Fahrtberichte

Fahrtbericht Mazda CX-7

Sportwagen im Kleid des Raumwagens

Von Michael Kirchberger

Video in voller Größe

19. Februar 2008 Die Familie der SUVs wächst vehement. Nicht nur, dass in Europa immer mehr Möchtegern-Geländewagen verkauft werden, auch die Vielfalt in der von Crossover-Gedanken und Design-Kapriolen immer vetternreicher werdenden Kategorie wird immer größer. Einen besonders strammen Spross hat Mazda aus Japan der bunten Schar beschert.

Der neue CX-7 beschränkt sich zwar auf fünf Sitze, bietet aber einen üppigen Innenraum und will mit einer einzigen, dafür aber umso kräftigeren, turbogeladenen Motorisierung die Gemeinde der sportlich orientierten Anhänger des Benzinmotors ansprechen. 191 kW (260 PS) aus 2,3 Liter Hubraum leistet der Vierzylinder, für 31.800 Euro gelingt der Einstieg in die SUV-Welt von Mazda.

Sugar Daddy aus Japan

Die Gestalt des viertürigen CX-7 prägen vorn ausgeformte Kotflügel, der markentypische Kühlergrill schließt gefällig an die gewölbte Motorhaube an, und mit strammem Hüftschwung endet die Silhouette der 4,68 Meter langen Karosserie an einem voluminösen Heck. Zwei dicke Auspuffendrohre auf beiden Seiten des ausladenden Stoßfängers deuten auf das Leistungspotential des markanten SUV hin, der CX-7 will zu den sportlichsten Vertretern seiner Klassen gehören.

Diesem Anspruch wird die Innenraumgestaltung nur bedingt gerecht. Die grundsätzlichen Zutaten hierfür sind mit von der Partie: ein sehr kleines Dreispeichen-Lenkrad, hübsch mit Klavierlack-Intarsien verziert, rot unterlegte Instrumente und elektrisch verstellbare Ledersitze. Die bieten allerdings kaum Seitenhalt, sie sind wie die rote Skalierung der Instrumente nur nette Absichtserklärungen. Aber das ausladende Armaturenbrett und die nahezu verschwenderisch großzügige Dimensionierung der Bedienungselemente und der Mittelkonsole zeigen, dass dieser Mazda auf die besonders in der Neuen Welt so geschätzten XXL-Formate setzt.

Nicht sportlich schlank, sondern opulent und füllig wirkt das Interieur trotz einer ansprechenden Material-Zusammenstellung. Sugar Daddy aus Japan eben. Die Volumina der Fächer und Ablagen enttäuschen da eher, einzig das große Fach unter der Mittelarmlehne taugt zur Mitnahme für die Dinge des Alltags, die Türtaschen sind im Format eines Briefkastenschlitzes gehalten, und Becheraufnahmen auf dem Mitteltunnel eignen sich eher für den Parkgebührbeleg oder Kleingeld als für erfrischende Getränke.

Rutschen auf dem glatten Leder

Sehr großzügig ist das Raumangebot im Fond. Dort sitzen selbst drei Passagiere sehr komfortabel. Einzig das glatte Leder der Sitzbezüge schmälert das Reisevergnügen, denn in Kurven, selbst in langsam gefahrenen, geraten Mann und Maus im Fond ins Rutschen.

Ganz große Klasse beweist der CX-7 beim Ladevermögen nicht. 455 Liter passen in den Kofferraum, wenn er bis zur Fensterkante und bis zur aufrecht stehenden Rückbanklehne befüllt wird. Klappt man die Sitzlehnen um, was eine Fernbedienung der Entriegelung vom Kofferraum aus sehr erleichtert, steigt das Volumen auf 1348 Liter bei dachhoher Beladung. Die schlanke Karosserieform und die zum Heck hin kräftig abfallende Dachlinie fordern ihren Tribut.

Gemütliche Heckklappe mit eigenem Willen

Der Mazda kommt an das Stauraum-Angebot seiner Klassen-Kameraden nicht heran. Die Ladefläche ist nicht ganz eben, die Rückbanklehnen formen einen flachen Winkel. Dafür ist das Gepäckabteil fein verkleidet und bietet unter der soliden Bodenplatte in der flauschig ausgeschlagenen Reserveradabdeckung weiteren Stauraum.

Die Heckklappe öffnet gemütlich. Wer ihr Öffnen durch Handanlegen beschleunigen möchte, kämpft gegen den Widerstand der Gasdruckheber an. Dafür schwenkt sie in Endstellung weit nach oben, Berührungsängste beim Beladen werden nicht geschürt.

Türschlösser verweigern Befehle

Den Zugang in den CX-7 und das Anlassen seines Motors erlaubt ein schlüsselloses Transpondersystem. Bisweilen verweigern die Türschlösser den Befehl zum Öffnen oder Schließen beim Druck auf die Taste am Griff, dann müssen auf der flachen Schlüsselkarte die jeweiligen Knöpfe gedrückt werden.

Zuverlässiger gehorcht der Starter. Ohne Nörgeln springt die Maschine bei Kälte an. Dann gibt sich der Vierzylinder von der ersten Umdrehung an munter und agil, allerdings verlangt er schon nach höheren Drehzahlen, um seine vom Turbolader-gestützten Kraft zu entfalten.

Mit Elan an die Tempospitze

2300 Umdrehungen in der Minute sollten es schon sein, um ausreichendes Drehmoment für den flinken Zwischenspurt bereitzustellen. Dann aber zieht es das Mazda-SUV nachhaltig nach vorn, acht Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h sind trotz eines Leergewichts von rund 1700 Kilogramm ein beachtlicher Wert.

Zumindest in den unteren fünf der sechs Gänge ist der Antritt beherzt, die oberste Stufe des präzise, leichtgängig und mit kurzen Wegen zu schaltenden manuellen Getriebes ist im Sinne der Verbrauchsreduzierung arg drehzahlsenkend ausgelegt. Gleichwohl bedarf es keiner langen Wartezeit, bis die elektronisch auf 210 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit erreicht ist, mit Elan erstürmt der CX-7 die Tempospitze. Eine Automatik hält Mazda nicht bereit.

Beim Anfahren ist Gefühl für die rechte Drehzahl gefragt, wer zu zaghaft auf das Gaspedal tritt, muss mit dem Absterben des Motors rechnen. Der permanente Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse sorgt für tadellose Traktion. Selbst bei geringer Reibungshaftung der Reifen muss die Antriebsschlupfregelung kaum in Aktion treten, das Quietschen der Pneus ist selbst bei grenzwertigen Beschleunigungsübungen die absolute Ausnahme.

Vorzügliche Akustik

Die Akustik ist vorzüglich, das Abrollen der Reifen und das Arbeitsgeräusch des Motors bei mittlerem Tempo sind kaum zu vernehmen. Das Potential der Maschine ist jederzeit spürbar, leider nicht nur unterwegs, sondern auch bei (fast) jedem Tankstopp: 10,3 bis 17,2 Liter Super Plus konsumiert das Mazda-SUV auf 100 Kilometer, 14,1 Liter als Durchschnittswert schmerzen in Zeiten der Diskussion über Auto-Abgase und bei den hohen Benzinpreisen besonders.

Auch ist das Tankvolumen von 69 Liter äußerst knapp: Der CX-7-Fahrer sucht nach strammer Fahrt schon nach weniger als 400 Kilometer nach der rettenden Zapfsäule. Immerhin gelingt das Füllen des Tanks ohne Zögern und vorzeitiges Abschalten der Zapfpistole bis zum Kragen.

Agilität auf der Landstraße

Die Lenkung gefällt mit ihrer Genauigkeit. Das Fahrwerk mit seiner sehr neutralen Abstimmung unterstützt das Kurvenverhalten trefflich. Zumindest was die Agilität auf der Landstraße angeht kann sich der CX-7 mit den Besten seiner Klasse messen.

Die Wankbewegungen der Karosserie sind gering, dennoch arbeitet die Federung nicht mit erbarmungsloser Härte wie bei manch anderem Vertreter dieses Genres. Unebenheiten bewältigt sie mit hinreichendem Feingefühl, nur Querfugen lassen den Mazda bisweilen leicht versetzen. Die Bremsen bestehen die üblichen Anforderungen des Alltags, nur nach kräftigem Verzögern aus hohem Tempo beginnen sie zu rubbeln und verlieren an Wirksamkeit.

Großer Wendekreis und keine Einparkhilfe

Der Mazda CX-7 ist durchaus von sportlichem Wesen. Seine Fahrleistungen und vor allem sein Design verleihen ihm eine Sonderstellung. Aber sein großer Wendekreis und die unübersichtliche Karosserie machen das Rangieren im urbanen Umfeld zu einer Herausforderung – zumal es keinerlei Einparkhilfen gibt, auch nicht gegen Aufpreis.

Die für ein SUV sehr niedrige Anhängelast (nur 1,45 Tonnen) und die Beschränkung auf fünf Sitzplätze passen ebenfalls nicht ins gängige Bild eines Fahrzeugs dieser Kategorie. Zum Bestseller wird der Mazda CX-7 trotz der opulenten Ausstattung wohl nicht werden. Aber was man selten sieht, zieht mehr Aufmerksamkeit auf sich.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 31.800 Euro
Preis des Testwagens 35.400 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, Abgasturbolader, vier Ventile je Zylinder, 2361 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 191 kW (260 PS) bei 5500/min

Höchstes Drehmoment 380 Nm bei 3000/min, 90 Prozent davon ab 2400 bis 5400/min

Manuelles Sechsganggetriebe (keine Automatik im Angebot)

Permanenter Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe 4,68/1,87/1,65 Meter

Radstand 2,75, Wendekreis 12,2 Meter

Leergewicht 1695 (tatsächlich 1730), zulässiges Gesamtgewicht 2270, Anhängelast 1450 Kilogramm, Kofferraumvolumen 455 bis 1348 Liter

Reifengröße 235/60 R 18 103 V

Höchstgeschwindigkeit 210 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 8 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang in 9,2/14,8/28,7 s

Verbrauch 10,3 bis 17,2, im Durchschnitt 14,1 Liter Superplus je 100 km; 243 g/km CO2 bei Normverbrauch 10,2 Liter; Tankinhalt 69 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 23, TK 24, VK 27

Garantie drei Jahre oder 100.000 Kilometer, 12 Jahre auf Durchrostung, 3 Jahre Lackgarantie, unbegrenzte Mobilitätsgarantie bei Einhaltung der Wartungsvorschriften



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche