Fahrtberichte
RSS

Fahrtbericht Ford Mondeo Turnier

Der Schönling als robuster Lastenträger

Von Gerold Lingnau

Video in voller Größe

17. November 2007 Zur Pole-Position in der erschwinglichen Mittelklasse hat es für den Ford Mondeo auf dem deutschen Markt noch nie gereicht. Immer war der VW Passat als wichtigster Konkurrent im Weg, und so war man in Köln schon froh, wenn man wenigstens den Dritten im Wettbewerb, den Opel Vectra, auf Distanz halten konnte.

Wie bei Passat und Vectra ist es vor allem die Kombi-Version, die ihre treue Kundschaft hat und ihre Limousinen-Brüder in der Verkaufsstatistik hinter sich lässt. Der Mondeo Turnier erschien beim Modellwechsel im Juni gleichzeitig mit den beiden anderen viertürigen Varianten – die eine mit Schräg-, die andere mit Stufenheck –, und wie sie ist er ein richtig schönes Auto geworden: mit schwungvollen Linien, aber weder übertrieben modisch noch unfunktionell.

Die Schräge seines Hecks muss man ihm nachsehen, sie gilt heutzutage als Kennzeichen dafür, dass kein Arbeitstier daherkommt, sondern ein Freizeittransporter für aktive Familien, und sie kostet hier nur vergleichsweise wenig Ladevolumen.

Mehr Laderaum als der Vorgänger

Seinen Vorgänger übertrifft der Turnier in der Länge um ein paar nicht entscheidende Zentimeter und in der Breite um ein ganzes Stück. Insgesamt wirkt er wuchtiger, und mit 4,83 Meter ist er sogar dem Passat um eine knappe Handbreit voraus.

Auch beim Laderaum kann er ein wenig mehr bieten als das Vormodell – je nachdem, ob sich der Käufer ein vollwertiges Reserverad wünscht (dann liegt der Kofferraumboden höher, und das Normalvolumen sinkt auf unter 500 Liter), mit einem Notrad wie bei unserem Exemplar zufrieden ist (542 Liter) oder allein auf ein Reifenreparaturset vertraut (554 Liter).

Ein robuster Lastenträger

Mangel an Laderaum herrscht in keinem Fall, zumal sich die Transportkapazität in der üblichen Manier flexibel erweitern lässt. Mit Klappen von Rückbank und Lehne entsteht eine ebene Fläche, die über eine kombigerecht niedrige Bordkante zugänglich ist und bis zu 1,80 Meter langem Ladegut Platz bietet; das Volumen wächst dann auf maximal 1733 Liter.

Die Heckklappe ist riesengroß und schwingt auf mehr als 1,90 Meter hoch, und geradezu gigantisch sind auch die Zuladung (620 Kilogramm bei unserem Wagen) und die Anhängelast von zwei Tonnen. So ist der Turnier bei aller äußeren Schönheit ein robuster Lastenträger, und das kann seiner Beliebtheit nur guttun.

Die Sicht des Fahrers ist kriminell

Über Enge im Innenraum muss man sich nicht beschweren, der Mondeo Turnier bietet fünf Erwachsenen angenehmen Aufenthalt. Und sicheren: Sieben Airbags, fünf ausreichend hohe Kopfstützen und zwei Isofix-Kindersitzhalterungen an der Rückbank sind eine zeitgemäße, selbstverständlich zur Grundausstattung gehörende Mitgift.

Besonders bequem hat man es im Fond, schon beim Einsteigen wegen der günstigen Türausschnitte, beim Sitzen dank der großen Tiefe der Bank und der Kopfhöhe von rund einem Meter und sogar auf dem dritten Platz, weil der Mitteltunnel zwar breit, aber niedrig ist.

Auch der Fahrer kann kaum klagen. Er kämpft allerdings mit den üblichen Sichteinschränkungen: Bug und Heck sind nicht einzusehen – das Park-Pilot-System für vorn und hinten (stolze 505 Euro) ist daher ein Muss –, die abartig breite mittlere Dachsäule versperrt den Schulterblick, und wenn dann die hintere Verglasung noch dunkel getönt ist (für 230 Euro), wird der Fall fast kriminell. Wenigstens sind beide Außenspiegel asphärisch.

Gelungene Arbeitsumgebung

Die Arbeitsumgebung des Fahrers ist dagegen rundum gelungen: große, übersichtliche Instrumente mit optimaler Beleuchtung, leicht verständliche Bedienungselemente (Bordcomputer und Geschwindigkeitsregler vom Lenkrad her zu betätigen) und ein nicht zu tief angeordneter Farbbildschirm für das 2450 Euro kostende Radio-Navigationssystem und die Klimaautomatik.

Wer möchte (wir würden nicht), kann sich für 460 Euro schlüssellosen Zugang verschaffen und den Motor mit einem Start-Stopp-Knopf ansprechen. Viel sinnvoller sind das Reifendruck-Kontrollsystem (205 Euro) und die Kombination aus mitlenkenden Scheinwerfern und Abbiegelicht (465 Euro), wenn man nicht gleich Bi-Xenon-Leuchten wählt (960 Euro), dann aber nur das Abbiegelicht mitbekommt. Eine ZweiZonen-Klimaautomatik ist in allen Mondeo jenseits des Basismodells Serie, sie arbeitet unauffällig und zugarm.

Fernreisen ohne häufiges Nachfüllen

Das Motoren-Angebot ist überschaubar: Neben Benzinern in vier Hubraumklassen steht ein Zweiliter-Common-Rail-Diesel, den es in drei Leistungsstufen gibt – von 85 kW (115 PS) über 96 kW (130 PS) bis 103 kW (140 PS). Die mittlere ist der Automatik-Version vorbehalten, die jetzt mit einem sechsstufigen Getriebe antritt und 1500 Euro mehr als die handgeschaltete 140-PS-Variante kostet.

Sie stellt sich als harmonische und völlig ausreichende Motorisierung dar. Angenehm ist das dezente Geräuschniveau im Innenraum (nach außen ist die Maschine viel deutlicher vernehmbar), und kaum zu beanstanden ist der Verbrauch, der trotz Automatik und dem stattlichen Leergewicht von 1680 Kilogramm bei uns 8,4 Liter je 100 Kilometer betrug und auch auf schnellen Autobahnetappen selten die 9 Liter übertraf. Das ermöglicht bei 70 Liter Tankinhalt Fernreisen ohne häufiges Nachfüllen.

Die 190 km/h Höchstgeschwindigkeit blieben bei unserem Wagen zwar hinter der Werksangabe (195 km/h) zurück, sind aber ebenso akzeptabel wie die knapp 12 Sekunden Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h. Die Automatik schaltet ruckfrei und fast immer im Sinne des Fahrers; die Programme D und S(port) unterscheiden sich deutlich, S erweist sich so als ideale Option für kurvenreiche Landstraßen, auf denen der Mondeo dank der höheren Schaltdrehzahlen ein sehr ansprechendes Temperament entwickelt. Von der manuellen Gangwahl muss man kaum Gebrauch machen.

Souveräne Bremsen

Auch das Fahrwerk des Mondeo fügt sich gut ins Bild eines geborenen Reisewagens. Ford hat auf diesem Gebiet in der Vergangenheit Vorbildliches geleistet, und auch der Turnier zeugt von dieser Erfahrung. Er nimmt Kurven mit großer Gelassenheit und leichtem Untersteuern, die präzise Lenkung berichtet jederzeit verlässlich über den Fahrzustand, und so ist auch verständlich, dass das ESP mit seinem Eingreifen so lange wartet, bis echt Gefahr im Verzug ist.

Dann mischt es sich heftig ein und bringt den Wagen (oder den Fahrer) blitzschnell wieder zur Raison. Über den Geradeauslauf muss man bei 2,85 Meter Radstand nicht groß reden und über die Bremsen schon gar nicht, denn sie zeigen sich jeder Beanspruchung souverän gewachsen.

Gutbürgerliche werden glücklich

Ein Lob wert ist auch der Fahrkomfort. Federung und Dämpfung sind zwar straff, aber nie von unguter Härte, Schlaglochserien stecken sie ungerührt und mit nur wenig Poltern weg, Kopfsteinpflaster wird bestens absorbiert. Auch beladen bleibt es bei diesem Wohlverhalten.

Den Automatik-Diesel-Turnier gibt es in allen Ausstattungsstufen (Ambiente, Trend, Ghia, Ghia X, Titanium, Titanium X). Unser Ghia ist für 31.325 Euro zu haben (das sind 1125 Euro mehr als das Schräg- und das Stufenheck, die zum gleichen Preis verkauft werden) und bringt neben optischen Aufwertungen im Innenraum, die nicht jeden Geschmack treffen, eine erfreuliche Serienausrüstung mit.

Dass sie noch Raum lässt für unterschiedlich wichtige Extra-Wünsche, beweisen die 10.000 Euro Differenz zum Endpreis unseres Exemplars. Aber auch dann ist man noch weit von dem entfernt, was für sogenannte Premium-Modelle mit entsprechender Ausstattung gezahlt werden muss. Wer mit gutbürgerlich zufrieden ist, kann mit dem Mondeo also sehr glücklich werden.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 31.325 Euro

Preis des Testwagens 41.920 Euro

Vierzylinder-Turbodieselmotor, vier Ventile je Zylinder, Common-Rail-Einspritzung, 1997 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 96 kW (130 PS) bei 4000/min

Höchstes Drehmoment 320 Nm bei 1750 bis 2240/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1500 bis 3300/min

Sechsstufiges Automatikgetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,83/1,89/1,55 Meter

Radstand 2,85 Meter, Wendekreis 11,9 Meter

Leergewicht 1522 (tatsächlich 1680), zulässiges Gesamtgewicht 2300, Anhängelast 2000 Kilogramm; Kofferraumvolumen 542 bis 1733 Liter

Reifengröße 215/55 R 16 93 H

Höchstgeschwindigkeit 190 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 11,9 s

Verbrauch 7,6 bis 10,1, im Durchschnitt 8,4 Liter Diesel je 100 km; 189 g/km CO2 bei Normverbrauch von 7,1 Liter; Tankinhalt 70 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 18, TK 21, VK 20.

Garantie 2 Jahre ohne Kilometerbegrenzung, auch auf Lack und Mobilität, 12 Jahre gegen Durchrostung, Wartung alle 20 000 Kilometer oder jährlich

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Nutzen Sie jetzt Ihr Sonderkündigungsrecht. Beim Wechsel Ihrer Kfz-Versicherung winken bis zu 500 € Ersparnis. Jetzt online vergleichen und gleich abschließen.

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche