Von Michael Kirchberger
07. Januar 2004 Wer ist nun der Nachfolger der Ente? Dem C3 von Citroën wurde dies zu Unrecht nachgesagt; der von ihm abgeleitete C2 hat neben einer gewissen Ähnlichkeit im Namen aufgrund seiner Marktpositionierung schon eher das Zeug dazu. Allerdings fehlen dem C2 zwei Türen hinten, und er bemüht sich zu sehr um die Anerkennung der Schickeria. Der Kompaktwagen gibt sich nur in der Seitenlinie unkonventionell, gleitet aber sonst im Strom der herrschenden Formen.
Der kleine Citroën bietet in seinem hellen, mit harten Plastikverkleidungen ausgekleideten Innenraum nur vier Sitzplätze. Die vorderen sind weich und bequem, in Kauf nehmen muß man allerdings den schlechten Seitenhalt. Man sitzt nicht im, sondern auf dem Sessel, das zwingt den Fahrer, in Kurven Halt am Lenkrad zu suchen. Immerhin ist eine ausreichende Verstellmöglichkeit gegeben, die Vordersitze lassen sich weit nach hinten schieben, um den Beinraum zu vergrößern, der Fahrer thront jedoch nach der Einstellung des korrekten Abstands zwischen Oberkörper und Lenkrad mit einer sehr steil stehenden Rückenlehne auf seinem Platz. Und dies, obwohl sich das Volant nicht nur in der Höhe, sondern auch in der Tiefe verstellen läßt, nur eben nicht weit genug.

Die Bedienung des C2 ist einfach. Die Schalter und Hebel erklären sich weitgehend von selber, alles ist an erwarteter Stelle positioniert, die Funktionen der Geschwindigkeitsregelanlage sind in den Speichen des Lenkrades integriert, die Instrumente klar ablesbar. Der Spaß am Spiel von Citroën zeigt die Kombination des Tachos mit dem Drehzahlmesser. Die digitale Geschwindigkeitsanzeige wird von einem Kreissegment überwölbt. Das zeigt mit einem kleinen wandernden Punkt, die Drehzahl an. Kühlmitteltemperatur und Treibstoffvorrat werden über Balkendiagramme signalisiert. Die Lüftung des C2 arbeitet tadellos, die Luftströme können mit fein justierbaren Austrittsdüsen gut gelenkt werden, nach spätestens 1000 Meter Strecke fächelt der leise arbeitende Ventilator selbst bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bereits warme Luft in den Innenraum. Ablagen finden sich in ausreichender Zahl und in gut bemessenen Größen, allerdings fehlt ihnen der rutschfeste Boden.
Wachsendes Volumen
Hinten sitzt es sich weit weniger komfortabel. Zwar gibt es um 12 Zentimeter verstellbare Einzelsitze, aber selbst wenn sie in der hintersten Position arretiert werden, fehlt es an Beinfreiheit. Zudem schränkt ein Wulst vor der Heckklappe, in dem die Klappen-Scharniere versteckt sind, den Raum für die Köpfe störend ein. Wir können dem C2 die Viersitzigkeit für Erwachsene allenfalls nur auf kurzen Strecken attestieren, zumal die Kopfstützen hinten viel zu klein sind und sich nicht weit genug nach oben verstellen lassen. Besser nutzt man den C2 als Zweisitzer mit kommoder Lademöglichkeit.
Die Lehnen der Einzelsitze hinten können umgeklappt oder mitsamt der Sitzfläche nach vorn aufgestellt werden, dann wächst das Volumen des Kofferraums von 166 auf bis zu 879 Liter bei dachhoher Beladung. Die Heckklappe öffnet zweigeteilt. Ihre obere Hälfte schwingt weit nach oben und droht nicht mit gefährlichen Kanten in Stirn- oder Augenhöhe. Die untere Klappe öffnet nach unten und wird dann von zwei belastbaren Drahtseilen in waagerechter Position gehalten. Die Ladekante ist zwar immerhin 76 Zentimeter hoch, schweres Transportgut kann jedoch auf der entstehenden ebenen Fläche des unteren Heckklappenteils zwischengeparkt werden. Für größeres Gepäck sind beide Teile der Heckklappe zu öffnen, das erfordert immer zwei Handgriffe.
Höchstgeschwindigkeit nicht erstrebenswert
Der 1,4-Liter-Vierzylinder des C2 ist der Aufgabe leidlich gewachsen. Seine Geräuschentwicklung ist eben noch erträglich, bei höheren Touren klingt er freilich eher angestrengt, braucht aber höhere Drehzahlen, um etwa beim Einfädeln in den fließenden Verkehr eine halbwegs vernünftige Beschleunigung zu erzielen. Von 0 bis 100 km/h vergehen 15,2 Sekunden, 171 km/h Höchstgeschwindigkeit sind möglich, aber nicht erstrebenswert, weil die Unterhaltung im Innenraum dann durch allerlei Dröhn- und Brummfrequenzen erheblich erschwert wird. Zwischen 5,8 und 8,1 Liter Super für 100 Kilometer pendelte der Treibstoffkonsum, im Durchschnitt lag der Verbrauch bei 7,1 Liter, deutlich mehr als die 6,2 Liter nach Norm. In den Tank passen 41 Liter, die 1,4-Liter-Version des C2 erfüllt wie alle anderen Motorvarianten Euro 3 und D4.
Das automatisierte Schaltgetriebe Sensodrive kann entweder im Automaik-Modus oder mit Schaltbefehlen über den kurzen Hebel auf dem Mitteltunnel sowie feststehenden Wippen hinter dem Lenkrad geschaltet werden. Beim Wechseln der fünf Übersetzungen läßt es sich eine Menge Zeit, was bei entspannter Bummelfahrt kein Manko ist. Im Berufsverkehr dagegen zeigt sich Sensodrive gar nicht sensibel. Zunächst dauert es eine ganze Weile, bis der Automat auf den Gasbefehl hin zum Beschleunigen zurückschaltet, nach dem kurzen Zwischenspurt läßt er den Motor viel zu lange mit hoher Drehzahl arbeiten, obwohl längst nicht mehr die volle Leistung gefordert ist.
Kompliziert im Umgang
Das Fahren im manuellen Modus führt zwar nicht zu kürzeren Schaltzeiten, aber zu spontanerer Beschleunigung und Fahren mit angemesseneren Drehzahlen. Beim Rangieren kann das Sensodrive-System ebenfalls nicht begeistern, die automatische Kupplung schließt unvermittelt, beim Parken bewegt sich der kleine Citroën störend sprunghaft. Das Quietschen der Reifen begleitet den rangierenden C2-Fahrer wie jener Geist, der stets das Gute will, doch nur das Böse schafft. Das zeigt sich beim schnellen Umschalten vom Vorwärts- in den Rückwärtsgang. Dann erzeugt der Automat gelegentlich ein Geräusch, als hätte man gerade beim Ausparken den Vordermann touchiert.
Mangelnde Dosierbarkeit haftet in weniger drastischer Form den Bremsen an. Sie sorgen für ordentliche Verzögerungswerte und beweisen Standfestigkeit, verlangen aber einen höchst gefühlvoll agierenden rechten Fuß. Die Lenkung ist leichtgängig, aber nicht sonderlich präzise, es vergeht eine Weile, bis man nicht mehr zu stark in Kurven einlenkt, weil der Dreh am Volant bar jedes Gefühls für Fahrbahnbeläge und Kurvenradien ist. Hierunter leidet der Geradeauslauf. Ohnehin sorgt der kurze Radstand schon für eine gewisse Nervosität des rund 1040 Kilogramm schweren, frontgetriebenen Wagens. In Kurven neigt sich die Karosserie im noch vertretbaren Rahmen zum Außenrand, das Fahrwerk ist weich und komfortabel abgestimmt. Stöße werden gut gedämpft, was auch bei unebener Straße in Kurven zu sicherem Fahrverhalten führt. Die Neigung zum kontrollierbaren Untersteuern bleibt auch nach dem Gaswegnehmen erhalten, das ESP ist samt Antriebsschlupfregelung nur als Sicherheitspaket in Verbindung mit Kopfairbags für Fahrer und Beifahrer zum Preis von 525 Euro zu haben.
Agil trotz Ecken und Kanten
Im Stadtverkehr spielt der C2 seine Trümpfe am rechten Ort zur rechten Zeit aus. Er ist agil und handlich, der kleine Wendekreis macht ihn in Verbindung mit der geringen Länge zum König der Parklücke. Die Ausstattung der Spitzenversion VSX ist mehr als ordentlich, an Bord sind ABS, Front- und Seitenairbags für Fahrer- und Beifahrer, eine automatische Klimaanlage, eine fernbediente Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und der Regensensor zum automatischen Einschalten der Scheibenwischer.
Am C2, der natürlich die Entenreihe nicht fortsetzt, kann man sich reiben, denn trotz seines Bemühens um Wohlgefallen bietet er noch Ecken und Kanten. Man kann die Seitenlinie frisch finden oder sich darüber erschrecken. Nur wer Gelassenheit mit Nachsicht zu vereinen weiß, der kann über das unsensible Sensodrive-Getriebe hinwegsehen. Sonst sollte man besser zur manuellen Box greifen. Und dabei noch 900 Euro sparen.
Daten und Meßwerte
Empfohlener Preis 14 300 Euro
Preis des Testwagens 15715 Euro
Vierzylinder-Reihenmotor, 1360 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 54 kW (73 PS) bei 5400/min
Höchstes Drehmoment 116 Nm bei 3300/min, 90 Prozent davon ab 2800 bis 5200/min
Erfüllt Euro 3/D4
Automatisiertes Fünfganggetriebe
Antrieb auf die Vorderräder
Länge/Breite/Höhe 3,67/1,66/1,47 Meter
Radstand 2,34, Wendekreis 9,4 Meter
Leergewicht 991 (tatsächlich 1040) zulässiges Gesamtgewicht 1380, Anhängelast 537 Kilogramm, Kofferraumvolumen 166 bis 879 Liter
Reifengröße 165/70 R 14 82 T
Höchstgeschwindigkeit 171 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 15,2 s
Verbrauch 5,8 bis 8,1 im Durchschnitt 7,1 Liter Super je 100 km; Tankinhalt 41 Liter
Versicherungs-Typkl. HP 14 ,TK 28 , VK 12
Kosten je km (bei 16000 km/Jahr) 0,27 Euro
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2004, Nr. 4 / Seite T3
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
