Innere zu befördern und nicht erst dort abzustellen. Die Heckscheibe und die ohnehin zu kleinen Außenspiegel sollten regelmäßig gesäubert werden, denn der Rückblick ist aufgrund der abfallenden Dachlinie eingeschränkt, verschmutztes Spiegelglas macht die Aussicht nach hinten nicht besser.

Der Allroad Quattro hat viele Qualitäten. Ausreichend wendig in der Stadt, kaum aufzuhalten jenseits befestigter Wege und souverän auf der Langstrecke, hat er sich nachdrücklich empfohlen. Wir haben ihn nur ungern wieder hergegeben.



Text: F.A.Z., 20.02.2007, Nr. 43 / Seite T3
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

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