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Fahrtbericht Renault Kangoo

Für die freundliche Familie mit Hund

Von Boris Schmidt

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21. November 2008 Familienautos müssen vieles können. Aber im Grunde geht es nur um zwei Dinge: Sie dürfen nicht zu teuer sein, und sie sollen möglichst viel Platz bieten. So betrachtet, muss der neue Renault Kangoo ganz nach oben in der Präferenzliste für den nächsten Autokauf.

Preisgünstig ist er, und zwar so sehr, dass Renault Deutschland ganz offen als eine der Hauptzielgruppen „junge Familien mit mindestens zwei Kindern und begrenztem Budget“ ausgemacht hat, und Platz hat er ebenfalls mehr als ausreichend, aber nur, wenn die Famlie maximal drei Kinder hat. Eine dritte Sitzreihe ist nämlich nicht vorgesehen, und man fragt sich, warum nicht. Vielleicht hätte der Kangoo in der Länge im Vergleich zum alten gleich um 27 statt um 17 Zentimeter zulegen sollen, dann würden auch die 16 Zentimeter, die er in die Breite gegangen ist, besser kaschiert.

Ein aufgeblasenes Raumschiff

So aber wirkt der Kangoo II wie aufgeblasen, und am Lenkrad fühlt man sich wie in einem riesigen Raumschiff, was natürlich seinen Reiz hat. Und Raum ist wahrlich vorhanden: Das Kofferabteil hat schon bei herkömmlicher Konfiguration ein Volumen von 660 Liter. Packt man es bis unters Dach voll, dürften es rund 1000 Liter sein. Der Kangoo ist so praktisch, weil seine quadratmetergroße Ladefläche bei einer Höhe von fast 1,25 Meter einfach alles packt, was hinein soll: den großen Kinderwagen, den man der Kollegin geliehen hatte, oder das Fahrrad vom neunjährigen Filius oder die neue Waschmaschine für die Oma.

Die serienmäßige Gepäckraumabdeckung, die sich in zwei Ebenen installieren lässt, muss beim Transport nicht zu Hause bleiben: Sie lässt sich platzsparend direkt hinter die Rückbanklehne schieben. Wichtig: Neben 160 Euro für ein Trenn-Netz sollte man weitere 150 Euro für eine asymmetrisch geteilte Flügeltür am Heck in sein Budget aufnehmen.

Regulär wird der Kangoo mit einer großen Heckklappe geliefert. Diese ist erstens sehr schwer, und zweitens muss man, um sie zu öffnen, erst drei Schritte zurücktreten. Vor allem für Kinder ist eine Flügeltür, die sie selbst öffnen können, viel praktischer. In Kauf nehmen muss man jedoch die schlechtere Sicht nach hinten.

Ladevolumen von fast 2000 Litern

Sollen zwei oder drei Waschmaschinen an Bord, lässt sich die serienmäßig asymmetrisch geteilte Rückbank dank neuer Klappkinematik völlig flach legen (die Sitzfläche rutscht in den Fond-Fußraum). Dann hat man einen Laderaum mit fast 1,80 Meter Länge bei einem Ladevolumen von fast 2000 Liter. Und das wohlgemerkt bei einem 4,21 Meter langen Fahrzeug.

Laden kann er also wie kaum ein Zweiter, der neue Kangoo. In der Privilège-Ausstattung lässt sich sogar noch der Beifahrersitz umlegen (150 Euro). Dann kann man auf der rechten Autoseite 2,50 Meter lange Gegenstände transportieren. Nicht von ungefähr waren bisher von 2,2 Millionen verkauften Kangoo rund die Hälfte „Rapide“, also die Nutzfahrzeug-Variante.

Handwerker und Kleingewerbetreibende schätzen so viel Raum auf relativ kleiner Grundfläche besonders. Aber der neue Kangoo taugt für mehr als den Transport von zwei Menschen und Material.

Komfort für fünf Personen

Bis zu fünf Personen sind in ihm kommod untergebracht. Vorn sitzt man zwar auf den renaulttypisch zu weichen Sitzen, aber das Raumgefühl ist phänomenal, die Frontscheibe ist gefühlt einen Meter entfernt und hat Panorama-Format. Selbst eine Bienenkorb-Frisur à la Marge Simpson nimmt keinen Schaden.

Die 1,33 Meter breite Rückbank taugt tatsächlich für drei Personen. Kein Mitteltunnel stört den Mittelmann, die Füße können bequem zwischen den Vordersitzen abgestellt werden, Bein- und Kopffreiheit sind ohnehin sehr gut. Für die Fondbänkler rechts und links gibt es Tischchen an der Rückseite der Vordersitze gegen Aufpreis, und nur in der besten von drei Ausstattungslinien (Privilège) packt Renault noch drei geschlossene Ablagefächer unters Dach, ähnlich wie in einem Flugzeug.

Zwei Fächer im Fondboden haben alle Kangoo, schon bei Expression gibt es neben der großen Ablagebox zwischen den Vordersitzen (mit integrierter Armlehne) die praktische Ablagegalerie vorn unterm Dach. Das Handschuhfach ist riesig (15 Liter), und auch die Staufächer in den Türen sind alles andere als schmal.

Einstieg über Schiebetüren

Der Einstieg in den Fond erfolgt über zwei Schiebetüren, in engen Parklücken ist das mitunter praktisch, und die Kinder können die Türen nicht gegen andere Autos schlagen. Ob Renault an die Kindersicherheit gedacht hat, als die beiden Schiebetüren nur mit Ausstell- statt mit Kurbelfenstern ausgerüstet wurden? Wer die hinteren Seitenscheiben (elektrisch) herunterfahren will, muss 750 Euro für die Pakete „Easy“ und „Style“ ausgeben.

Hatte der erste Kangoo zunächst nur eine Schiebetür auf der rechten Seite, gibt es jetzt diese Ausführung nur in der Basisvariante „Authentique“, die mit einem 1,5-Liter-Diesel (50 kW/68 PS) den Lockvogel für 15.350 Euro spielt. Diese Ausstattung wird für die anderen Motorversionen (zwei stärkere 1,5-Liter-Diesel und ein 1,6-Liter-Benziner) gar nicht offeriert.

Benziner reicht völlig aus

Der von der Redaktion bewegte Kangoo hatte den Benziner mit 78 kW (106 PS) unter der Haube. Seit die Spritpreise sich angeglichen haben, sind Diesel nicht mehr so gefragt. Ein Selbstzünder (mit 63 kW/86 PS) wäre im Kangoo Expression von vornherein mindestens 1150 Euro teurer und kostete 123,60 Euro mehr an jährlicher Steuer.

Daher kauft jetzt die Mehrheit (56 Prozent) der Kunden den Benziner für 16.050 Euro. Recht haben sie, als Kraftquelle ist er völlig aussreichend. Rennen will ohnehin niemand fahren. Maximal sind 170 km/h möglich, wobei das Triebwerk in der Nähe der Höchstgeschwindigkeit sehr laut wird.

Schalten erledigt sich beinahe von selbst

Am wohlsten fühlt man sich im Kangoo bei Tacho 120 und 3500 Umdrehungen in der Minute. So gefahren, bewegt man einen ruhigen Gleiter, die Servolenkung ist unauffällig, das Schalten über den im Armaturenbrett plazierten Hebel erledigt sich beinahe von selbst – eine Automatik wird nicht angeboten.

Allerdings genehmigt sich der Motor gern einen ordentlichen Schluck. 8,8 Liter Durchschnittsverbrauch sind offenbar eine Folge der großen Stirnfläche. Vor zehn Jahren waren wir mit dem Kangoo I und seinem 1,2-Liter-Motor (44 kW/60 PS) mit 7,7 Liter ausgekommen (F.A.Z. vom 28. Juli 1998).

Langsamer fahren bei Seitenneigung

Obwohl das Fahrwerk vom Kompaktvan Scénic stammt, ist das Fahrverhalten des Kangoo so, wie man es von einem großen Kastenwagen erwartet: Sobald man auf kurvigen Strecken mit dem Fronttriebler ein wenig schneller fährt, mahnt die zunehmende Seitenneigung, es doch langsamer angehen zu lassen.

Vielleicht glaubt Renault deshalb, auf ESP verzichten zu können. Als ABS-Ergänzung ist es im Basismodell nicht erhältlich und kostet sonst 300 Euro Aufpreis. Die ESP-Software will Renault nachbessern, nachdem ein Kangoo bei einem Wedeltest des ADAC trotz ESP beinahe umgefallen wäre. Die Federung ist renaulttypisch weich, das passt zu den weichen Sitzen.

Auch wenn er für viele etwas groß geraten ist: Der Kangoo II ist wieder ein gutes Angebot für die freundliche Familie mit Hund, der seinen Auslauf im riesigen Laderaum hat. Und wem der Neue zu üppig erscheint, der soll wissen, dass der Kangoo I mit dem Beinamen Campus nach wie vor für 11.550 Euro (1,2 Liter, 55 kW/75 PS) zu haben ist. Er ist damit billiger als vor zehn Jahren der gleich starke Kangoo, der 25.200 Mark kostete.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 16.050 Euro
Preis des Testwagens 17.650 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, vier Ventile je Zylinder, 1598 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 78 kW (106 PS) bei 5750/min

Höchstes Drehmoment 148 Nm bei 3750/min, mindestens 90 Prozent davon ab 2000 bis 5000/min

Manuelles Fünfganggetriebe (Automatikgetriebe nicht erhältlich)

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,21/1,83/1,81 Meter

Radstand 2,70, Wendekreis 10,50 Meter

Leergewicht 1473 (tatsächlich 1420), zulässiges Gesamtgewicht 1924, Anhängelast 1050 Kilogramm; Kofferraumvolumen 438 bis 1977 Liter

Reifengröße 195/65 R 15

Höchstgeschwindigkeit 170 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 13,5 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 12,4/19,0 s

Verbrauch 8,2 bis 9,2, im Durchschnitt 8,8 Liter Superbenzin je 100 km; 191 g/km CO2 bei Normverbrauch von 7,9 Liter; Tankinhalt 60 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 15, TK 16, VK 17

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 12 Jahre auf Durchrostung, lebenslange Mobilitätsgarantie. Wartung alle 30.000 Kilometer oder jährlich

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. Hersteller, FAZ.NET, Hersteller

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