Von Michael Kirchberger
30. Oktober 2007 Der gerade Weg ist nicht immer der kürzeste und erst recht nicht der schönste. An manch einer Karosserieform dagegen bringen übertriebene Kurven häufig kaum mehr als ein Stirnrunzeln. Bei Audi verlegt man sich deshalb auf klare Linien und sparsame Bögen, schließlich birgt das Logo der Marke schon genug Rundes.
Beim A3 Sportback, dem Kompromiss zwischen der Schrägheckversion des Kompaktautos und einem in dieser Baureihe nicht vertretenen Kombi, schafft die Geradlinigkeit des Designs eine erfrischende Mixtur aus klassischen Merkmalen der Kompaktklasse und der Würze eines Station Wagon. Das Ende ist nicht zu dick geraten, deshalb wirkt der A3 mit seinem Sportrücken durchaus athletisch, der Raumgewinn ist im Vergleich zum herkömmlichen A3 eher bescheiden.

Das Plus an Kofferraumvolumen liegt bei 20 Liter, der Preisaufschlag macht immerhin 900 Euro aus. Den strammen Dieselmotor mit zwei Liter Hubraum und dem neuen Leistungsniveau von 125 kW (170 PS) gibt es in der sehr sportlich ausgeführten Ambition-Version für 28.050 Euro, für das elektronisch gesteuerte Doppelkupplungsgetriebe S-Tronic sind 1800 Euro Aufpreis fällig.
Gutes sitzen nach schwerem Einsteigen
Der A3 hat in der Sportback-Variante nichts von seiner wunderbaren Passgenauigkeit verloren. Es sitzt sich vortrefflich am Volant, hier ist es mit drei Speichen bestückt und mit feinem Leder bezogen. Die Verstellmöglichkeiten in axialer und vertikaler Richtung machen das Finden einer ebenso angenehmen wie sicheren Position in Verbindung mit den feinen Rastern der Sitzverstellung sehr leicht.
Die Aufenthaltsorte für Fahrer und Beifahrer mit ihren stark konturierten Sitzflächen und Rückenlehnen garantieren bei zügiger Fahrt durch die Kurven zwar besten Seitenhalt, aber der ausgeprägte Seitenwulst bereitet beim Ein- und Aussteigen Mühe; der große Türöffnungswinkel, über den sich auch die Mitfahrer hinten freuen können, erleichtert den Zugang.
Der dritte macht sich unbeliebt
Sehr übersichtlich sind die Instrumente, die Bedienungselemente finden sich dort, wo man sie erwartet, Ablagen gibt es in angemessener Zahl und in wohlbemessenen Größen. Die Fondpassagiere fühlen sich nicht nur auf der Kurzstrecke wohl, sie genießen ein ordentliches Platzangebot für die Beine, der Kopf bleibt sogar auf schlechten Wegen auf Distanz zum Dachhimmel.
Das gilt allerdings im gleichen Maße für die Kopfstützen. Sie lassen sich, wie heute in dieser Klasse schon beinahe üblich, nicht weit genug nach oben schieben. Zwei reisen gut im Fond, ein dritter Passagier macht sich dort unbeliebt. Der A3 Sportback taugt für vier.
Sehr einfach können die Rückenlehnen zur Stauraumvergrößerung umgeklappt werden. Die Ladefläche ist ebenso wie die Seitenverkleidung edel und eben gestaltet. Ösen zum Verzurren der Ladung und eine stabile Abdeckung komplettieren das Ensemble im Gepäckraum.
Motor überfordert die Voderräder
Den kräftigen Vierzylinder stellt Audi als besonders starkes Stück vor, und in der Tat gehört er zu den Kraftmeiern in der Selbstzünder-Abteilung. Seine Literleistung liegt bei 63 kW (86 PS), nur wenige Dieselmotoren mit zwei Liter Hubraum sind kräftiger. Allerdings geht der Audi-Maschine ob ihrer schwellenden Muskeln das Feingefühl verloren.
Zu steil buckelt sich die Drehmomentkurve: Während bei 1500 Umdrehungen in der Minute die Kraft gerade so zum leichten Beschleunigen ausreicht, entwickelt der Motor beim Überspringen der Marke von 1750/min plötzlich sein maximales Drehmoment. Das sind immerhin 320 Newtonmeter, und die überfordern das Traktionsvermögen der Vorderräder meist erheblich.
Sofort muss die Traktionskontrolle einspringen, um ein Durchdrehen zu verhindern, sogar auf trockener Straße ist dies nur allzu häufig der Fall. Bei Nässe sollte sich der A3-Fahrer mit sorgsamen Streicheleinheiten dem Gaspedal widmen, sonst gerät die Fahrt zum unsicheren Ritt auf dem schmalen Grat der Reibungshaftung.
Laut und flink
Sehr leise kommt der TDI aus Ingolstadt seinen Aufgaben obendrein nicht nach. Obwohl er Common-Rail-Einspritzung nutzt, meldet er sich im Drehzahlbereich um 3500/min brummig aufgelegt zu Wort. Immerhin ist ihm verstärkte Leerlaufvibration fremd, die bei anderen Selbstzündern in Gaspedal und Schalthebel auftritt.
Zügiges Fahren macht durchaus Laune. Der flinke Zwischenspurt ist blitzschnell erledigt, wer die Drehzahl oberhalb der magischen Grenze des plötzlichen Krafteinsatzes hält, ist gut unterwegs. Das Doppelkupplungsgetriebe leitet die bewegenden Momente ohne Zugkraftunterbrechung weiter, was subjektiv empfunden noch mehr Agilität vermittelt.
Schaltwippen am Lenkrad
Der Spritverbrauch nach Normmessung liegt bei 5,9 Liter Diesel je 100 Kilometer (manuell geschaltetes Sechsganggetriebe 5,8 Liter). Unser Verbrauch von 6,9 Liter Diesel ist angemessen, zumal eine nur leichte Zügelung des rechten Fußes umgehend Sparmaßnahmen einzuleiten vermag.
Wer möchte, kann den starken Diesel mühelos mit weniger als sechs Liter bewegen, hierbei hilft die Möglichkeit, die Gänge unabhängig von der automatischen Schaltung manuell über Schaltwippen am Lenkrad zu wählen. Das reduziert in manchen Fahrsituationen Drehzahl und Konsum, bei der Reichweite gerät die 1000-Kilometer-Marke in Sichtweite.
Kleine Schwächen erlaubt sich die S-Tronic bei stockendem Verkehr. Beim Anfahren hoppelt der A3 schon mal hasenartig, beim Manövrieren zeigt er im Ansatz jene Gefühllosigkeit, die schon dem Getriebe des Smart zur Last gelegt wurde. Dies überrascht, denn in Kombination mit anderen Motoren hat dieses Getriebe schon mehr Komfort geboten.
Lenkung weckt Freude
Der agile Eindruck, den der A3 2.0 TDI Sportback erweckt, rührt nicht zuletzt von seiner direkten Lenkung her. Die ist sehr maßvoll unterstützt, vermittelt stets ein gutes Gefühl für Traktionszustand und Fahrbahnbeschaffenheit.
Das Einlenken in Kurven weckt Freude durch Zielgenauigkeit. Eventuell notwendige Korrekturen gelingen schnell und präzise. Überraschend gering sind die Einflüsse des bärenstarken Antriebs auf die Lenkung, das Drehmoment hebelt an den Rädern, aber nicht am Volant.
Passagier werden in Bewegung gehalten
Nur für Hartgesottene empfiehlt sich die Federung der Version Ambition. Der Name dieser Ausstattungsversion erweist sich als Programm, neben den Sportsitzen gehört hier unter anderem ein Sportfahrwerk zur Ausstattung. Selbst auf vermeintlich ebener Strecke werden die Passagiere unablässig in Bewegung gehalten, Querfugen nimmt das Fahrwerk zwar konzentriert, aber unnachgiebig gegenüber den Insassen.
Mit Wellen im Belag kommen Federn und Dämpfer besser zurecht, aber die Abstimmung ist einfach unkomfortabel. Im Gegenzug brilliert der A3 in dieser Ausführung mit kaum merklichen Wankbewegungen in Kurven und erheblicher Spurtreue bei Geradeausfahrt.
Dreistelliger Aufpreis für Mittelarmlehne
Der etwas größere Laderaum verleiht dem A3 in Kombination mit vier Türen eine verbesserte Alltagstauglichkeit, weil man hinten bequemer einsteigt. Die Karosserieform mit ihrem steileren Heck rückt die Sportback-Version aus dem Gros der Kompaktautos heraus, die um sieben Zentimeter gewachsene Länge überbrückt gekonnt die Lücke zum nächsthöheren Segment.
Die burschikose Federung muss man mögen – oder lassen. Dass aber selbst für kleine Ausstattungsdetails wie eine Mittelarmlehne vorne dreistellige Aufpreise gezahlt werden müssen, ist gerade für ein Auto mit Premium-Anspruch nicht notwendig.
Daten und Messwerte
Empfohlener Preis 28.050 Euro
Preis des Testwagens 34.575 Euro
Vierzylinder-Dieselmotor, 1968 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 125 kW (170 PS) bei 4000/min
Höchstes Drehmoment 350 Nm bei 1750/min, 90 Prozent davon ab 1600 bis 3800/min
Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen
Antrieb auf die Vorderräder
Länge / Breite / Höhe 4,29 / 1,77 / 1,42 Meter
Radstand 2,58, Wendekreis 10,5 Meter
Leergewicht 1410 (tatsächlich 1510), zulässiges Gesamtgewicht 1970, Anhängelast 1400 Kilogramm; Kofferraumvolumen 370 bis 1100 Liter
Reifengröße 225/45 ZR 17 91 W
Höchstgeschwindigkeit 222 km/h
Von 0 auf 100 km/h 7,9 Sekunden
Verbrauch 5,2 bis 8,6, im Durchschnitt 6,9 Liter Diesel je 100 km; 156 g/km CO2 bei Normverbrauch 5,9 Liter; Tankinhalt 55 Liter
Versicherungs-Typklassen HP 18, TK 24, VK 21
Garantie auf Lack 3 Jahre, auf Durchrostung 12 Jahre, Wartung alle 30 000 Kilometer oder alle 2 Jahre
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller