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Fahrtbericht VW Passat BlueMotion

Auf zu schöner Sparsamkeit

Von Gerold Lingnau

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31. Juli 2007 Baut endlich sparsamere Autos: So ruft es wieder unisono aus Richtung Politik. Der Adressat, die Automobilindustrie, verharrt in Schreckstarre, obwohl er das Zeremoniell langsam kennen müsste: Geprügelt werden nicht die Käufer, die ihre Nachfrage zum guten Teil noch an ganz anderen Kriterien ausrichten, sondern diejenigen, die liefern, was ihre Kundschaft verlangt.

Gewiss haben die Hersteller in allen Auto-Größenklassen bereits schöne Fortschritte bei der Kraftstoff-Ökonomie erreicht. Aber für die Protagonisten der Umweltpolitik zählt nicht das relativ, sondern allein das absolut sparsame Fahrzeug. Ökologisch punkten kann nur noch eine 5 vor dem Komma beim Normverbrauch oder hilfsweise ein weit unter 140 Gramm je Kilometer liegender Ausstoß an Kohlendioxid.

Den Schwarzen Peter loswerden

Die deutschen Automobilunternehmen haben den Ernst der (politischen) Lage erkannt und beeilen sich jeder auf seine Weise, den Schwarzen Peter loszuwerden. Wer komfortable Renditen erwirtschaftet, kann mehr tun – wie etwa BMW mit seinem Bündel technischer Maßnahmen unter dem Namen „Efficient Dynamics“, das auch aufwendigere Lösungen enthält.

Wer sich dagegen unterhalb des Premium-Segments herumbalgen muss, der sieht sich lieber nach günstigeren Möglichkeiten um, die tunlichst auch schnell zu realisieren sein sollten. Volkswagen hat für das Ergebnis dieser Bemühungen das Kunstwort BlueMotion erfunden, das bald in allen gängigen Modellreihen den jeweiligen Sparkünstler zieren soll.

Niedrige Drehzahlen und satter Durchzug

Der Polo machte den Anfang, der Golf soll bald folgen. Dazwischen startete der Passat BlueMotion, und bei diesem großen Auto ist die Trimm-Aktion mit ihren allfälligen Erfolgen besonders interessant. Motor, Kraftübertragung und Karosserie mussten gleichermaßen auf den Sparkurs eingeschworen werden.

Beim Antrieb ist die Zielrichtung klar. Erstens: Ein Diesel muss es sein. Zweitens: Die Drehzahl muss herunter, denn Verbrennungstakte, die gar nicht erst stattfinden, benötigen auch keinen Kraftstoff. Hier ist ein perfektes Leerlauf-Management ebenso gefragt wie „lange“, also drehzahlsenkende Übersetzungen in Getriebe und Achsantrieb.

Drittens: Die Motorelektronik muss generell aufs Sparsamkeitsziel hin optimiert werden, und eine Verminderung der inneren (mechanischen) Reibungsverluste ist dringend erwünscht. Viertens und schwierigstens: Die Fahrbarkeit darf unter alldem auf keinen Fall leiden, auch bei ganz niedrigen Drehzahlen muss satter Durchzug ohne Vibrationen, Brummen oder Ruckeln sichergestellt sein. Flankierend dazu muss man der Karosserie noch ein paar Prozent vom Luftwiderstand abknapsen. Und die Reifenhersteller werden ans Portepee gefasst: weniger Rollwiderstand, bitte.

Anzeige empfiehlt den Gangwechsel

Volkswagen hat beim Passat BlueMotion auf allen diesen Baustellen gearbeitet, und das unter scharfer Kostenkontrolle. So wurde zum Beispiel nicht nach dem Sechsganggetriebe der stärkeren Diesel-Passat gegriffen.

Es blieb bei fünf Gängen mit allerdings längeren Übersetzungen vor allem für die oberste Stufe, und eine Anzeige im Instrumentenfeld sagt dem Fahrer, wann er die Gänge wechseln sollte. Die Leerlaufdrehzahl wurde um 100 je Minute gesenkt (das sind immerhin zwölf Prozent), aber es gibt nicht, wie bei BMW, eine Stopp-Start-Automatik, die beim Anhalten den Motor ausschaltet.

Tiefergelegte Karosserie

Ob da noch das Trauma aus den achtziger Jahren nachwirkt, als eine solche Vorkehrung von VW (damals eine Innovation im Paket „Formel E“) bei den Käufern durchfiel, oder ob da nur finanzielle Erwägungen walteten? Weniger Geld kostete jedenfalls die Optimierung der elektronischen Motorsteuerung, die sich auf Turbo-Ladedruck, Einspritzzeitpunkt und Abgasrückführung erstreckte.

Triebwerk des BlueMotion ist der kleinste im Passat angebotene Diesel, der 1,9-Liter-TDI mit Pumpe-Düse-Einspritzung und 77 kW (105 PS) Leistung, der sich auch im Nenn-Drehmoment (250 Newtonmeter bei 1900 Umdrehungen je Minute) nicht vom parallel angebotenen Nicht-BlueMotion-Modell unterscheidet.

Um zwölf Prozent gegenüber diesem wurde der Luftwiderstandsbeiwert der Karosserie verbessert (sehr gute 0,273 bei der Limousine, etwas schlechter beim Kombi Variant). Sie wurde zudem ein wenig tiefergelegt, der Unterboden wurde sorgfältig abgedeckt und der Lufteinlass an der Front verkleinert.

Ökonomie und Fahrspaß

So weit das rationelle Sparprogramm beim Passat BlueMotion. Wie bewährt es sich nun in der Praxis? Für ein fast 4,80 Meter langes Auto sind 77 kW keine sehr imponierende Leistung, und so liegt die Befürchtung nahe, dass hier Sparsamkeit zur freudlosen Tugend wird.

Aber nichts da: Die VW-Ingenieure haben es verstanden, Ökonomie und Fahrspaß nicht gegeneinander auszuspielen. Das fängt bei den reinen Messwerten an. Da tut die bessere Aerodynamik das Ihre und dass der Passat BlueMotion für seine Ausmaße ein recht leichtes Auto ist.

Kräftige Beschleunigung

Unser Exemplar, die Limousinen-Version, wog leer 1450 Kilogramm. Es war sogar deutlich kräftiger als angegeben – 11,2 statt 12,1 Sekunden Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h und stolze 202 statt 193 km/h Spitze, bei nicht einmal 4000/min. Da kann man nicht meckern.

Dass bei den Getriebeänderungen Maß gehalten wurde, beweisen die Elastizitätswerte: 10,8 Sekunden von 50 auf 100 km/h im 4. Gang, 19,0 im 5. – gut so, denn bei noch „längeren“ Übersetzungsverhältnissen wächst nur das Bedürfnis des Fahrers, häufiger zurückzuschalten, und der Verbrauchsvorteil ist wieder dahin.

Entzauberung der Wunderautos

Stichwort Verbrauch, und damit zum Kernpunkt der ganzen Aktion. Sie scheint gelungen, denn unser Wagen glänzte in gut gemischtem Betrieb – einschließlich einer Autobahnreise Frankfurt–München und zurück, so schnell wie es der Verkehr erlaubte – mit einem Durchschnitt von ganzen 5,7 Liter Diesel je 100 Kilometer.

Das ist ein prächtiger Wert und entzaubert Wunderautos wie den deutlich kleineren Hybriden Toyota Prius 2, der bei uns im Mittel 6,4 Liter Super zu sich genommen hatte. Der Inhalt des Passat-Tanks von 70 Liter reicht damit für eine Distanz von weit über 1000 Kilometer. Dass der tatsächliche vom Normverbrauch (5,1 Liter) wie üblich eine Strecke weit entfernt ist, braucht da nicht zu stören – eher schon, dass die Multifunktionsanzeige den Wert im Schnitt um 7 Prozent schöner rechnete.

Der akustisch nicht gerade vornehme TDI-Motor ist im BlueMotion nach innen gut gedämpft und lässt sich schon aus 800/min ohne großen Protest hochdrehen; ab 4000/min geht es dann zunehmend zäh voran. Die fürsorgliche Schaltanzeige hilft nur dem, der die Regeln fürs sparsame Fahren immer noch nicht kennt. Ein Terror-Regiment übt sie aber nicht aus, ihre Vorschläge sind durchaus vernünftig.

Viele Ablagen und reichlich Zuladung

Der BlueMotion kostet 850 Euro mehr als ein gleich motorisierter Passat Trendline ohne die Spar-Zutaten. Dafür bekommt man zusätzlich Bordcomputer, Leichtlaufreifen und den hier serienmäßigen Partikelfilter (sonst 575 Euro).

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist also günstig. Inbegriffen sind natürlich alle bekannten Passat-Tugenden: ein sehr sicheres Fahrwerk einschließlich ESP, das auch ordentlichen Federungskomfort bietet, tadellose Bremsen, eine großzügige viertürige Karosserie mit viel Platz für vier (und weniger für den Fünften), 565 Liter Kofferraum mit Vergrößerungsmöglichkeit, aber ohne Reserverad, viele Ablagen und reichlich Zuladung.

Waschechter Passat

Das Armaturenbrett verdiente jedes Lob, wenn nicht die von VW so geliebte blaue Instrumentenbeleuchtung wäre. Und ein trübes Kapitel sind die in viele Richtungen eingeschränkten Sichtverhältnisse.

So ist auch der BlueMotion ein waschechter Passat, dem ebenso das reichhaltige Sortiment an Extras offensteht (unser Wagen war auf 33 289 Euro hochgerüstet, und da war nur wenig Überflüssiges dabei). Wir meinen: Niemand muss sich scheuen, ihn zu kaufen. Und VW sollte BlueMotion zur Devise fürs ganze Programm machen.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 26.300 Euro
Preis des Testwagens 33 289 Euro

Vierzylinder-Turbodiesel, Pumpe-Düse-Einspritzung, 1896 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 77 kW (105 PS) bei 4000/min
Höchstes Drehmoment 250 Nm bei 1900/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1500 bis 2700/min

Manuelles Fünfganggetriebe (Automatik nicht lieferbar)
Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,77/1,82/1,45 Meter
Radstand 2,71, Wendekreis 11,4 Meter
Leergewicht 1422 (tatsächlich 1450), zulässiges Gesamtgewicht 2030, Anhängelast 1200 Kilogramm; Kofferraumvolumen 565 Liter
Reifengröße 205/55 R16 91H

Höchstgeschwindigkeit 202 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 11,2 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 10,8/19,0 s

Verbrauch 5,2 bis 5,9, im Durchschnitt 5,7 Liter Diesel je 100 km; 136 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,1 Liter; Tankinhalt 70 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 17, TK 23, VK 17
Garantie 2 Jahre, auf Lack 3 Jahre, auf Durchrostung 12 Jahre, Mobilitätsgarantie bei autorisiertem Service, Wartung alle 30.000 km oder 2 Jahre

28.300 Euro: ausgereiftes Modell mit agilem Fahrwerk, der (größere) Nachfolger steht schon bereit
28.200 Euro: viel Raum für Passagiere und Gepäck im derzeit größten Ford für Europa, üppige Karosse
24.400 Euro: die französische Alternative in der Mittelklasse, gute Raum- und Komfort-Offerte

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

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