Fahrtberichte

Fahrtbericht Mitsubishi Outlander 2.4 Sport

Der günstigere Weg auf schlechten, glatten Straßen

Von Michael Kirchberger

24. Februar 2004 Die Nachfrage bei den Sport Utility Vehicles ist ungebrochen hoch, immer größer und vielfältiger wird das Angebot an allradgetriebenen, leichten Geländewagen und Großraumkombis. Mitsubishi hat die Modellpalette um den zwischen den beiden Untergattungen der SUV-Familie siedelnden Outlander verstärkt, das 4×4-Fahrzeug mag allen gefallen, denen ein richtiger Geländegänger zu wuchtig und ein herkömmlicher Kombi zu bieder wirkt. Formal ausdrucksstark, kräftig motorisiert und für 23.990 Euro angeboten, kann der Mitsubishi das Profil der Marke sinnvoll schärfen.

Der Outlander tritt selbstbewußt auf. Hinter der markanten Kühlernase mit den drei Diamanten streckt er sich über 4,54 Meter in die Länge, er steht auf schmucken Leichtmetallrädern im 16-Zoll-Format und ragt mit 1,62 Meter Höhe deutlich über die herkömmlichen Kombis hinaus. Die Karosserie ist frei von schmückenden Schnörkeln, geradlinig und sachlich gehalten, einzig die Dachreling und ein maßvoll ausladender Dachspoiler setzen zurückhaltende Akzente. Auf den Fahrerplatz gelangt man ohne übertriebene Verbeugung, die eher hohe Position hinter dem horizontal verstellbaren und lederbezogenen Volant erlaubt einen guten Überblick über die Karosserie.

Das klare Außendesign setzt sich innen fort. Eine wunderbar übersichtliche Aufteilung des Armaturenbretts und gut ablesbare, große Rundinstrumente für Geschwindigkeit und Drehzahl machen die Bedienung des Outlander einfach. Hier setzt eine Zierfläche in dunkler Wurzelholz-Optik mit mittig eingebauter Analog-Uhr unter dem Instrumententräger einen Kontrapunkt zur sachlichen und funktionalen Gestaltung. Die anthrazitfarbene Intarsie wiederholt sich in den Armauflagen der Türen. Die Schalter und Hebel liegen an den gewohnten Positionen, der Allrad-Mitsubishi pflegt seinen ehrlichen Charakter bis ins Detail.

Kein Gardemaß

Eine gute Sitzposition ist schnell eingestellt, den Rücken schont eine gut plazierte Lordosenstütze, die Lehnen der vorderen Sessel bieten ordentlichen Seitenhalt, die Sitzpolster sind angenehm straff. Ablagen sind reichlich vorhanden, die in der Mittelarmlehne sowie die Türtaschen sind vielleicht etwas knapp ausgefallen, viel mehr als drei Faltblätter der Generalkarte oder drei CD-Hüllen passen hier nicht hinein. Platz genug gibt es dagegen im Kofferraum. Zwar ist dessen Boden, bedingt durch den zusätzlichen Hinterradantrieb, weit nach oben gewandert, er nimmt dennoch 402 Liter Gepäck auf. Klappt man die asymmetrisch teilbaren Rückenlehnen der Bank nach vorn - das gelingt mit einem Handgriff und ohne die Kopfstützen aus ihren Halterungen zu nehmen -, so wächst der Stauraum bei dachhoher Beladung auf 1049 Liter.

Das ist kein Gardemaß, dürfte aber für die meisten Transportbedürfnisse des Alltags ausreichen. Unter dem vollkommen ebenen Kofferraumboden findet sich über dem dort untergebrachten Reserve-Notrad eine wasserdichte Wanne für feuchte Mitnehmsel. Im Laderaum gibt es stabile Ösen zum Befestigen des Gepäcks, in eine 12-Volt-Steckdose kann man zum Beispiel eine Kühlbox einstöpseln. Die Heckklappe öffnet weit nach oben und schwindet aus dem stirnbedrohenden Bereich, ein Griff zum Schließen der großen Ladeluke ist in deren Rahmen, das heißt an der richtigen Stelle eingelassen. Die Kofferraumkante liegt in etwa 85 Zentimeter über dem Boden, die Höhe des Outlander muß eben irgendwo ihren Tribut fordern.

Getriebe gehört nicht zum Feinsten

Auf der Bank im Fond finden zwei Passagiere dank vorzüglicher Kopf- und Beinfreiheit sehr bequem Platz, selbst der dritte Mitfahrer reist noch komfortabel, er kann zudem eine vollwertige Kopfstütze und einen eigenen Dreipunktgurt nutzen. Die Lehne der Rückbank kann in feiner Rastung dem Bedarf angepaßt und stärker nach hinten geneigt werden, die Befestigung der Gepäckraumabdeckung läßt sich entsprechend verändern. Die Lehne des Beifahrersitzes wiederum kann nach vorn umgelegt werden, der Sitz wird so zum Tisch oder zur bequemen Beinablage.

Das Vorankommen mit dem Outlander gelingt selbst bei widrigen Straßenbedingungen trefflich. Der permanente Allradantrieb sorgt für die notwendige Traktion, wenn die Fahrbahnen glatt sind, der 2,4-Liter-Benzinmotor stellt 118 kW (160 PS) und 216 Newtonmeter Drehmoment bei 4000 Umdrehungen in der Minute bereit. Er tut dies mit einer gewissen Souveränität, wirkt kaum angestrengt und beschleunigt den 1560 Kilogramm wiegenden Mitsubishi mühelos und zügig auf seine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Bereits unter 2000/min liefert der mit vier Ventilen je Brennraum arbeitende Vierzylinder genügend Durchzugsstärke, um auf allzu häufige Gangwechsel verzichten zu können.

Eine variable Steuerung der Einlaßventile ist der Grund für die angenehme Durchzugskraft, je nach Drehzahl und Leistungsabruf verändern drei verschiedene Nocken der Welle Öffnungszeiten und Hub der beiden Ventile je Brennraum. Das tröstet über die einzige Schwäche des Antriebsstrangs hinweg: Die Schaltbarkeit des Getriebes gehört nicht zum Feinsten, was der Outlander zu bieten hat. Nicht immer leichtgängig und ohne die geschätzte Präzision rührt der kurze Hebel in der Kulisse, das geht bei anderen Modellen der Marke besser. So bedarf es einiger Übung, um die vom Hersteller angegebene Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h zu erreichen. 9,9 Sekunden dauert dieser Standardsprint. Die Windgeräusche halten sich selbst bei Höchstgeschwindigkeit in Grenzen, der Motor arbeitet ebenfalls nicht übermäßig laut. Vibrationen oder Dröhngeräusche treten nicht auf, was gerade auf längeren Reisen das Fahren komfortabel macht.

Seitenwind läßt ihn unberührt

Fahrzeuggewicht, die große Stirnfläche und der permanente Allradantrieb sind die Faktoren, die den Treibstoffverbrauch des Outlander nach oben treiben. 10,1 Liter Super für 100 Kilometer war der von uns ermittelte Durchschnittswert. Bei behutsamer Fahrweise genügten auch mal 9, bei schneller Autobahnfahrt wurden es bis zu 13,8 Liter. Die Reichweite mit dem 60-Liter-Vorrat im Tank kann so ganz unterschiedlich ausfallen. Der Motor erfüllt die Anforderungen von Euro 4.

Die Federung des Crossover-Kombis verrichtet ihre Arbeit zufriedenstellend, straff, aber immer noch komfortabel nimmt der Outlander die Unebenheiten der Straße. Die Bremsen lassen sich gut dosieren und beweisen Standfestigkeit, das schnelle Ansprechen ist ihre auffälligste Stärke.

In Kurven legt der Allrad-Wagen eine deutliche Neigung zum Untersteuern an den Tag. Recht früh schiebt er über die Vorderräder in Richtung Außenrand der Fahrbahn. Wer dann erschrocken den Fuß vom Gas nimmt, muß mit einer spürbaren Lastwechselreaktion rechnen, die sich jedoch gut kontrollieren läßt. Diese Bewegung des Hecks kündigt sich frühzeitig an, man kann sie auch zur Erhöhung der Agilität bewußt provozieren. Ein ESP ist nicht im Angebot, würde dem Mitsubishi aber gut stehen. Der hohe Aufbau führt zu deutlichen Karosseriebewegungen, Seitenwind läßt ihn weitgehend unberührt.

Zu den Wurzeln des Erfolgs

Die Ausstattung, der Preis und die tadellose Verarbeitung des Outlander sind wesentliche, seine Attraktivität steigernde Attribute. Elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, große, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, eine Klimaautomatik, ABS und vier Airbags gehören serienmäßig dazu.

Auch die Außentemperaturanzeige des im Kilometer-Display integrierten Bordcomputers ist sinnvoll, zumal sie bei Frostgefahr unter drei Grad akustisch warnt. Und ein permanenter Allradantrieb ist mit einer solch kräftigen Motorisierung in dieser Klasse kaum günstiger zu haben. So kann es Mitsubishi gelingen, zurück zu den Wurzeln des Erfolgs zu finden. Solide Autos mit inneren Werten und einem Hauch von Charme werden immer gekauft.

Daten und Meßwerte

Empfohlener Preis 23 990 Euro

Preis des Testwagens 24 350 Euro

Vierzylinder-Reihenmotor, 2378 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 118 kW (160 PS) bei 5750/min

Höchstes Drehmoment 216 Nm bei 4000/min, 90 Prozent davon ab 2000 bis 5900/min

Erfüllt Euro 4

Manuelles Fünfganggetriebe

Permanenter Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe 4,54/1,75/1,62 Meter

Radstand 2,63, Wendekreis 12 Meter

Leergewicht 1540 (tatsächlich 1560), zulässiges Gesamtgewicht 2070, Anhängelast 1500 Kilogramm; Kofferraumvolumen 402 bis 1049 Liter Reifengröße 215/60 R 16 95 H

Höchstgeschwindigkeit 200 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 9,9 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 10,1/14,9 s

Verbrauch 9 bis 13,8, im Durchschnitt 10,1 Liter Super je 100 km; Tankinhalt 60 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 18, TK 32, VK 22

Vollkosten je km (bei 20000 km/Jahr) 0,37 Euro



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

 
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