Von Gerold Lingnau
12. Februar 2008 Hat das zunehmende Interesse für den Allradantrieb etwas mit der Vollkasko-Mentalität in unserer alternden Gesellschaft zu tun? Sicherheit über alles? Darüber mögen Marktforscher grübeln.
Jedenfalls kann sich eine Marke wie Subaru aus Japan mit ihrem Programm bestens aufgestellt fühlen. Mit dem Anspruch, nur 4WD anzubieten, kann sie sich zwar nicht mehr schmücken, seit sie ihren Kleinwagen Justy – einen Zwillingsbruder des Daihatsu Sirion – allein mit Frontantrieb verkauft.

Drei Überraschungen für die Neuauflage
Das nach dem Justy kleinste in Deutschland verkaufte Modell, der Impreza, war inzwischen schon sieben Jahre alt geworden und konnte das auch kaum mehr verbergen. Zeit für eine Neuauflage also, und sie brachte gleich drei Überraschungen.
Zum einen wurde das Gesetz durchbrochen, dass Autos mit jedem Modellwechsel größer werden – hier verkürzte man die Karosserie gegenüber dem Vorgänger sogar um fünf Zentimeter. Zum zweiten reduzierte Subaru die Modellreihe, die bislang ein Stufenheck und einen Kombi umfasste, ungeachtet der verbreiteten Varianten-Inflation auf eine Single-Existenz mit Schrägheck, die mehr Limousine als Kombi ist.
Und die dritte Surprise ist der Anblick des neuen Impreza: Den Designern ist da eine Karosserie gelungen, die zwar nicht unverwechselbar ist, aber modern und dynamisch – kein Vergleich zum Vorgänger, der schon bei Erscheinen recht altbacken wirkte. So könnten mit diesem Auto auch Käufer liebäugeln, die vom Subaru-Styling bisher nicht entzückt waren.
Allradantrieb statt Platz im Kofferraum
Den praktisch Denkenden unter ihnen hält der neue Impreza allerdings auch einige Enttäuschungen bereit. Für ein 4,40-Meter-Auto ist ein Kofferraum von 300 Liter eigentlich undiskutabel – dieses Defizit muss man gegen die Vorzüge des Allradantriebs aufrechnen, der mit seinem Platzbedarf an der Hinterachse schuld daran ist. Auch mit der üblichen Erweiterung durch Umklappen der geteilten Rückbanklehne, die eine rund 1,50 Meter lange ebene Fläche entstehen lässt, werden nicht mehr als maximal 1216 Liter gewonnen.
Die Ladekante ist außen 70 und nach innen fast 9 Zentimeter hoch, an der offenen Heckklappe kann sich schon ein 1,80-Meter-Mann den Kopf stoßen, und auf 90 Zentimeter Länge hat der Kofferraum keine volle Dachhöhe: Gepäcktransport ist offenkundig nicht die Stärke des Impreza, abgesehen allenfalls von der stattlichen Zuladung von 480 Kilogramm.
Kein Auto für lange Fahrer
Zurückstecken muss auch, wer den Subaru als Fünfsitzer nutzen will. Der Mittelplatz auf der Rückbank ist hier besonders benachteiligt, wegen seiner äußerst knappen Tiefe, eines breiten Mitteltunnels und einer zu kurzen Kopfstütze.
Die übrigen vier Insassen haben dagegen kaum zu klagen, nur ein sehr langer Fahrer findet keine ganz zufriedenstellende Position am Lenkrad. Er hat auch beim Einsteigen Schwierigkeiten wegen der sehr schräg gestellten vorderen Dachsäulen, die sich zudem als lästige Sichtbarrieren erweisen. Der Zugang nach hinten und die Aussicht von dort sind dagegen kaum behindert.
Außen flott - Innen gutbürgerlich
Der Impreza 1.5R Active ist das Basismodell, und mit seinem Preis von 18.290 Euro braucht er im Allradmarkt kaum einen Konkurrenten zu fürchten. Und das nicht etwa, weil an der Serienausstattung gespart wurde. Es gibt nur wenige ärgerliche Lücken beim Komfort – so sind etwa die Außenspiegel nicht beheizbar – und erst recht nicht bei der passiven Sicherheit (sechs Airbags, zwei Isofix-Kindersitzhalterungen).
Das flotte Äußere setzt sich im Innenraum nicht adäquat fort, hier herrscht Gutbürgerlichkeit, die auch ihre guten Seiten hat, etwa bei der tadelfrei funktionellen Gestaltung des Armaturenbretts bis hin zum hoch plazierten Farbbildschirm des DVD-Navisystems, das 2999 Euro extra kostet. An Ablagen herrscht nur hinten Mangel, und da schon der Basis-Impreza eine Klimaautomatik mitbekommt, ist das thermische Wohlbefinden der Reisenden gesichert – um den Preis anhaltend lauter Gebläsegeräusche.
Überforderter Motor
Eine Akustik ganz eigener Art breiten die Subaru-Motoren um sich aus – allesamt, außer beim Justy, in Boxer-Bauweise, also mit zwei einander gegenüberliegenden Zylinderreihen. Ihre Stimme ist ein etwas undifferenziertes Grummeln, und das ist auch beim Impreza den Ohren angenehm, zumal leise bis in mittlere Drehzahlen.
Die muss man freilich beim Fahren im 1.5R oft nach oben hin verlassen, denn die 1,5 Liter Hubraum des Vierzylinders und seine 79 kW (107 PS) sind mit der Statur des Wagens schlichtweg überfordert. Bis 4000/min ist der Motor saft- und kraftlos, und nur was darüber kommt – der Drehzahlmesser zeigt erst bei 7000/min rot –, bringt einigermaßen voran.
Kraft durch mehr Gänge
Obwohl unser Impreza mit 1370 Kilogramm Leergewicht nicht einmal besonders schwer war, nahm er sich 13,7 Sekunden Zeit für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h. Ebenso wenig Staat zu machen ist mit den 173 km/h Höchstgeschwindigkeit (die Karosserie ist aerodynamisch nicht besonders günstig) und schon gar nicht mit den Elastizitätswerten: Von 50 auf 100 km/h verstreichen im 4. Gang 18,8 und im 5., obersten gar 28,4 Sekunden.
Wer das als quälend langsam empfindet, darf neben dem gewohnten nach einem zweiten Schalthebel greifen, mit dem eine Getriebereduktion aktiviert wird. Diese Zusatzübersetzung, mit der hier die Geschwindigkeit bei jeder Drehzahl um etwa ein Drittel vermindert wird, verleiht dem 1.5R wie von Zauberhand Flügel: Wenn man viel Schalten nicht scheut, kann man auf kurvenreichen Straßen oder im hektischen Stadtverkehr mit diesem zweiten Satz von fünf Gängen vergnüglich Dampf machen.
Kein Spritsparer
Gedacht ist er natürlich in erster Linie für unbefestigte Straßen oder das Ziehen eines Anhängers. Wir haben uns mit seinem Gebrauch zurückgehalten, aus gutem Grund: Schon mit den langen, eigentlich spritsparenden Übersetzungen konsumierte unser Impreza im Durchschnitt 9,3 Liter Super je 100 Kilometer, und das ist für die gebotenen Fahrleistungen nun wirklich zu viel, selbst wenn der Tank mit seinen 60 Liter Inhalt darauf Rücksicht nimmt.
Einzige Alternative zum wenig begeisternden Antrieb des 1.5R ist derzeit der Zwei-Liter-Motor in der 3700 bis 4000 Euro teureren Impreza-Version 2.0R mit 110 kW (150 PS), der strammere Fahrleistungen, aber gewiss keinen niedrigeren Verbrauch verspricht. Fast serienreif ist bei Subaru aber ein Boxer-Turbodiesel, und wenn es mit dem Kauf bis November Zeit hat, sollte man abwarten.
Kein ESP bei der Wahl des kleinen Motors
Es gibt noch einen wichtigen Grund, den kleineren Motor nicht zu wählen: In Kombination mit ihm gibt es kein ESP, während es im 2.0R serienmäßig ist. Der Impreza 1.5R ist zwar in Kurven gutmütig und hat immer genug Traktion. Trotzdem sollte Subaru dem Einstiegsmodell nicht die zeitgemäßen elektronischen Fahrhilfen vorenthalten.
Der permanente Allradantrieb bleibt im Übrigen unauffällig; über die Kraftverteilung zwischen den Achsen entscheidet eine Viskokupplung im Zentraldifferential. Tadellos tut die Bremsanlage ihren Dienst. Und ein großes Lob gebührt dem Impreza für seinen Federungskomfort: Anders als so viele hochgepriesene Autos lässt er die ihm anvertrauten Menschen nur wenig vom Ungemach des vernachlässigten Straßennetzes spüren. Und die sind dankbar dafür.
Neben dem schon gut ausstaffierten Active gibt es die 1200 Euro teurere Version Comfort, die mit Geschwindigkeitsregler, Leichtmetallrädern, CD-Wechsler und Nebelscheinwerfern lockt. Doch wenn man sich schon mit dem 1,5-Liter-Motor bescheidet, sollte auch die Active-Ausstattung genügen.
Daten und Messwerte
Empfohlener Preis 18.290 Euro
Preis des Testwagens 21.289 Euro
Vierzylinder-Boxermotor, vier Ventile je Zylinder, 1498 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 79 kW (107 PS) bei 6000/min
Höchstes Drehmoment 142 Nm bei 3200/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1600 bis 5800/min
Manuelles Fünfganggetriebe (Viergang-Automatikgetriebe 1400 Euro)
Permanenter Allradantrieb, Viskokupplung im Zentraldifferential
Länge/Breite/Höhe 4,42/1,74/1,48 Meter
Radstand 2,62, Wendekreis 11,2 Meter
Leergewicht 1310 (tatsächlich 1370), zulässiges Gesamtgewicht 1850, Anhängelast 1500 Kilogramm; Kofferraumvolumen 301-1216 Liter
Reifengröße 195/65 R 15 91 H
Höchstgeschwindigkeit 173 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 13,7 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 18,8/28,4 s
Verbrauch 8,8 bis 10,1, im Durchschnitt 9,3 Liter Super je 100 km; 176 g/km CO2 bei Normverbrauch von 7,5 Liter; Tankinhalt 60 Liter
Versicherungs-Typkl. HP 20, TK 21, VK 21
Wartung und Reparaturen Garantie 3 Jahre oder 100.000 Kilometer, 3 Jahre auf Lack, 12 Jahre auf Durchrostung, Mobilitätsgarantie 15 Jahre bei autorisiertem Service, Wartung alle 15.000 Kilometer oder jährlich
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller