Fahrtberichte

Fahrtbericht Audi A6 Avant 2.7 TDI

Der Familienfreund ist mehr als nur ein Lademeister

Von Michael Kirchberger

10. August 2005 Schöne Kombis - sagt Audi - heißen Avant. Für die Neuauflage des A6 in Transportversion soll das keinen Deut weniger gelten. Ein mit kühnem Schwung gerundeter Bug, der chromumrandete große Kühlergrill, der wie ein Schlund den Wind einatmet, und die geschmeidig gezeichnete Seitenlinie bescheren dem A6 Avant einen höchst dynamischen Auftritt. Wegen der schrägen Heckklappe verliert der Kombi zwar an Fassungsvermögen, steigert aber den Reiz seiner Form.

Der üppige Überhang des Hecks von mehr als einem Meter tut dem keinen Abbruch. Der neue A6 Avant hat erheblich zugelegt, 13,5 Zentimeter länger und 4,5 Zentimeter breiter ist er als sein Vorgänger. Und das gilt auch für den Preis. Mit dem erstmals in dieser Version erhältlichen 2,7-Liter-V6-Diesel kommt der Kombi auf 38900 Euro. Gewürzt mit einigen Extras für die angenehmen Momente des mobilen Lebens, steigt die Kaufsumme auf 52975 Euro. Das waren einmal mehr als 103000 Mark, und es zeigt, daß sich Kombis mehr denn je im Oberhaus des Automarkts wohl fühlen.

Sicheres Laden mit Gurt- und Ösensystem

Dafür besinnt sich der Avant bei aller Vorliebe für gestalterische Ästhetik auf die wesentlichen Charakterzüge eines Kombis. Je nach Konfiguration des Laderaums passen hier 70 bis 110 Volumen-Liter mehr Gepäck hinein als beim früheren Modell. Der Kofferraum faßt (beladen bis zur Oberkante der Rückbanklehnen) 565 Liter. Nach dem Umklappen und dachhoch beladen sind es 1660 Liter. Die maximale Länge transportierbarer Güter steigt dann auf 1,94 Meter. Sehr hilfreich ist ein Gurt- und Ösensystem zum Sichern des Ladeguts. Zwei Schienen auf dem Boden mit stufenlos verstellbarem Spanngurt und einer einsetzbaren Quertraverse halten das Gepäck am Platz. Vier ebenfalls verschiebbare Ösen bieten sich zum Befestigen weiterer Gurte an, das empfehlenswerte Paket kostet 150 Euro Aufpreis. Unter dem Laderaumboden gibt es in der einstigen Reserverad-Mulde weiteren Stauraum. Das Reifendichtmittel samt 12-Volt-Kompressor hat ein erheblich geringeres Volumen als ein Ersatz-Pneu. Die mit einer Edelstahlleiste verzierte Ladekante wird von einer herausziehbaren Kunststoffmatte geschützt, der flauschig veloursbezogene Boden kann gewendet werden, dann entsteht eine strapazierfähig gummierte Fläche. Auf die elektrische Öffnung der Heckklappe (520 Euro Aufpreis) kann man getrost verzichten, denn eine komfortable Griffleiste über die ganze Breite innen am Heckdeckel sowie die gute Dämpferunterstützung beim Öffnen sind ausreichend komfortabel.

Nur ausreichende Zuladung

Hinten lassen sich die Lehnen (sie sind im Verhältnis ein zu zwei Drittel geteilt) mit einer Hand nach vorn klappen, die Kopfstützen müssen dazu ihre Position nicht verlassen. Ein Ladeschutzgitter kann hinter der Rückbank oder, wenn diese flachliegt, hinter den Vordersitzen am Dachhimmel eingehakt werden. Auch das ist eine leichte Übung. Ein Skisack kostet 195 Euro, das Ablagepaket mit Getränkehaltern hinten, einer Schublade unter dem Beifahrersitz und Netzen in den Rückenlehnen gibt es für 130 Euro. Die umfangreiche Sonderausstattung senkt die erlaubte Zuladung. 495 Kilogramm waren bei der von uns gefahrenen Version noch möglich, der große Avant mag kein ausgesprochener Lastesel sein, aber dieser Wert liegt an der unteren Nutzlastgrenze.

Große Auswahl an Sonderausstattung

Die lange Liste der Extras kommt jedoch den Sehnsüchten und Wünschen des komfortverliebten Kombi-Fahrers entgegen. Das Dämmglas (1100 Euro) sorgt in Zusammenarbeit mit der Komfortklimaanlage (500 Euro) für stetes Wohlbefinden im Avant, die Innenraumausstattung einschließlich der Sitze mit einer Kombination aus Alcantara und Leder schmeichelt den Sinnen, die Dekoreinlagen in Nußbaumwurzelholz bringen einen Hauch fast vergessener Vornehmheit in den Wagen. Der Avant transportiert Passagiere mit einer ausgewogenen Mischung aus Eleganz und stilsicherer Materialzusammenstellung, die Zahl der Variationsmöglichkeiten könnte einen erwachsenen Peter Pan an den Rand seiner Phantasien bringen.

Sparsam im Verbrauch

Der neue Sechszylinder-Diesel mit 2,7 Liter Hubraum hält, was Audi versprochen hat. Er ist erheblich leiser als der frühere 2,5-Liter-TDI, auch sanfter als das aktuelle, brachialer ans Werk gehende Dreiliter-Triebwerk. Er säuselt zart, gibt sich mit Geräusch- und Kraftentwicklung stets elegant. Drehzahlen jenseits von 1700 in der Minute sind nötig, damit der 1830 Kilogramm schwere A6-Kombi einigermaßen zügig aus den Startlöchern kommt. Erst bei etwa 2000/min legt der V6 richtig los, dann schiebt er den Wagen mächtig an, knapp über 4000/min verliert er die Freude an der Drehzahl. Dafür erlaubt die Übersetzung konsumbewußtes Rollen durch die Stadt. Knapp über der Leerlaufdrehzahl von 900/min tourt der Motor bei Tempo 50 im sechsten Gang, dabei nimmt er Gas zwar willig, aber ohne wirkliches Beschleunigen an. Ernsthafte Anfahrschwächen leistet sich der 2.7 TDI im A6 Avant aber nicht. Das leicht und präzise zu schaltende, serienmäßige Sechsganggetriebe unterstützt Gleiten und Spurten. Hat man den sechsten Gang in der Nähe der Richtgeschwindigkeit eingelegt und möchte die Höchstgeschwindigkeit erleben, dann ist Geduld gefordert. Der Audi braucht einen längeren Anlauf, bis die Tachonadel etwas über 225 km/h am Ende ihres Weges nach oben angelangt ist. Der Avant beeindruckt dabei mit geringem Windgeräusch und hoher Spurtreue. 8,3 Sekunden vergehen beim Sprint von 0 auf 100 km/h. Der Verbrauch ist stark davon abhängig, wie oft man spurtet statt zu sparen. Zwischen 6,9 und 9,9 Liter Diesel für 100 Kilometer schwankte der von uns ermittelte Konsum, der Durchschnitt von 8,3 Liter ist sehr angemessen, zumal der Tankinhalt von 80 Liter eine Reichweite von etwa 1000 Kilometer möglich macht. Der Motor erfüllt Euro 4, wird aber im Grundmodell ohne Rußpartikelfilter angeboten. 690 Euro kostet der Abgasreiniger, der Verbrauch nach Norm steigt um 0,1 Liter.

Hoher Fahrkomfort mit Luftfederung

Das sanfte und komfortbetonte Gleiten wird von der Luftfederung des Avant unterstützt. 1900 Euro Aufpreis kostet sie. Wer oft und lange unterwegs ist, wird sie schätzenlernen. Die verschiedenen Einstellungen (Dynamic, Comfort und Automatic) erlauben engagiertes Fahren, ohne daß der Komfort auf der Strecke bleibt. Die Sitze sind ebenfalls fein gepolstert, ihre Sportversionen (590 Euro Aufpreis) bieten überdies guten Seitenhalt.

Schlecht dosierbare Bremsen

Wenn man es provoziert, neigt der frontgetriebene A6 in Kurven sehr deutlich zum Übersteuern. Wer unmotiviert den Fuß vom Gas nimmt, der kann von einem Heck überrascht werden, das zum Überholen ansetzt. Das ESP bremst es jedoch sanft und rasch wieder ein. Im Rahmen der öffentlichen Ordnung des Verkehrs ist man jederzeit streßfrei und sicher unterwegs. Die Lenkung gefällt mit ihrer angenehm dosierten Unterstützung, wir würden dennoch eine direktere Wirkung bevorzugen. Die Bremsanlage dagegen wirkt mit ihrem schnellen Ansprechen und der Gratwanderung zwischen leichtem Verzögern und vollem Bremsen nervös.

Ein guter Langstreckler

Dennoch versteht es der A6 Avant, eine ruhige Stimmung des entspannten Reisens zu kreieren. Das großzügige Raumangebot vorn und auch im Fond, unterstrichen von einer unaufdringlichen Eleganz, macht ihn zum perfekten Begleiter für die langen Strecken. Empfohlen sei die Geschwindigkeitsregelanlage für 240 Euro extra. Zur Serienausstattung zählt dagegen die elektrische Parkbremse, die den Wagen nach der Fahrt mit einem leisen Knistern an der Stelle hält. Und genau in diesem Augenblick kommt Freude auf. Darüber, daß man im A6 Avant abermals nach einer langen Fahrt unaufgeregt und überaus munter angekommen ist.

Nächste Woche: Porsche 911 Cabrio; weitere Artikel unter www.faz.net/Fahrtberichte



Text: F.A.Z., 09.08.2005, Nr. 183 / Seite T3
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

 
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